Hart, dreckig und emotional

 

Seichte Unterhaltung, heile Welt Gedöns, Happy End, Liebesgesäusel, trallala, das ist nicht das Ding von Kristina Kostiv. Eine Rolle in einer Seifenoper oder Telenovela? Nein Danke. „Wenn ich es probierte, musste ich mich quälen“, sagt sie. Die Schauspielerin mag es heavy, trash, psycho. Zu Deutsch: hart, dreckig, emotional.

 

„Nicht echt, was da läuft“

 

Foto:Ignacio Hennigs

Foto:
Ignacio Hennigs

„Seit meinem zwölften Lebensjahr bin ich Fan von Horrorfilmen“, schaut sie zurück, „natürlich war mir damals schon bewußt, dass es nicht echt ist, was da läuft. Mich faszinierte, wie Schauspieler die Angst darstellen.“ Die Tochter einer Regisseurin spielte schon in ihrer Kindheit, als sie noch in der Ukraine lebte, Theater. „In Deutschland, wo ich seit elf Jahren wohne, traute ich mich erstmal nicht, wegen des Akzents“, schildert Kristina die anfängliche Unsicherheit. Nachdem es mit einem anderen Berufswunsch, dem der Polizistin, „nicht so richtig klappte“, lernte sie Kosmetikerin, wollte als Maskenbildnerin in die Filmbranche.

Irgendwann, vielleicht lief ihr die Redewendung ‚Versuch macht klug‘ über den Weg, fuhr sie von Saarbrücken, wo sie zunächst lebte, nach Berlin und überließ die Entscheidung dem Schicksal in Gestalt einer Aufnahmeprüfung an einer Schauspielschule und die Dinge nahmen ihren Lauf.

 

Doch echt, was da läuft

 

Wenn Kristina Kostiv agiert, wenn die Kamera läuft, oder eher schon eine gewisse Zeit davor, dann kann sie „frei sein, aus dem Alltag raus, was sein, was man im richtigen Leben nicht ist, raus aus Routine und Langeweile“, und ihre Intensität schießt durch die Decke. Was auf die Leinwand oder den Bildschirm kommt, ist Leidenschaft pur, ist authentisch.

„Wo, wenn nicht im Film, kann ich meine Emotionen raus lassen?“, fragt die 25jährige, „es ist wie eine Therapie. Wenn ich das auf der Straße mache, fangen sie mich weg ;-).“ Und: „Ich fühle mich leichter danach.“

Szene aus dem Film ,, German Angst "

Szene aus dem
Film ,, German Angst „

So nimmt es nicht wunder, dass Kristina während des Drehs bestenfalls ihren Schauspielpartner wahrnimmt: „Das ist sehr wichtig! Er muss mir Emotionen geben – und ich ihm. Ansonsten bin ich 100 Prozent nur bei mir, nehme keine Technik, keine anderen Leute drumherum, kein Umfeld wahr. Es kann sogar passiern, dass ich mich danach kaum an etwas erinnere.“ Ist die eine Szene abgedreht, dann ist die Darstellerin keine Freundin vieler Worte: „Ich bin erstmal weg. Für mich, sitze irgendwo – und versuche drin zu bleiben – für die nächste Szene.“

Für die nahe Zukunft freut sich Kristina Kostiv auf drei Filme, die im Sommer in Kinos, auf Festivals und auf DVD angeschaut werden können. Einer in Englisch („Paraphrenia“), zwei in deutscher Sprache. „DeXit“ heißt der eine.

 

Ärgerlich, was da läuft

 

Für die weitere Zukunft möchte die Schauspielerin auf jeden Fall besser Englisch und noch besser als eh schon Deutsch lernen. Englisch, weil für ihr Lieblingsmetier, die Horrorfilme, der internationale Markt deutlich größer und aufnahmewilliger ist als der unsere. Deutsch, weil da immer noch ein klitzekleiner Akzent ist. Und der ist zwar für den einen Teil der Menschheit ein Ausdruck von Echtheit, von Leben, von Realität und Charisma, für den anderen Teil, viele Caster und Produzenten, anscheinend aber ein Makel, eine Hürde, über die sie nicht hüpfen möchten.

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Nach dem „Sie haben sehr viel Talent, Sie spielen sehr gut“ folge dann immer der Nachsatz „aber der Akzent! Dafür ist kein Markt in Deutschland“, ärgert sich Kristina – und während sie sich ärgert, ist wirklich nur der Miniakzent zu hören. Egal, sie steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern arbeitet daran. „Ich will mich immer weiter entwickeln“, blickt sie nach vorne und nach oben, „nicht stehen bleiben.“

Foto: Jens Poser

Foto:
Jens Poser

Gleichwohl wünscht sich die ehrgeizige junge Frau, dass „die Filmbranche nicht so verbittert“ sein solle. Schaut sie noch ein bisschen weiter in die Zukunft, beinahe schon in die Träume, möchte Kristina gerne mal mit Lars von Trier zusammenarbeiten. „Mein Lieblingsregisseur“, schwärmt sie, „wegen der Emotionen, die gelüftet werden.“

 

Weiter läuft es, immer weiter

 

Da das künstlerische Repertoire der Kristina Kostiv deutlich breiter aufgestellt daher kommt, als nur echt und überzeugend Angst darstellen zu können, sie zudem noch sieben Jahre Ballett- und fünf Jahre Gesangsunterricht absolvierte, wird die eine oder andere Überraschung in Sachen heavy, trash and psycho – alias hart, dreckig und emotional – nicht ausbleiben. Hoffentlich.

JJ

Foto Startseite: Lutz Stellmacher

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