Ach… alles!

Ana Isabel Mena, Foto Marco Fechner

Ana Isabel Mena,
Foto Marco Fechner

 Ana Isabel Mena hat in ihrer Geburtsstadt Sevilla an der Staatlichen Schauspielhochschule studiert und an der dortigen Universität zudem Germanistik. Mittlerweile lebt sie in Berlin, hat in beiden Ländern auf Bühnen und vor Kameras gestanden.

Die sportliche, junge Frau (Schwimmen, Leichtathletik, Reiten, Fuβball, Tischtennis, Klettern, Kung Fu) tanzt Flamenco, kann fechten und ist auch in Akrobatik oder Pantomime geschult. Damit nicht genug. Ana war als Spanischlehrerin und Theaterpädagogin für Kinder tätig.

Jetzt und hier indes beantwortet sie uns mal eben einige Fragen:

 

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„… und dann geht es darum, alles fließen und den Emotionsprozess entstehen zu lassen…“

 

.JJ: Ana, erzähle bitte zunächst mal ein bisschen über Spanien, über die Region, in der du aufgewachsen bist, über Sevilla.

Ana Isabel Mena: Ich bin in Sevilla geboren und aufgewachsen. Das war wirklich ein Glück. Sevilla ist eine wunderschöne Stadt mit viel Geschichte und wunderbaren Aussichten. Als Hauptstadt von Andalusien ist es eine große Stadt, aber nicht so übertrieben groß oder so teuer wie Madrid oder Barcelona.

Andalusien ist ein sehr vielfältiges Reiseziel, denn es gibt Land, Strand, Wüste, Schnee, Geschichte, Ruhe… alles. Es ist nur ein klein wenig zu warm im Sommer 😉

JJ: Du hast an der Staatlichen Schauspielhochschule Sevilla studiert und in Deutschland Coachings absolviert. Gibt es gravierende Unterschiede, was Schauspiel in den beiden Ländern betrifft?

Ana: Ich habe nicht das Gefühl, dass es große Unterschiede in der Schauspielkunst gibt. Nur je nach Schule werden unterschiedliche Strömungen akzentuiert. In meiner Schauspielschule wurde nach William Layton gearbeitet, in Deutschland ist der jedoch völlig unbekannt. Hier wird mehr die Meisner Technik benutzt und es gibt einen größeren Einfluss aus den USA.

Ana Mena, fotografiert von ©Joachim Gern

Ana, fotografiert von © Joachim Gern

In Deutschland ist es viel wichtiger, in einer staatlichen Schauspielschule deine Ausbildung abgeschlossen zu haben. Das öffnet dir später viele Türen und du bist sofort besser vernetzt.

Das deutsche Theatersystem ist echt beeindruckend: So viele Theaterhäuser und Theaterensembles… Es ist ein Luxus und Vorteil, der kaum woanders zu sehen ist. Ich hoffe, es geht nie verloren.

JJ: Du hast im Spielfilm „El Olivo“ mitgemischt. Wie war’s, hat dir speziell diese Arbeit Spaß gemacht, warum sollte ich mir den Streifen anschauen?

Ana: Für mich war es eine große Ehre, in dem Film mitzuwirken. Icíar Bollaín ist eine der wichtigsten Regisseurinnen Spaniens und international bekannt. Ich habe ihre Arbeit immer gemocht und geschätzt. In dem Film geht es um Familie, um Kampf und Vergebung, um Natur und Naturerbe. Es ist eine schöne Geschichte, mit der man mal lacht, mal weint. Ich war sehr glücklich, Teil davon zu sein.

JJ: Was macht dir persönlich speziell am Theater spielen Spaß?

Ana: Ach… alles! Es ist alles immer im Prozess. Weil das Stück auch, wenn die Premiere vorbei ist, weiter wächst. Neue Sachen werden entdeckt und die Darsteller/innen gehen tiefer in die Rollen.

Im Theater hat man etwas vor, aber danach wird es doch anders und normalerweise noch besser als du dachtest. Es ist immer spannend. Es ist Teamarbeit: Die Ideen, das Wissen und die Kreativität von verschiedenen Menschen kommen zusammen, um eine Geschichte zu erzählen und das ist sehr bereichernd.

JJ: Du bist sehr sportlich unterwegs, Ana, brauchst du Bewegung und Action, misst du gerne deine Kräfte mit anderen? Denkst du, es ist eine gute Voraussetzung zum Schauspielen, den eigenen Körper durch Sport besser zu beherrschen?

Ana: Seit ich klein bin, habe ich immer viel Sport gemacht: Karate, Schwimmen, Leichtathletik… Jetzt spiele ich eher Fußball, gehe mal Bouldern und mache Kung Fu. Für mich geht es nicht darum, meine Kräfte mit anderen zu messen, mir geht es darum, fit zu sein, Spaß zu haben und besser in der jeweiligen Sportart zu werden: Es geht darum, sich zu entwickeln.

