Die Emotion schreibt den Text

 

Als ich Ann Sophie zum ersten Mal sah und hörte, faszinierten mich ihr souveränes Auftreten und die starke Stimme gleichwohl. Dass sie zudem ausgebildete und aktive Schauspielerin ist und mit „Hubi, der Marienkäfer“ im Februar ein Kinderbuch fertig stellte, erzählte sie mir und uns unten stehend im Interview – kurz nach ihrer Rückkehr aus Canada, wo die Sängerin es „super toll“ fand (auch die Zusammenarbeit mit Nils Wesch und T.J. Graham).

„Von der Landschaft her ein Traum und ein wirklich entspanntes Land“, blickt sie zurück,  „ich freue mich darauf, wieder hinzufliegen.“

„… dass Singen einfach mein Herz ist“

 

JJ: Ann Sophie, hauptsächlich kenne ich dich als Sängerin. Deshalb fangen wir mal eben damit an. Was ist Musik für dich ganz persönlich?

Ann Sophie: Musik hat mir schon immer unglaublich viel bedeutet. In meiner Kindheit war das Singen für mich ein Freischlag und das ist es bis heute. Wenn ich singe und mit der Musik eins werde, ist die Welt für mich in Ordnung. Probleme lösen sich auf, und ich weiss, wer ich bin.

Die Musik

JJ: Erzähle bitte mal, wie du einen Song schreibst oder erarbeitest?

Ann Sophie: Das Songschreiben ist immer unterschiedlich. Ich schreibe meistens, indem ich mich ans Klavier setze und Akkorde spiele, die dann eine Emotion auslösen. Diese Emotion schreibt dann den Text.

Manchmal fallen mir aber auch ein kompletter Song oder nur Ausschnitte in der Nacht ein, dann nehme ich sie völlig verschlafen auf meinem Handy auf, damit ich es nicht vergesse. Oder es fällt mir was beim Sport ein… man weiss nie, wann ein kreativer Schub kommt. Deswegen ist es wichtig, immer den Recording Device dabei zu haben.

von l.n.r. Nils Wesch, Ann Sophie und T.J. Graham in Canada

von l.n.r. Nils Wesch, Ann Sophie und T.J. Graham in Canada

Was auch Spaß macht, ist mit anderen zu schreiben. Also es gibt wirklich viele Möglichkeiten. Und es ist wichtig, immer neue Dinge auszuprobieren. Neue Emotionen schreiben neue Songs.

JJ: Wenn du einen Song schreibst, dann in erster Linie einfach nur aus dir heraus? Willst du Botschaften übermitteln? Denkst du da schon daran, wie er ankommen wird?

Ann Sophie: Wenn ich einen Song schreibe, versuche ich erst mal, völlig wertfrei ranzugehen. Was daraus wird, weiss man immer erst später. Nicht jeder Song ist hörenswert. 😉

JJ: Wenn du auf der Bühne stehst, vor dir das Publikum, und du beginnst zu singen, wie fühlst du dich in dem Moment?

Ann Sophie: Ein Traum. Mein Traum.

JJ: Und wie fühlst du dich fünf Minuten vor einem Auftritt?

Ann Sophie: Ich bin immer sehr aufgeregt und hoffe, dass ich meinen Text nicht vergesse. 🙂

JJ: Ich kann mir gut vorstellen, dass bei dir, wie bei jedem, nicht ein Tag wie der andere ist, rein menschlich gesehen. Singst du deshalb auch den selben Titel mal mehr, mal weniger intensiv, melancholisch, gefühlvoll?

Ann Sophie: Ich singe immer sehr nach meinen Gefühlen, aber manchmal muss man auch aufpassen, ob es dann noch zum Song passt. Also es geht immer darum, die Balance zu finden.

JJ: Welche Musik (oder wen) hörst du gerne?

Ann Sophie: Puh. Ich höre alles gemischt. Kommt auf die Stimmung an. Aber ich höre oft Hip Hop, Elektro, und Schnulzenkram. 😉 Manchmal höre ich auch super gerne Guns N‘ Roses oder Queen. Super gerne mag ich die Künstlerin Banks. Ihr Song „Stick“ inspiriert mich immer wieder aufs Neue.

Das Schauspiel

JJ: Kommen wir zum Schauspiel. In welcher Erinnerung hast du die Zeit am „Lee Strasberg Theatre and Film Institute“ und die dort praktizierte „Method Acting“ Lehre?

