Niklas und die grundsätzliche Aggressivität in Richtung des Korbes

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Niklas Geske, Foto Quelle RASTA Vechta

Niklas Geske,
Foto Quelle RASTA Vechta

Der 24 Jahre junge und 1,84 Meter große Niklas Geske läuft in der Saison 2018/2019 für die EN Baskets Schwelm in der 2. Bundesliga ProB auf. Der Point Guard spielte mehrere Jahre für Phoenix Hagen, SC Rasta Vechta und MHP Riesen Ludwigsburg in der ersten Liga (BBL).

Sein neuer Verein schwärmt auf seiner Webseite von einem “Transfer-Coup” und weiter: “… neben den Schwelmern bekunden auch namhafte Erstligisten ernsthaftes Interesse an Geske. Nach fünf Jahren Bundesliga entscheidet der sich nun für ‘seine Leute’ in der Kreisstadt und bereitet seine Zukunft nach der sportlichen Laufbahn vor”.

Das bedeutet, dass Niklas sich nun dem Studium und dem Basketballsport widmen möchte. Zudem widmete er sich der Aufgabe, mir einige Fragen zu beantworten. Hier und jetzt:

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“Grundsätzlich verschieben sich grade etwas die Prioritäten… man weiß ja nie, was die Zukunft für einen bereit hält.”

 

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JJ: Niklas, beschreibe mal bitte deine ganz persönliche Faszination Basketball. Warum schaust du gerne zu, warum spielst du gerne?

Niklas Geske: Basketball fasziniert durch seine Geschwidigkeit, die Athletik und die vielen Wellen innerhalb eines Spieles! Ein Spiel ist tatsächlich erst nach 40 Minuten entschieden. Ich habe viele Spiele erlebt, in denen 20 Punkte Vorsprung keine Vorentscheidung waren. Dazu kommt, dass man nur als Team erfolgreich sein kann!

JJ: Bist du ein reiner Point Guard, wie verstehst du für dich diese Position, welche Talente und Fähigkeiten musst du mitbringen, welche bringst du mit?

Niklas für Phoenix Hagen; Foto Jörg Laube

Niklas für Phoenix Hagen; Foto Jörg Laube

Niklas: Ich verstehe mich schon als reinen Point Guard, der versucht, seine Mitspieler auf und neben dem Spielfeld besser zu machen. Dabei ist es wichtig, die Stärken der Mitspieler ins Spiel zu integrieren, zu erkennen, wo Mismatches sind und wer grade einen guten Rhythmus hat, und den Ball in den Händen benötigt.

Da sind natürlich Spielübersicht und Teamfähigkeit als Qualitäten ganz wichtig. Ich glaube, diese beiden Qualitäten bringe ich beide mit.

JJ: Gibt es einen Pointguard, egal ob hierzulande oder international, egal ob dieser Tage oder in der Vergangenheit, den du einfach nur gerne spielen siehst? (muss kein Vorbild sein, kann aber)

Niklas: Chris Paul war über Jahre hinweg für mich der beste reine Point Guard in der NBA. Er hat einfach eine super Kombination aus Fähigkeiten, mit denen er ein Spiel wie kein zweiter gelenkt hat. (JJ: 1,83 Meter groß, spielt/e für die New Orleans Hornets, die Los Angeles Clippers und Houston Rockets in der NBA)

JJ: War es bei dir der Klassiker mit dem basketballspielenden Vater oder großen Bruder, der dich mit in die Halle nahm und dich ansteckte oder war es ganz anders? Was hat dich als Kind an der orangen Kugel gehalten?

Niklas: Es war definitiv der Klassiker. Mein Vater hat mich schon als kleines Kind mit in die Halle genommen und dann ging es sehr schnell darum, meinen zwei Jahre älteren Bruder zu schlagen. So konnten wir nicht nur in der Halle, sondern auch zu Hause stundenlang eins gegen eins spielen, ohne auch nur an eine Pause zu denken.

JJ: Wann war ein Spiel für dich ein gutes Spiel, Niklas, wenn es gewonnen ist?

Niklas: Gewinnen steht in der Saison natürlich an erster Stelle! Allerdings geht es als Team auch darum, so nahe wie möglich an das Potential heran zu gelangen und sich stetig als Team zu verbessern.

Dabei ist der Weg von Spiel zu Spiel sehr wichtig. Wenn man sich im Vergleich zum letzten Spiel verbessert hat, ist das häufig ein gutes Spiel.

JJ: Jenas Coach Björn Harmsen hat mir erzählt, junge Spieler wollen erstmal Körbe werfen und müssen für die Defense begeistert werden. War das bei dir so oder warst du gleich der bissige Verteidiger?

Niklas: Ich glaube, ich war tatsächlich mehr von der Offensive fasziniert und musste als Profi einige Dinge, besonders in der Teamverteidigung, dazu lernen. Dabei war ich als direkter Gegenspieler immer aggressiv und hatte flinke Hände (wie gesagt, ich habe einen großen Bruder), doch die Wichtigkeit als Team defensiv zu funktionieren und extra Wege für andere zu laufen, musste ich erst noch lernen.

Niklas für Phoenix Hagen; Foto Jörg Laube

Niklas für Phoenix Hagen; Foto Jörg Laube

JJ: Wie hast du dein erstes BBL Spiel in Erinnerung?