Ich trainiere aber auch, weil ich sehr gerne Actionfilme drehen würde und die erfordern eine gewisse Fitness. Ich bin sehr unternehmungslustig und mag Bewegung, inbesondere draußen bei gutem Wetter, aber ich kann auch mal stundenlang zu Hause spannende Serien gucken.

Ana Isabel Mena, Foto © Joachim Gern

Ana Isabel Mena,
Foto © Joachim Gern

Ich finde es unabdingbar zum Schauspielen, seinen Körper beherrschen zu können. In meiner Schauspielschule, obwohl es für Sprechtheater war, waren die Körper- und Bewegungsfächer sehr wichtig und wurden von hervorragenden Lehrer/innen unterrichtet.

Man sieht es sofort auf der Bühne, wenn ein Darsteller oder eine Darstellerin den eigenen Körper nicht beherrscht. Ich denke, es ist grundlegend, um die Rolle zu entwickeln: Stimme, Bewegung, Körperhaltung, Geschwindigkeit… alles Körper!

JJ: Du hast Tanztheater gespielt. Erzähle bitte mal ein bisschen. Was ist die Faszination daran, bist du noch aktiv oder möchtest gerne wieder?

Ana: Oh, da mischen sich zwei verschiedene Sprachen und die Ausdrucksform ist so machtvoll. Ich fühle mich sehr gut, wenn ich Tanztheater performe, da fließt alles… Ich habe das mal vor langer Zeit auf Eis gelegt und mich mehr auf Sprechtheater konzentriert. Aber ich habe total Lust darauf, es mal wieder zu machen. Letztes Wochenende war ich wieder in einem Tanztraining.

JJ: Was machst du konkret als Theaterpädagogin für Kinder, was ist besonders an der Zusammenarbeit mit den Kleinen?

Ana: Ich unterrichte mittlerweile nicht mehr, aber ich habe es jahrelang gemacht. Es ist beeindruckend, wie viel Talent und Kreativität in Kindern steckt, auch in Kindern, die zu Hause null gefördert werden. Ich hatte Schülerinnen, die nicht in die Pause auf den Hof gingen, weil sie mir und meiner Kollegin Choreos vortanzen wollten und uns Lieder in sämtlichen Sprachen vorgesungen haben.

Die Kinder finden durch Theater einen anderen Weg, sich auszudrücken, sich zu entwickeln, sich kennenzulernen und im Team zu arbeiten. Sie entdecken andere Disziplinen, in denen sie gut sind oder Potenzial haben. Für mich war es sehr schön zu sehen, wie sie sicherer auf der Bühne wurden, wie sie selber Geschichten entwickelt haben oder wie sie Liebe und Verständnis fürs Theater entwickelt haben.

JJ: Ana, du stehst vor der Kamera und hast das Mikrofon vor der Nase. Der Regisseur sagt „Bitte“. Was fühlst, denkst, spürst du, während du in die Rolle schlüpfst und während du drin bist? Wie viel Ana bist du dann?

Ana Isabel Mena, Foto von Marco Fechner

Ana Isabel,
Foto von Marco Fechner

Ana: Du musst präsent sein, in der Situation und Emotion der Rolle. Bei dir sein, aber gleichzeitig bei deinem Partner/deiner Partnerin. Bis zu diesem Moment hat man schon die Vorarbeit erledigt (Text gelernt, geprobt, eventuell einen Akzent oder die Art und Weise zu reden oder sich zu bewegen geübt, etc.) und dann geht es darum, alles fließen und den Emotionsprozess entstehen zu lassen.

Manche Rollen haben mehr und andere weniger von mir, je nachdem. Aber die haben immer mindestens mein Gesicht und meinen Körper! 🙂

JJ: Welchen Schauspielkolleginnen oder Kollegen schaust du gerne bei der Arbeit zu, welche Art Filme oder Bühnenstücke begeistern oder fesseln dich?

Ana: Ich bin total begeistert von der Schauspielleistung von Tatiana Maslany in der Serie Orphan Black. Sie spielt verschiedene Frauen und ich vergesse, dass sie eigentlich von der gleichen Schauspielerin verkörpert werden. Es ist unglaublich.

Ich schaue mir sehr gerne Science Fiction und Action Serien- und Filme an. Bei Theaterstücken bin ich sehr offen, aber wenn Humor und Gesellschaftskritik zusammenkommen, finde ich es top.

JJ: Bist du mit einem Schauspielerinnentraum unterwegs?

Ana Isabel Mena, Foto von Marco Fechner

Ana Isabel Mena,
Foto von Marco Fechner

Ana: Klar. Erst nur davon, leben zu können. Und dann würde ich gerne Teil von Geschichten sein, die das Publikum bewegen und unterhalten. Es gibt Filme oder Storylines, die Menschen tatsächlich sehr positiv beeinflussen und das finde ich sehr machtvoll.

JJ: Was liegt demnächst an?

Ana: Demnächst erst ein bisschen Pause: Ich werde im Frühling zwei Monate durch Lateinamerika reisen und Sonne tanken. Danach geht es wieder los mit allem, was möglich ist!

Weitere Informationen: Anas Webseite und: Anas facebook Seite

Foto Startseite: Marco Fechner

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