Ann Sophie: Ach, das ist eine Zeit, an die ich immer gerne zurückdenke. Method Acting ist eine grosse Herausforderung und hat immens viel Spass gemacht. Tatsächlich würde ich gerne mal wieder ein paar Kurse besuchen. Einfach schauen, wie ich jetzt an die Arbeit rangehen würde. Es sind ja schon ein paar Jahre vergangen. Vielleicht tue ich das auch noch mal. 🙂

New York. Eine Stadt wie keine andere und irgendwann werde ich da wieder wohnen.

Ann Sophie; Foto: Ben Wolf

Ann Sophie; Foto: Ben Wolf

Der Auftritt

JJ: Ich finde deine Auftritte als Sängerin sehr souverän, Ann Sophie, du betrittst die Bühne und füllst sie – mit Ausdruck und Charisma wohlgemerkt. Hilft dir diese Schauspielausbildung dabei, vielleicht indirekt, oder bist du von Natur aus so präsent?

Ann Sophie: Also erst mal Danke.

Bestimmt hat sie unterbewusst geholfen, aber ich habe am meisten gelernt, wenn ich mir Auftritte von meinen Lieblingsstars angeguckt habe – und dennoch folge ich einfach meiner Intuition. Ich versuche es zumindest. 🙂

JJ: Nochmal die ähnliche Frage wie eben: Diesmal stehst du als Schauspielerin auf der Bühne, wieder das Publikum vor dir und du bist dran. Was fühlst du dabei?

Ann Sophie: Als Schauspielerin bin ich nicht ganz so sicher wie als Sängerin. Das liegt aber viel mehr daran, dass ich einfach öfter singe als schauspiele und wahrscheinlich auch, dass Singen einfach mehr mein Herz ist.

JJ: Fällt nach dem Auftritt was von dir ab – oder was geschieht da?

Ann Sophie: Nach dem Auftritt trinke ich gerne ein Glas Rotwein und geniesse die entspannte Stimmung. Es fälllt Druck und die vorherige Aufregung von mir ab. Ich freue mich, dass ich meine Aufgabe gemeistert habe, und auf den nächsten Schritt nach vorne.

Dresden

JJ: Beflügeln dich deine Schauspielkolleginnen, beispielsweise derzeit an der Dresdener Theater Comödie, beeinflußt Ihr euch gegenseitig?

Ann Sophie: Klar. Die Schauspielkolleginnen in Dresden waren immer der Hammer. Wir haben alle viel gelacht, uns super verstanden und ich konnte und kann so viel von Ihnen lernen. In Dresden fühle ich mich immer sehr gut aufgehoben. 🙂

JJ: Weil ich selbst Dresden Fan bin, wie gefällt dir die Stadt, hast du auf der Brühlschen Terrasse gestanden, dem Goldenen Reiter einen Besuch abgestattet, warst du in der Gemäldegalerie Alte Meister?

Ann Sophie: Ich finde Dresden sehr schön. Ich liebe Städte, die Geschichte erzählen. Besonders beeindruckt hat mich der Zwinger. Da gibt es ein ganz süßes Kaffee, von dem aus man den Garten beobachten kann.

Hubi und die Bücher

JJ: Ann Sophie, wer ist Hubi, der Marienkäfer? Was hat es damit auf sich?

Ann Sophie: Haha. Hubi. Der Kleine. Hubi ist ein Marienkäfer, der alle seine Punkte verloren hat und sich auf die Reise macht, sie wiederzufinden. Die Null Punkte sind aber nicht das einzige, was Hubi und mich verbindet. 🙂

JJ: Du liest gerne, habe ich gehört. Quer Beet? Entspannst du dabei, bildest du dich, vertreibst du dir die Zeit, tauchst du ein in fremde Welten?

Ann Sophie: Mein Lieblingsschriftsteller ist Haruki Murakami. Ich liebe seine Bücher, seinen Schreibstil. Und wenn ich seine Bücher lese, ist es nicht nur Entspannung und das Abdriften in eine neue Welt. Haruki erzählt auch immer von Geschichte, Komponisten und Literatur. Seine Bücher sind also alles in einem.

JJ: Danke, Ann Sophie

Foto Startseite: Ann Sophie mit Nils Wesch und T.J. Graham

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*