Immer alles geben

 

Lena Vedder; Foto Jürgen Peperhowe - Westfälische Nachrichten

Lena Vedder; Foto Jürgen Peperhowe – Westfälische Nachrichten

Die 1,87m große Lena Vedder spielt in der 1. Volleyball Bundesliga seit 2017 für den USC Münster. In ihrer Jugend war sie beim TV Neheim und beim RC Sorpesee, mit dem sie 2015 in die zweite Bundesliga aufstieg, aktiv. Im Dezember zog sich die 22jährige einen Kreuzbandriss zu und fällt für den Rest der Saison aus.

„Dass diese Situation grade in der Anfangsphase kurz nach der Verletzung alles andere als einfach für jeden Sportler und besonders für einen Teamsportler ist, muss ich – denke ich – nicht sagen“, kommentiert die junge Frau das Geschehen, „man muss lernen, sich mit der Situation bestmöglich zu arrangieren und dem Team auf eine andere Art und Weise als spielerisch zu helfen.“

Ans Aufhören hat Lena nicht gedacht. „Der Gedanke war nicht mal eine Sekunde in meinem Kopf, ganz im Gegenteil. Es ging direkt darum, wie schnell ich wieder fit sein kann“, beantwortet sie meine diesbezügliche Frage kämperisch.

Dieser Tage wird die Sportlerin operiert. Das hielt sie nicht davon ab, uns einige weitere Fragen zu beantworten:

 

„Da sind Spielerinnen auf der anderen Netzseite, die schon bei Europa- und Weltmeisterschaften oder sogar Olympia gespielt haben…“

 

JJ: Lena, mir haben männliche Kollegen von dir, die auch auf Außen spielen, gesagt, diese Position sei so komplex und so schwierig, dass es keinen Sinn macht, sie einem Leie zu erklären, das versteht eh keiner. Ich bin sicher, du kannst das besser, du kannst diese Position verständlich erläutern, oder? 😉

Lena Vedder: Na, also eigentlich spiele ich auf der Diagonalposition.

(Zur Erklärung: Sowohl Wikipedia – zur Zeit meiner Recherche – als auch die Vereinsseite wiesen Lena als Außen-Spielerin aus, deshalb die kleine Verwirrung)

JJ: Was bringst du außer deinen 1,87m Körpergröße mit, um auf der Position zu sein? Interpretierst du die Rolle irgendwie auf deine ganz persönliche Art?

Lena: Ich denke, meine Stärke auf dem Spielfeld ist es, abgesehen vom spielerischen, mit meiner Freude, Power und Energie, die ich ausstrahle, mein Team mitzureißen.

JJ: Wie bist du zum Volleyball gekommen, Lena, der Klassiker mit dem Vater, Bruder, Onkel, der dich mitnahm zum Training – oder ganz anders?

Lena: Bevor ich angefangen habe Volleyball zu spielen, habe ich jahrelang getanzt und mich in der Leichtathletik probiert. Nach kurzer Zeit war mir aber klar, dass das nicht ganz das Richtige für mich ist. Somit war ich auf der Suche nach einer neuen Sportart. Eine Freundin und ich sind durch ihre Schwester auf Volleyball gestoßen und sind dann einfach mal zu einem Training gegangen.

JJ: Was hat dich damals, als Kind, an dieser Sportart begeistert, dich am Ball gehalten; und was fasziniert dich jetzt – a., wenn du zuschaust, b., wenn du spielst?

Lena: Zuallererst ist für mich definitiv die Begeisterung da gewesen und auch immer noch da, weil es einfach ein Teamsport ist. Außerdem finde ich, dass es eine sehr komplexe Sportart ist, in der man viele Elemente beherrschen muss.

Lena Vedder, Foto von Stefan Gertheinrich

Lena, Foto von Stefan Gertheinrich

Faszinierend beim Zuschauen finde ich, mit was für einem Einsatz Spieler/innen, egal auf welchem Niveau, spielen. Außerdem finde ich es beeindruckend, was teilweise für eine Athletik, Technik und auch Cleverness mitgebracht und im Spiel umgesetzt wird.

