Aufregend

 

„Am Anfang waren der Glitzer, die Show, die Faszination der Bühne“, blickt Kathrin Osterode zurück. Nicht nur in ihre Kindheit. „Nein, auch als ich das Studium an der Folkwang Universität der Künste Essen begann, ging es mir noch genau darum.“

Dann geschah das, was Kathrins Weg in eine etwas andere Richtung lenkte: „Durch das Studium habe ich erfahren, wie spannend der Beruf ist. Meine Einblicke haben sich vertieft, mehr und mehr reizte mich, in andere Figuren hinein zu schlüpfen, andere Situationen kennenzulernen, die im eigenen Leben nie möglich sind.“ Und um noch mehr geht es ihr, darum „eigene Interpretationen mitzubringen“.

Tiefe

Wenngleich die aus Nordrhein-Westfalen stammende und derzeit in Berlin wohnende Schauspielerin nach wie vor auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zuhause ist, zieht es sie gleichwohl magisch vor die Kameras. Dafür lässt sie sich intensiv und nach Bedarf unter anderem in der „Tankstelle“ coachen. „Die Kamera ist ein ganz anderes Handwerk“, betont Kathrin Osterode den Unterschied zu dem, was sie während des Studiums lernte, „es sind ganz andere Techniken, die ich als Grundlage für meine Film- und Fernseh-Arbeit benötige, da will ich informiert bleiben“.

So blieb nicht aus, dass die leidenschaftlich engagierte Darstellerin in zahlreichen Serien und Filmen mitwirkte. Wenn sie davon erzählt, benutzt Kathrin oft das Wort „aufregend“. Diese Aufregung scheint ihre Triebfeder, ihr Kraftreservoir zu sein. Im Gegensatz zum Theater, wo in der Regel sechs Wochen Proben hinter den Protagonisten lägen, wenn sie auf die Bühne und vor das Publikum treten, handele es sich beim Film oft um zwei Drehtage, erklärt Kathrin Osterode.

Foto: Urban Ruths

Foto: Urban Ruths

Spannung

„Wir haben dann nicht viel zusammen gearbeitet, stehen unter Zeitdruck und alles ist nicht so entspannt, wie es  im Resultat aussieht“, beschreibt sie die Situation vor Ort. „Will ich es gut machen, muss ich die Aufregung zurück schieben und los lassen, sollte nicht ständig nachdenken. Jetzt darf ich nur noch ganz entspannt die Figur sein“, fasst sie den zu leistenden Spagat zusammen, „wenn ich das schaffe, bin ich zufrieden“.

Nach vielen anderen Bühnenengagements stand Kathrin Osterode 2015 in der Comödie Dresden als Grit unter der Regie von Christian Kühn für das Stück „Tussipark“ auf den Brettern, unter anderem mit Jasmin Wagner, Jeanette Biedermann, Dorothea Kriegl und Tanja Wenzel. „Eins der coolsten Stücke“, schwärmt sie vom Regisseur, von den Schauspielkolleginnen und Kollegen, vom gesamten Team – und von den Dresdnern, „Tussipark wurde von ihnen sehr gut angenommen“.

Aktuell ist Kathrin samstags zwischen 22.45 und 23.15 Uhr im WDR zu sehen. „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von…“ heißt die  Sketch-Comedy, in der sie als Neuzugang mit Hendrik von Bültzingslöwen, Samy Challah, Laura Schwickerath und Alexander Wipprecht die Lach- und Schmunzelmuskeln anregt. Dabei steht die fünfköpfige Crew abwechselnd mit fernsehbekannten Akteuren wie Carolin Kebekus oder Palina Rojinski  vor den Kameras. Zwei bereits abgedrehte Sketche werden gezeigt, zwei live in der Sendung vor Publikum präsentiert – und ein Song wird eingespielt, immer gemeinsam mit dem Gast.

Emotion

Wie bei „Tussipark“ sind hier die komödiantischen Leistungen von Kathrin Osterode gefragt. „Komödie liegt mir“,  befindet sie und fügt gleichwohl an, bislang bei ihrer Besetzung nicht in Klischees festzuhängen. Auch nicht in dem des weiblichen Biestes. „Diese Figur gab ich schon mehrmals. Dabei versuche ich, nicht im oberflächlichen Rollenbild kleben zu bleiben. Vielmehr zeige ich, wieso diese Frau genau so handelt. Vielleicht, weil auch sie Gefühle hat.“

Bei aller Vielfalt, die die Schauspielerin präsentieren durfte, fällt ihr nach kurzem Zögern, nach der Traumrolle gefragt, dann doch eine Facette ein, die sie gerne darstellen möchte: „Eine Situation, die mich emotional total fordert, etwas Dramatisches. Eine Figur, eine Geschichte, in die ich Krasses einarbeiten kann. Eine Frau im Zwiespalt der Gefühle …“ Und so wie Kathrin das sagt, klingt es, als hätte sie schon wieder die Aufregung gepackt. Genau die Anspannung, die beim Dreh – im rechten Moment in Entspannung umgewandelt – Authentizität erzeugt.

In der ständigen Entwicklung, im Fluss der Zeit, möchte Kathrin Osterode ihren gerade absolvierten Wechsel zur Schauspieleragentur „factory“ nutzen, „einen Neustart anzugehen, um in verschiedene neue Formate reinzuschnuppern“. Auch in dem Zusammenhang spricht sie es wieder aus, das Wort „aufgeregt“.

Gut so. Wenn Kathrin aufgeregt ist, dann entsteht mit einiger Sicherheit etwas Aufregendes.

JJ.

Foto Startseite: Urban Ruths

 

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