Niklas: Meinen ersten Einsatz in der BBL hatte ich bei Phoenix Hagen im Auswärtsspiel in Bonn (also direkt im NRW-Derby). Dabei war ich von der Einwechslung so überrascht, dass ich kaum Zeit für Aufregung hatte. Ich habe dann sogar einen Korb gemacht, das war natürlich großartig!

JJ: Niklas, ich war nur ein durchschnittlicher Fußballer in der untersten Liga und habe wenige Tore geschossen, aber sehr viele vorbereitet. Das fand ich gut (das Vorbereiten). Wie geht es dir – über Assist, Steal, Rebound freust du dich ebenso wie über den Buzzer Beater oder Dunking?

Niklas: Besonders als Point Guard freue ich mich natürlich Assists zu spielen! Wie bereits gesagt, geht es darum, als Team zu funktionieren und alle ins Spiel zu integrieren. Dabei sind Stats wie Assists, Steals oder Rebounds natürlich immer schön.

Oft gibt es aber auch Plays, die zu den Stats führen, die zwar auf dem Statistikbogen nicht auftauchen, aber ebenso wichtig sind. Buzzer Beater oder Dunkings haben oft noch einen emotionalen Unterschied und können eine ganze Mannschaft aufwecken oder ins Spiel bringen. So sind diese Plays öfters Momentum-Changer, die dann besonderes Gewicht in einem Spiel haben können.

JJ: Und wenn ich schon mal bei meiner wenig ruhmreichen sportlichen Vergangenheit bin – ich mochte nie Egozocker, kannte aber viele 😉 Wie viele von den Jungs verträgt ein Team, werden sie gebraucht?

Niklas: Ich bin der Meinung, dass jeder Spieler eine grundsätzliche Aggressivität in Richtung des Korbes haben sollte. Dabei muss er aber natürlich den besser positionierten Mitspieler sehen und auch bereit sein zu passen!

Trotzdem braucht eine Mannschaft auch eine Mischung aus Teamplay und trotzdem gibt es immer auch mal Phasen, in denen einzelne Spieler extra Verantwortung übernehmen und Punkten sollen/müssen! Egozocker, die über das ganze Spiel hinweg vor allem an ihre Punkte denken, schaden ihrer Mannschaft oft mehr als sie helfen.

JJ: Ich hatte eine Zeit lang viel mit NBBL Spielern zu tun (Bremerhaven) und habe deren Wege in die verschiedensten Ligen verfolgt. Unterschiedliche Wege. Da mit Basketball in Deutschland nicht das ganze Leben auch nach der Karriere finanziert werden kann, sind einige mit Plan B oder gar Plan A unterwegs, der da Studium und Vorbereitung auf die Zeit nach dem aktiven Sport heißt. Wie handhabst du das, was ist Plan A, was Plan B?

Niklas Geske, Foto Quelle RASTA Vechta

Niklas Geske,
Foto Quelle RASTA Vechta

Niklas: Für mich war immer klar, dass es auch eine Zeit nach dem Basketball gibt. Ich finde, da muss jeder abschätzen, wie erfolgreich die Zeit als Spieler ist und was gegebenenfalls danach kommt.

JJ: Was weißt du über Schwelm, über den Ort, die Region, den Verein, vielleicht schon ein bisschen das Team für 2018/2019. Und hast du schon, da wir noch nicht mal in der direkten Saisonvorbereitung sind, ein erstes gutes Gefühl für das, was da kommt?

Niklas: Naja, ich komme ja nicht von soweit her. Bis nach Hagen sind es nur 15 und nach Dortmund 30 Minuten. Ich habe mit Phoenix Hagen damals das Eröffnungsspiel (ich glaube, das war in der Saison 15/16) in der neuen Halle gespielt.

Also weiß ich, dass mich eine schöne Halle mit super Fans erwartet! Dazu habe ich mit Thomas Reuter und Moritz Krume zwei gute Freunde und alte Wegbegleiter im Team. Auch Falk Möller als Ex-NBBL Coach kenne ich bestens.

JJ: Bist du mit einem kleinen Basketballertraum unterwegs, Niklas, möchtest du, auch wenn jetzt Studium angesagt ist, mal wieder in die BBL, vielleicht gar in die Champions League?

Niklas: Grundsätzlich verschieben sich grade etwas die Prioritäten. Allerdings möchte ich in keine Richtung etwas ausschließen! Man weiß ja nie, was die Zukunft für einen bereit hält.

JJ: Danke und viel Erfolg, noch mehr Spaß und noch viel mehr Gesundheit.

Weitere Informationen: News auf der Webseite der EN Baskets Schwelm

Foto Startseite: Quelle RASTA Vechta

 

(Da der neue Verein von Niklas – Schwelm – naturgemäß noch keine Fotos von ihm bereit stellen kann, danke ich um so mehr seinen ehemaligen Vereinen in Hagen und Vechta für das zur Verfügung gestellte Bilmaterial.)

 

Ein Kommentar:

  1. Schade, dass ich dich nicht mehr beim mhp Ludwigsburg spielen sehe. Leider war dein Einsatz immer wieder zeitlich nicht lang. Um so mehr freut es mich, dass du bei deinem neuen Verein glücklich zu sein scheinst. Alles Gute für deine Zukunft! Wenn ich mal in deine Gegend komme, werde ich es bestimmt einrichten, dass ich dich spielen sehe.

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