Vielfältig ARTig

Mara Luka, fotografiert von Urban Ruths

Mara, fotografiert von Urban Ruths

Mara Luka ist gut rum gekommen in der Welt. In Wien geboren, später da studiert (Theaterwissenschaften), im Ruhrgebiet aufgewachsen, mehr oder weniger lange Abstecher in die Karibik, nach Spanien… Schauspielausbildung in Berlin… So richtig geradlinig war sie dabei nicht immer unterwegs. „Ich muss auf mein Herz hören“, beschreibt sie den einen oder anderen Moment, „mag Situationen, in denen mein Herz anfängt zu klopfen – und deshalb mache ich auch manchmal Sachen, bei denen ich mich auf die Fresse lege.“

Als Kind, das zwischendurch in Österreich auf dem Bauernhof lebte und auf Bäumen herum kletterte, assoziierte Mara mit dem Begriff „spielen“ weniger „Bauklötzer“ oder „Puppen“, sondern eher „Ronja Räubertochter“ oder „Pippi Langstrumpf“, was darauf hindeutete, wohin die berufliche Reise mal geht. Nichtsdestotrotz spielte sie erstmal Fußball, konzentrierte sich auf den Sport und war umgeben von Freundinnen und Freunden des runden Leders.

Bis schließlich doch das pochende Herzchen und der eine oder andere Zufall die Weichen stellten. Und das war gut so.

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Vielfalt

 

Als ich mir Schauspielszenen von Mara Luka anschaue, fällt mir recht bald die Vielfalt auf, in der sie tätig ist. Von total komisch bis total ernst, von verträumt bis emotional, locker flockig bis bürokratisch pedantisch. Und das dann auch noch echt. „Authentisch“ in der Sprache von heute.

Während ich so darüber nachdenke, woher sie diese Bandbreite ihrer Ausdrucksmöglichkeiten holt, fällt mir ein Aphorismus meines Freundes Friedrich Schiller ein: „Keiner sei gleich dem andern, doch gleich sei jeder dem Höchsten. Wie das zu machen? Es sei jeder vollendet in sich.“

Mara Luka, fotografiert von Urban Ruths

Mara, fotografiert von Urban Ruths

Mara formuliert das, in ihrer Sprache, aus ihrer Erfahrung, vom Sinn her ähnlich. „Jeder Mensch ist grenzenlos, die Mauern um uns bauen wir selber…“, ist sie sicher, „… aus dem Erlebten – vielleicht, weil mal was gegen uns ging… und wir Deutschen sind da besonders.“ Im Mauern bauen.

„Ich habe nicht gleich jede Figur, besser gesagt jeden Charakter“, präzisiert die junge Frau aufs Schauspiel bezogen, „ich suche den Punkt in mir; nicht alles, was ich spiele, bin ich; aber ein Teil von mir… wenn ich den habe, diesen Punkt, dann klappt’s. Dann kann ich von innen nach außen spielen, dann kann ich erlernte Techniken nutzen, dann kann ich einfach nur sein!“

Dabei ist es der Wahl-Berlinerin wichtig, „jeden darzustellenden Charakter ernst zu nehmen“, den bösen, den albernen, jeden. An einer Stelle indes geht Mara Luka ein bisschen mit dem großen Friedrich Schiller auseinender (jedenfalls was das konkrete Zitat anbelangt), während er vom „Höchsten“ und von „vollendet“ spricht, sieht sie sich und alle Menschen „ständig am Lernen“, wenn überhaupt also, dann rastlos unterwegs zur Vollendung.

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Charakter

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Steht sie am Set, Auge in Auge mit der Kamera, bereit in eine Rolle zu schlüpfen, dann ist Mara Luka schon drinne im Charakter. „Wer und wo ist die Figur, was ist deren Ziel(?), das muss ich vorm ‚und bitte‘ des Regisseurs schon wissen“, verrät sie.

Sie, die Schauspielerin, ist im Charakter der Rolle. Dieses Hineinschlüpfen passiert nach intensiver und gründlicher Vorbereitung („ich mache mir Notizen in dieser Zeit“). Und es komme, wie so oft im Leben, „auf die Szene an“, wie lange die Verwandlung dauert, wie intensiv sie ausfällt und wie lange sie nachhallt. Auf jeden Fall erachtet sie es als „wichtig, auszusteigen“. Auf dem Weg zum und vom Set, draußen im richtigen Leben, in der Bahn oder im Straßenverkehr, ist Mara noch – beziehungsweise wieder – „unterwegs in der Realität“.

