Nichts zurückhalten

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Dominik Zahorka, Foto Ilka Hummel

Dominik Zahorka,
Foto: Ilka Hummel

Dominik Zahorka hat Ausbildungen zum Dokumentationsassistenten und Mediengestalter absolviert, gleichwohl Schauspiel- und Sprechausbildungen. Er spielte in verschiedenen Filmen und Serien mit (Um Himmels Willen, Hubert & Staller beispielsweise), auch die eine oder andere Theaterrolle.

Warum der etwas längere Weg für ihn genau der richtige Weg war, warum ihm Sprache so wichtig ist und welche Schauspielerin ihn warum sehr fasziniert, das erzählt er uns. Hier und jetzt:

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“Für mich war alles, was ich vor der Schauspielerei gemacht habe, ein Lernprozess, ein Suchen nach dem Richtigen”

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JJ: Dominik, zwar hatte ich nie vor, Schauspieler zu werden, aber wenn, dann hätte ich gerne den Wilhelm Tell oder den Robin Hood gespielt. Von mir aus einen der Musketiere. Auf jeden Fall den Helden. Frage ich Kolleginnen oder Kollegen von dir, echte Profis, wollen die meist was anderes – eine Rolle weit von sich weg, einen Charakter, der sich entwickelt, gerne den Fiesling. Wie ist es mit dir, stehst du für Heldenrollen bereit oder muss ich umschulen?

Dominik Zahorka: Also, ich spiele sehr gerne negative Rollen, Fieslinge, tiefe gebrochene Charaktere – aber auf der anderen Seite auch sehr gerne Heldenrollen. Wenn mich der jeweilige Filmemacher in der Rolle sieht, dann würde ich auf keinen Fall sagen, ich spiele nicht den Helden. Das macht doch den Schauspielberuf aus, dass man in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft und damit im besten Fall auch keine Berührungsängste hat.

JJ: Und wenn wir mal eben dabei sind: Worin besteht deine ganz persönliche Faszination Schauspiel? Unterteile gerne in: wenn du zuschaust und wenn du selbst spielst.

Dominik: Die Faszination am Schauspielberuf ist für mich das Hineinschlüpfen in ganz unterschiedliche Charaktere. Charaktere, die sehr extrem sein können, sehr anders sind als ich. Aber auch eine Person, die vielleicht viel näher an mir dran ist zu spielen, quasi ein Heimspiel zu machen, kann ganz reizvoll sein.

Dominik Zahorka, Foto: Ilka Hummel

Dominik Zahorka,
Foto: Ilka Hummel

Ich denke, das weite Feld, das man da mit den unterschiedlichen Rollen bedienen kann, das ist für mich die Faszination – sowohl beim Spielen als auch beim Zusehen. Wenn ein Kollege das sehr, sehr gut macht.

JJ: Wie hat es bei dir angefangen, Dominik, so richtig klassisch in der Kindheit auf dem Küchentisch als Bühne oder der Theater-AG?

Dominik: Ich habe mich eigentlich immer schon für Schauspiel interessiert, von Kindheit an, ich habe mit Marionetten angefangen und hatte auch ein eigenes Tourneetheater. Natürlich habe ich auch mit Freunden und Bekannten Theater gespielt und Filme gemacht, in der Schule und in der Freizeit.

JJ: Wie entstand dein Wunsch oder Entschluss, Schauspieler zu werden, war es der eine Moment, war es eine Entwicklung?

Dominik: Der Schritt zum Berufsschauspieler war ein relativ langer Weg. Ich habe mich zuerst ein bisschen umgesehen, war unter anderem hinter der Kamera und als Tonmann tätig. Mir wurde sehr schnell klar, dass das nichts für mich ist – einen technischen Beruf zu ergreifen oder irgend etwas anderes am Set zu machen als vor der Kamera zu stehen.

Ich habe mich immer viel mehr mit der Arbeit der Schauspieler beschäftigt als mit dem, wofür ich eigentlich da war. Das hatte natürlich keinen Sinn! Ein Regisseur hat mir dann eine kleine Rolle in einem Film gegeben, bei dem ich als Tonmann beschäftigt war und danach gings direkt auf die Schauspielschule.

JJ: Wenn du vor der Kamera agierst oder auf der Bühne – und die Momente, in denen du in die Rolle schlüpfen musst, sind gekommen, was geht in dir vor; was fühlst, spürst, denkst du; wer bist du?

