In die andere Welt

 

Manchmal ist sie gut für etwas, die Bundeswehrzeit. Abseits von Panzern, Eskaladierwänden und Maschinenpistolen. So beispielsweise bei Robin Czerny. Schnell erkannte er, dass er für alles geschaffen ist, nur nicht für die Armee. Also hieß es runter vom Kasernenhof und weg vom Kommandoton. Rein in eine angebotene Weiterbildungsmaßnahme. „Ich belegte einen Gabelstablerlehrgang und ein Bewerbungstraining. Bei dem stellte sich heraus, dass ich unter anderem als Animateur geeignet bin“, erinnert sich der nunmehr Schauspieler an verrückte und gleichwohl richtungsweisende Zeiten.

Das ist es!

„Wenngleich ich in jungen Jahren in Speyer Kinder- und Jugendtheater spielte, das aber nur als Kindertraum verstanden hatte, wusste ich zunächst nicht wirklich, was ich beruflich machen sollte. Erstmal Abi. Dann Bundeswehr…“ Und dann nahmen die Dinge in skizzierter Weise ihren Lauf. Während der Zeit als Animateur auf Mallorca kam Robin mit Show, Moderation oder Musical in Kontakt, vor allem mit Publikum. Und er spürte: Das ist es! „Die Umstände haben mir ermöglicht, was ich eigentlich schon vorher wollte“, ordnet er im Nachhinein das Weiterbildungsintermezzo während seiner Bundeswehrzeit ein.

Foto: © Urban Ruths

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So war, zumindest für für ihn, der Weg zur Freiburger Schauspielschule, von 2005 bis 2009, logisch. „Schon während der Ausbildung konnte ich in Kurzfilmen oder an Camera Acting Kursen mitwirken“, erzählt Robin, „und ich stellte fest, dass mir genau das am meisten Spaß macht – die Arbeit vor der Kamera!“

Gedanken sortieren

Schon bevor der Schauspieler am Set vor genau diese tritt und der Regisseur „Bitte“ sagt, taucht Robin Czerny in die Rolle ein. „Eine Einstellung ist nur ein Ausschnitt aus einer bunten Rolle oder Figur“, erklärt er, „ich muss die Gedanken sortieren, meine Position, den Text und die Emotionen zusammen bekommen.“

Läuft die Kamera dann, kann sich der Darsteller „total in der Figur gehen lassen“, er müsse aber gleichwohl beispielsweise daran denken, in welcher Position er für die nächste Szene zu stehen habe. „Es gibt auch Momente“, plaudert er aus dem Nähkästchen, „da bin ich voll drin, ohne zu überlegen. Das ist eine andere Welt, es gibt keine Fragen mehr, keine Gedanken. Das ist der schönste Zustand!“

Heftige Szenen

Direkt nach einem Dreh könne es zuweilen, so schildert Robin konkrete Erfahrungen, „sehr emotional“ werden: „Ich spielte mal einen tödlich Verwundeten, eine sehr heftige Szene. Danach lagen mein Schauspielpartner und ich uns in einem Nachbarraum in den Armen, ein sehr schöner und hilfreicher Augenblick, gemeinsam aus der erfahrenen Tiefe wieder hochzusteigen.“ Abseits dieser eher seltenen Momente sei für ihn „die gute Stimmung im Team und die gute Zeit miteinander“ sehr wichtig.

Foto: © Urban Ruths

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„Es gibt nichts, was ich lieber machen möchte“, ist sich Robin Czerny inzwischen sicher. Gleich mehrere Faktoren, die die Deutlichkeit der Feststellung bekräftigen, macht er aus: „Der Umgang mit der Sprache, die Körperlichkeit, die beinhaltet, mich gut in Form zu halten … und dann die psychologische Komponente. Ich muss die Figur auf dem Papier in ein menschliches Wesen verwandeln, komplett neu erschaffen. Diese verschiedenen Facetten machen es aus.“

Tanken gehen

Dabei, sinniert Robin, findet er viel über sich heraus. Und muss viel Kritik einstecken. „Welche trifft, welche ist sachlich?“ Diese Fragen stellt er sich dann. „Schauspieler bin ich immer“, ergänzt der Mann aus der Pfalz, „stets beim Sammeln und Verarbeiten von Sinneseindrücken. Man weiß nie, wozu es gut ist!“

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Kraft, Inspiration, vor allem das technische Rüstzeug holt sich der Darsteller indes nicht nur irgendwie, irgendwo, irgendwann im Leben, sondern gezielt an der „Tankstelle“ in Berlin. „Auf der Suche nach den richtigen Schauspieltechniken für mich, stellte ich fest, dass Sigrid Andersson diese schon gefunden, zusammengestellt und systematisiert hat“, erkennt Robin an. Das Sich-rein-Denken in eine Figur und die Szene mit dieser gemeinsam erarbeiten mache ihn weniger verletzlich als beispielsweise das Hochholen von schrecklichen Erlebnissen aus der eigenen Vergangenheit. „Ich bin auch selbst ein eher positiver Mensch“, konstatiert er.

Traumrolle…

„… gibt es nicht konkret“, denkt Robin Czerny einen Moment nach, „sie müsste weit von mir weg sein. Das kostet mehr Arbeit und bringt mehr künstlerische Befriedigung. Meine Traumrolle sollte ernsthafte Probleme bewältigen, für oder gegen etwas kämpfen, einen Prozess durchleben, sich mit essenziellen Sachen auseinandersetzen.“

Und: Nicht nur bein Nachdenken über eine solche fiktive Figur ist es dem Schauspieler wichtig, dass er und in Folge das Publikum „emotional mitgenommen“ werden. „Lachen und Weinen liegen da nicht weit auseinander“, befindet er, „schwieriger ist es, aus einer Distanziertheit in Emotionen zu kommen. Den Zuschauer packt der Wechsel!“

JJ

Weitere Informationen: http://www.RobinCzerny.de

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