Ich persönlich liebe es, einfach auf dem Feld zu stehen, Vollgas zu geben, aggressiv zu sein und mit meinem Team jeden einzelnen Punkt völlig abzufeiern.

JJ: Plaudere mal bitte über Münster, ist es eine volleyballverrückte Stadt, wie sind die Fans drauf, wie familiär, wie professionell gehts im Verein zu?

Lena: Münster ist meine erste Profistation. Ich bin total froh, hier gelandet zu sein. Mir wurde der Einstieg in die 1.Bundesliga durch mein Team und den Verein auf jeden Fall vereinfacht.

Unsere Fans sind klasse und haben uns als super neues Team nach dem Umbruch in Münster hervorragend aufgenommen. Unser Ziel ist es, mit unserer Spielweise weiterhin immer mehr Menschen für unseren Sport zu begeistern, damit unsere Halle am Berg Fidel bei jedem Spiel noch voller und lauter wird.

JJ: Was für ein Team hat sich für die laufende Saison zusammengefunden, menschlich und spielerisch?

Lena: Immer, wenn mir wer diese Frage stellt, kriege ich ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Ich bin sowas von begeistert, wie schnell wir uns als Team zusammengefunden und schon entwickelt haben. Wir harmonieren auf und neben dem Feld total miteinander und es macht einfach riesig Spaß zusammen.

Wir sind ein sehr junges und eher unerfahrenes Team. Mareike Hindriksen, unsere Kapitänin, Ines Bathen und Lisa Thomsen, und seit kurzer Zeit nun auch Nadja Schaus, bilden dabei das Gespann der erfahrenen Spielerinnen, die uns Jüngere an die Hand nehmen, uns unterstützen, wenn wir Fragen haben und Hilfe brauchen, die aber auch von jedem Einzelnen immer wieder Leistung einfordern.

JJ: Wie ist deine Teamkameradin Lina Alsmeier so drauf? (Interview vor einigen Tagen)

Lena: Lina ist eines unserer Küken in der Mannschaft, hat dafür volleyballtechnisch aber mit ihren 17 Jahren schon gut was zu bieten. Sie wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas schüchtern, ist aber ein sehr offener und liebevoller Mensch, mit dem man sehr viel Spaß haben kann.

JJ: Wie liegt Ihr im Rennen, wie läuft deine Saison?

Lena: Wie ich eben schon gesagt habe, haben wir uns als Team schnell zusammengefunden und entwickelt. Dementsprechend gab es schon einige wichtige Siege zu feiern.

Für mich persönlich ist jedes Spiel eine neue große Herausforderung, bei der ich aber langsam immer mehr Sicherheit bekomme. Ich bin total dankbar und happy darüber, dass ich bis jetzt schon so viel Spielpraxis in der 1.Liga sammeln konnte, damit habe ich am Anfang der Saisonvorbereitung absolut nicht gerechnet.

Ich denke, ich finde mich immer besser ein, aber habe natürlich auch weiterhin noch ganz, ganz viel Arbeit vor mir. Umso bitterer ist es nun für mich, durch einen Kreuzbandriss, den ich mir in einem der letzen Spiele in der Hinrunde zugezogen habe, für den Rest der Saison auszufallen.

JJ: Erinnerst du dich an die Momente des Aufstiegs mit dem RC Sorpesee 2015 in die zweite Bundesliga und an dein erstes Spiel später in der ersten Liga? Weht im Oberhaus ein ganz anderer Wind?

Lena: Natürlich erinnere ich mich an den Moment des Aufstiegs mit dem RCS in die 2.Bundesliga. Für uns alle ging ein riesen Traum in Erfüllung. Wir haben einen Durchmarsch von der Oberliga bis in die 2.Liga gemacht und Vereinsgeschichte geschrieben. Das war einfach unglaublich und mit der Freude ist natürlich auch die eine oder andere Träne geflossen. Als Anerkennung durften wir uns sogar ins Goldene Buch der Stadt Sundern eintragen.