Meistens agiert die Frau mit den blau-grünen Augen am Set nicht alleine. „Wie die Schauspielkollegen mich beeinflussen, so beeinflusse ich sie“, beschreibt sie das Miteinander, „sie geben mir was, damit arbeite ich.“

Mara Luka, Foto von David Frei 

Mara, Foto von David Frei

Überraschungsmomente entstehen dabei reichlich. „Positiv wie negativ“, plaudert Mara aus dem Nähkästchen, „das sind die schönen Momente. Das Beste, was passieren kann. Das ganze Zusammenspiel und seine Authentizität leben davon, dass wir auf irgendeiner Ebene berühren – wir Schauspieler uns und dann im Resultat den Zuschauer.“

So nimmt es nicht wunder, dass die 1,60m Frau Filme mag (beim Zuschauen wie beim Mitspielen), die von Emotionen leben. „Von gefühlsmäßigen Wechseln“, präzisiert sie, und gerne auch, besonders wenn sie selbst mitwirkt, „Rollen mit Körpereinsatz, verrückte Charaktere…“

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… kopflastige Sache

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Mara setzt gerne ihre sportlichen Fähigkeiten ein. Aikido, Fußball, Reiten, Snowboard, Yoga, das ist ihr Zuhause. „Sport macht was mit mir“, sagt sie, „ich kann mich auspowern, alles rauslassen. Das lässt den Geist frei!“

Dass neben der Körperlichkeit in ihrem Beruf ebenso andere Qualitäten eminent wichtig sind, lernte die junge Frau spätestens am Michael Tschechow Studio in Berlin: „Schauspiel ist eine sehr kopflastige Sache und intellektuell anstrengend. Das hat mich positiv überrascht. Ich habe da viel über mich gelernt. Außer einer Schauspiel- war das eine Selbstschule.“

Der Weg dort hin war der Weg (in Kurzfassung) über das bereits erwähnte Herzpochen, verpasste Fristen, Zufälle und letztlich mutige, leidenschaftliche Entscheidungen. „Ich habe erst Theaterwissenschaften studiert und als Nebenfach dann Psychologie/Pädagogik dazu gemacht und während ich die Diplomarbeit in Theaterwissenschaften geschrieben habe, meine Schauspielausbildung absolviert“, skizziert die Weltenbummlerin die Ereignisse.

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ARTig

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Und wie das Leben so spielt, findet ein Weg, der sich irgendwann mal in zwei Pfade gabelte, wieder zusammen. So, dass es einen Sinn ergibt. In ihrem (noch) Projekt, das zu einem Unternehmen im bürokratischen Sinne wächst („so weit ist es noch nicht, ich will das vernünftig aufziehen“), bringt Mara Luka ihr Wissen und Können in Theaterpädagogik und Schauspiel zusammen – ARTig Kinderfilm Berlin heißt es. Die engagierte Frau nennt es „mein Baby“ und macht dadurch klar, was neben jenem Wissen und Können die Mixtur erst wirkungsvoll gestaltet – ihre Leidenschaft.

Mara Luka; fotografiert von Urban Ruths

Mara Luka; fotografiert von Urban Ruths

„Mit Kindern arbeite ich schon lange…“, berichtet Mara und klingt dabei noch ein bisschen mehr aus dem Herzen redend als eh schon, „… während der Schule, als Fußballtrainerin, für eine Kinderzeitung… Die Mädchen und Jungen haben Gedanken, die wir Erwachsenen nicht mehr haben, ihre Ideen nehme ich wahr, nehme sie ernst und nehme sie auf. Gemeinsam verarbeiten wir das theatral. Ich gebe ihnen kein Stück vor, sie haben so tolle Ideen!“

Weil jene zusammen gestalteten Theaterstücke nach zehn Minuten Aufführung vor den Eltern zu Vergangenheit wurden, schrieb Mara sie zunächst auf, um Großartiges zu bewahren, bevor infolge die Idee entstand, Filme zu drehen: ARTig Kinderfilm Berlin. „In den Jugendlichen entsteht kreatives Bewusstsein, sie drücken aus, was sie wahrnehmen, erschließen ihr persönliches Potenzial“, kommt die Pädagogin und Schauspielerin aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, „Herzblut pur!“

Derzeit arbeitet Mara Luka hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen (drei bis 18 bzw. 21 Jahre) zusammen. Auf Projekte mit Erwachsenen hat sie indes genauso Lust. „Weil es anders ist!“ Oder darauf, Jugendliche und Senioren auf der Bühne und vor der Kamera zusammen zu bringen.

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Und schon sind wir wieder am Anfang der Geschichte. Über Mara, die gut rum kam (und kommt) in der Welt, die Vielfalt liebt und schauspielerisch umsetzen kann, die sich auf ihr Herzklopfen freut und dann Dinge angeht, die gerne mal verrückt sein können, die gerne mal mit der Nasenspitze auf dem Boden landen können, die mehr und mehr aber, oder irgendwann dann auf wundersame Weise, einen Sinn ergeben – und funktionieren.

JJ

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Weitere Informationen: Mara auf Instagram oder Mara auf filmmakers.de und ARTig Kinderfilm Berlin

Foto Startseite: David Frei

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