Berühren, wie es nur die Kunst kann

 

Es sind so zwei, drei Fragen, die ich jeder Schauspielerin stelle. Die Antworten, die ich erhalte, sind deutlich vielfältiger. Fast jede fällt anders aus. Auch wenn das Wort „anders“ nicht zu steigern ist, möchte ich das nach meinem Gespräch mit Wencke Synak gerne tun. Ihre Antworten waren noch anders als anders. Nicht nur weil sie außer sich, ihren Zielen und Träumen, ihren Erfahrungen und Gefühlen noch jemand mit einbezieht – Gott; sondern zudem und vielmehr auch, weil die 28jährige Dinge zu erzählen hat, die so einschneidend wie wunderbar sind.

Nicht umsonst, der Traum

 

Begonnen hat ihre Schauspielkarriere indes wie viele andere auch. Lehrer bescheinigten der kleinen Wencke auf dem Zeugnis Qualitäten im „darstellenden Spiel“, sie spürte wohl schon „Spaß“, wenn sie während der Schulzeit in Rollen schlüpfte, hatte „irgendwie den Wunsch“, Kurs zu nehmen Richtung schauspielerischer Beruf, hielt das aber für „brotlose Kunst“. Deshalb studierte sie später Biologie und Chemie an der Humboldt Universität zu Berlin. Den folgenden Master-Studiengang brach sie auf halbem Wege ab, der Lockruf von Kamera und Mikrofon bohrte sich zu tief in ihr Herz.

Wencke Synak; Foto von Marina Juli

Wencke Synak; Foto von Marina Juli

„Ich hatte das Gefühl, dass der Zweck, für den ich auf der Welt bin, im Schauspiel besteht, wenn ich dem nachgehe, geht für mich die Sonne auf“, erinnert sich Wencke an bewegte Zeiten. Und dann nennt sie es wieder, das Wort, das sie öfter nennt: „Gott gibt mir diesen Traum nicht umsonst!“

Zeitlich parallel dazu  bestimmte eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung das Leben der jungen Frau nicht nur, sie drohte ihr dieses auch zu nehmen. Ziemlich sicher sogar. Sagten die Ärzte, dachte auch Wencke. Zwar lief sie von Mediziner zu Mediziner, recherchierte selbst, nahm Medikamente, gab sich aber, der Realität folgend, auf. Das war’s.

Das Versprechen

 

Nicht aber für jenes übernatürliche Wesen, für jene höhere Macht, die Christen Gott nennen. „Er hat versprochen, dass er mich heilt“, benennt die mittlerweile wundersam Genesene den Moment, der ihr zunächst die Hoffnung und dann das Leben wieder schenkte. „Übrig geblieben sind jede Menge Nahrungsmittelallergien“, beschreibt die inzwischen quicklebendige Wencke Synak die Überbleibsel jener einschneidenden Zeit. „Das Leben ist zu kurz“, weiß sie inzwischen, „man muss machen, was Spaß macht.“ Ihr Berufswunsch stand nun endgültig fest.

Da die Berlinerin die hauptsächlich in den USA gelehrte Methode bevorzugt, im Schauspiel das, was man spielt, in dem Moment auch wirklich zu fühlen, fasste sie den Entschluss, in Los Angeles zu studieren. „Es fühlt sich einfach für mich richtig an“, stellt Wencke fest, „ich denke auch, dass die Filme dadurch anders sind – echter, und deshalb interessanter für den Zuschauer.“

„Ich bin schon da!“

 

Wenn die Darstellerin dann vor der Kamera steht und der Regisseur „Bitte“ oder in den USA „Action“ sagt, befindet sie sich genaugenommen seit Tagen oder Wochen schon mittendrin in der Szene. „Beim Lesen des Drehbuchs überlege ich, was meine Figur fühlt, denkt oder will – und was der Partner. Das Ziel des Momentes muss zum Ziel des gesamten Filmes passen. Oft tausche ich mich im Vorfeld mit den Schauspielkollegen aus. Auf dem Weg zum Dreh, meist im Auto, versetze ich mich in die Rolle, rede auch mit Gott darüber. Wenn der Regisseur dann ‚los!‘ sagt, bin ich schon unterwegs“, beschreibt Wencke ihr Vorgehen. Rund um das Set ist ihr bei aller Liebe für eine gute, gelöste Stimmung, bei aller Liebe auch für Jux und Dollerei, deshalb die absolute Ruhe am liebsten („um mich zu konzentrieren und nicht raus zu fallen“). Zumindest bevor die Kamera surrt. Danach, wenn alles im Kasten ist, sagt sie, „geht es schnell, wieder heraus zu finden, dauert nur etwas länger, wenn die Szene sehr, sehr traurig war“.

Wencke Synak; Foto von Sarah Böhm

Wencke Synak;
Foto von Sarah Böhm

Das berufliche Ziel von Wencke Synak ist „das Fernsehen, am liebsten Serien, weil da zum einen die Zeit ist, die Rolle zu entwickeln und zum anderen viele Menschen zu erreichen sind, um ihnen Mut zu machen, Licht ins Dunkel zu bringen. Sie sollen sich trauen zu hoffen.“ Dabei möchte die engagierte Schauspielerin „innere Konflikte aufzeigen, da die wichtiger sind als die äußeren“. Und sie will „berühren, wie es nur die Kunst kann!“

Augenblicke

 

Wer das in Wenckes Augen so richtig überzeugend, glaubwürdig und ungekünstelt zelebriert, sind vor allem zwei Darstellerinnen, die nicht mit den ganz, ganz großen Hollywoodnamen herum laufen, gleichwohl indes mit dem ganz, ganz großen Hollywoodkönnen. „Lana Maria Parrilla“, so schwärmt sie, „spielt in der amerikanischen Fantasyserie ‘Once Upon a Time’ eine zunächst als böse Rolle angelegte Königin, die aus Liebe zu ihrem Sohn ein besserer Mensch wird, und das nachvollziehbar, unaufdringlich.“

Bei Elizabeth Mitchell fasziniert Wencke vor allem, „dass zwar oberflächlich betrachtet nicht viel passiert, sie aber genau betrachtet nur mit dem Moment eines Augenzwinkerns mehr erreicht als andere in einem ganzen Film. Sie verkörpert oft starke Frauen, aber leise, von innen – und auch mal verletzlich.“

Wencke, die das letzte Weihnachtsfest eigentlich nur mal eben zuhause verbringen und dann fix zurück nach L.A. wollte, hält sich immer noch in Good old Germany auf. Irgendwas mit dem Visum klemmt, eingeplante, verabredete Jobs blieben liegen. Getreu ihrem Motto „Wenn was schief geht, kommt was Besseres“ bläst sie indes kein Trübsal. Sie übernahm unter anderem die Hauptrolle in einer Serienpilotfolge, was die Hauptrolle in einer Serie bedeuten kann und hält auch sonst die Füße nicht still. Wie viele andere auch, und doch ein bisschen besonders.

JJ.

Foto Startseite von  Marina Juli

 

 

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