Vor meinem ersten Spiel in der 1.Bundesliga war ich super nervös. Meine ganze Familie und viele meiner Freunde waren in der Halle. Ein Saisonstart ist immer etwas Besonderes, es ist der Moment, auf den man zusammen als Team die ganze Vorbereitung hingearbeitet hat.

Beim Einlaufen in die Halle war ich überwältigt und der eine oder andere hat mir mit Sicherheit auch meine Nervosität angesehen. Als aber dann die ersten Bälle gespielt waren, war sie wie weggeblasen und ich habe das Spiel einfach nur noch genießen können.

Wer sich spiele in der ersten und zweiten Bundesliga anguckt, sieht auf jeden Fall einen großen Unterschied. Das Tempo, die Schlaghärte und vieles mehr… Da sind Spielerinnen gegenüber auf der anderen Netzseite, die schon bei Europa- und Weltmeisterschaften oder sogar Olympia gespielt haben.

Lena Vedder, Foto Stefan Gertheinrich

Lena, Foto Stefan Gertheinrich

JJ: Lena, ich bin sicher, Volleyballerinnen der ersten Liga in Deutschland sind durch und durch professionell unterwegs, trainieren hart, geben alles und spielen einen klasse Ball. Finanziell indes müsst Ihr, vermute ich, anders als Profifußballer, nach der aktiven Karriere möglichst schnell und gut vorbereitet in einen anderen Beruf wechseln, der euch absichert. Auch wenn in deinem Fall noch viel Wasser die Münstersche Aa herunter fließt, bis es soweit ist, hast du Plan B parat?

Lena: Da hast du wohl Recht. Natürlich arbeite ich neben meiner Volleyballkarriere an einem Plan B. Ich studiere das Fach Chemieingenieurwesen. Es ist eine extra Belastung zum Sport, aber für mich ist es selbstverständlich, dass ich mich für ein Leben nach dem Sport bestmöglich vorbereiten muss und ich bin deshalb auch extrem dankbar, dass der USC Münster mir die Chance gibt, mich auch meinem Studium weiter widmen zu können.

JJ: Ich spinne mal: Ihr liegt haushoch hinten, der Gegner hat Spielball, was geht in dir vor? Bist du die Spielerin, die auch in jenem Moment nur ans Gewinnen denkt, die sagt: „Mädels, das reißen wir rum!“?

Lena: Bei uns heißt es immer, alles geben und kämpfen für den nächsten Punkt, egal wie der Spielstand ist. Im Volleyball ist das Spiel nie vorbei, bis der Schiri den Abschlusspfiff gegeben hat, also kann auch bei einem großen Rückstand ein Spiel noch gewonnen werden. Deshalb gehen wir mit der gleichen Aggressivität und dem gleichen Willen für den Punktgewinn heran, egal ob es 5:10 oder zum Beispiel schon 24:12 steht.

JJ: Was für einen Einfluss hat der Coach während des Spiels, an welchen Schrauben kann er drehen?

Lena: Der Coach leitet das Spiel in eine gewisse Richtung. Er gibt taktische Anweisungen, die wir Spielerinnen versuchen umzusetzen, ob es zum Beispiel eine Änderung der Blockrichtung ist, die Postion angezeigt wird, auf die man aufschlagen soll, oder Veränderungen des Annahmeriegels.

JJ: Lena, hast du einen Volleyballerinnentraum in deiner Sporttasche, welchen?

Lena: Vorerst steht mein Fokus nun vollkommen auf meinem Comeback nächste Saison. Das wird definitiv ein langer Weg, auf dem es nicht immer nur bergauf gehen wird für mich.

JJ: Vielen Dank, Lena. Und vor allem werde gesund und fit 😉

Weitere Informationen: Lena auf der Vereins-Webseite

Foto Startseite: Stefan Gertheinrich

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