Dominik: Das ist natürlich ganz unterschiedlich, je nachdem was meine Rolle mir bietet oder welche Anforderungen sie stellt. In dem Moment, in dem ich spiele, denke und fühle ich die Gedanken und Gefühle der Rolle und stelle quasi meinen Körper, meine Stimme und mein ganzes Wesen der Figur zur Verfügung, um sie lebendig werden zu lassen.

Das ist der Idealfall. Natürlich gelingt das je nach Tagesform mal besser und mal schlechter.

JJ: Was machen die Kolleginnen oder Kollegen mit dir, wie beeinflussen sie dich? Kollegen/Kolleginnen in Bestform…

Dominik: Für mich ist es tatsächlich ein sehr großes Geschenk, mit guten Kollegen zusammen zu arbeiten, denn wenn man einen starken Spielpartner oder eine starke Spielpartnerin hat, kann man emotional wirklich wahnsinnig viel von der Person abnehmen und braucht im besten Fall nur noch zu reagieren, muss also in sich selbst gar nichts mehr herstellen, sondern es ergibt sich aus dem Spiel heraus.

Dominik Zahorka, Foto: Ilka Hummel

Dominik Zahorka,
Foto: Ilka Hummel

JJ: Machst du die Erfahrung, dass deine Ausbildungen zum Dokumentationsassistenten oder Mediengestalter dir entweder direkt beim Schauspiel helfen – oder indirekt nach dem Motto “erstmal was Vernünftiges lernen” beziehungsweise “das richtige Leben kennen lernen”?

Dominik: Für mich war alles, was ich vor der Schauspielerei gemacht habe, ein Lernprozess, ein Suchen nach dem Richtigen. Die Schauspielerei war für mich der Durchbruch, die Lösung meiner großen Frage. Ich denke, dass diese Berufe, auch wenn sie für mich nicht geeignet sind, Schritte auf der Leiter zu meinem jetzigen Beruf waren.

JJ: Was für Filme begeistern dich, Dominik, was macht einige für dich ganz persönlich besonders? Und welche Schauspieler/innen faszinieren dich?

Dominik: Mich fasziniert, wenn ein Schauspieler sein Publikum ganz tief berühren kann. Das kann in verschiedenen Formen passieren. Jemanden zum Lachen zu bringen ist eine ganz, ganz große Kunst, aber auch dem Publikum Leid und Schmerz spürbar zu machen, quasi das privateste, innerste für die Kamera nach außen zu kehren und sich dabei nackt und schutzlos zu machen, ist die Königsklasse des Schauspiels. Für mich war Romy Schneider da ein Musterbeispiel des “nichts Zurückhaltens”.

Auch der Bereich Sprache ist mir sehr wichtig, ich finde da ist in den letzten Jahren im Film/Fernsehbereich leider die Sprachkultur ein bisschen ins Hintertreffen geraten. Früher gab es sehr, sehr viele großartige Schauspieler/innen die darstellerisch und sprachlich große Leistungen gebracht haben.

Mittlerweile liegt der Fokus irgendwie nicht mehr so sehr darauf, obwohl wir in Deutschland doch viele sehr gute Leute haben! Ich versuche, bei meinen Rollen immer wahrhafte Emotion mit guter Sprache in Einklang zu bringen.

JJ: Noch zwei Fragen. Erstens (sieht aus wie drei Fragen, ist aber eine): Spielst du einfach nur aus dir heraus und wenn es Zuschauern gefällt, dann um so besser? Oder spielst du grundsätzlich für das Publikum, vielleicht auch für Erfolg oder Bekanntheit? Oder bist du gar in einer Mission unterwegs?

Dominik: Generell spiele ich aus mir heraus, lasse der Figur freien Raum, stelle mich der Figur zur Verfügung und schaue, was passiert, wenn ich meine Fähigkeit, mein Talent, meine Körperlichkeit, der Figur leihe. Natürlich spiele ich auch immer für das Publikum.

Dominik Zahorka, Foto: Ilka Hummel

Dominik Zahorka,
Foto: Ilka Hummel

JJ: Und zweitens: Was, wen, mit wem, in welchem Format, möchtest du am liebsten spielen?

Dominik: Ich wünsche mir für die Zukunft viele interessante, unterschiedliche Rollen mit vielen interessanten Kollegen und natürlich würde ich gerne mal die Hauptrolle im Tatort spielen.

JJ: Danke.

Weitere Informationen: Dominik bei Schauspielervideos.de oder
Dominik auf der HP seiner Agentur

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