Keine Schubladen

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Pia Malo, Foto (c) Nicole Langholz

Pia Malo,
Foto: (c) Nicole Langholz

Pia Malo brachte 2012 ihre erste Solosingle (“So stark wie die Sehnsucht”) heraus, 2015 (“Leben-Lieben”) das erste und 2017 (“Du tust mir gut”) das zweite Album und 2019 wird das dritte erscheinen. Im Supersommer dieses Jahres präsentierte sie beispielsweise in der ARD Fernsehsendung “Immer wieder Sonntags” ihren Song “Farbenland”.

Auf allen möglichen Bühnen und in Tonstudios war Pia indes schon seit frühester Kindheit zuhause – als Tochter des ehemaligen Sängers von “Die Flippers”, Olaf Malolepski, und Nichte von Uwe Erhardt, dem Mitbegründer der Gruppe “Die Schäfer”.

Darüber, über Musik allgemein, das Gefühl auf der Bühne – und einen ganz großen und bisher nicht erfüllten Traum erzählt sie uns. Hier und jetzt:

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“Es müssen nicht die großen Arenen sein, um glücklich zu sein”

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JJ: Pia, erzählen Sie bitte mal munter drauf los, was Musik (ganz allgemein) für Sie bedeutet. Was macht sie mit Ihnen, was geht in Ihnen vor, wenn Sie Musik hören? Gibt es Titel, die Sie immer wieder zum Weinen bringen oder aber andere, die Ihnen immer wieder Kraft geben?

Pia Malo: Bei mir läuft eigentlich den ganzen Tag Musik. Schon der Radiowecker klingelt zum Beispiel mit Helene Fischers “Das ist unser Tag”. Da kommt gleich gute Laune auf. Egal in welcher Lebens- oder Gemütslage man ist, es gibt doch immer den passenden Song. Mal rockig wild, mal gefühlvoll und romantisch. Musik verbindet – egal in welcher Sprache.

Pia Malo, Foto (c) Nicole Langholz

Pia Malo,
Foto: (c) Nicole Langholz

Oft fragen die Leute: “Was hörst du für Musik?” oder “Was machst du für Musik?” oder sogar “Ist das gute Musik?”. Ich denke gar nicht so in diesen Schubladen. Es ist einfach Musik – mal in diesem oder jenem Sound. Und jede Musikrichtung hat ihre Berechtigung und ihre Liebhaber. Das ist doch das Schöne – Musik ist so vielseitig wie kaum etwas anderes.

JJ: Und jetzt die selbe Frage, wenn Sie selbst singen… was passiert in und mit Ihnen? Titel- und tagesformabhängig immer wieder anderes?

Pia Malo: Wenn ich selbst daheim beim Putzen oder unter der Dusche singe, ist das tatsächlich von der Tagesform abhängig. Da kommt alles mal dran. Von Bon Jovi über Mallorca-Songs bis hin zu alten Flippers-Liedern. Meine Playlist ist bunt gemischt und ich singe bei allem mit 🙂

Auf der Bühne ist es immer etwas anders. Natürlich auch abhängig von der Veranstaltung. Erst letzte Woche hat ein Bekannter von uns mich zum ersten Mal live auf der Bühne gesehen. Er kam danach zu mir und meinte: “Mensch Pia, was ist denn da los? Sonst bist du immer so ruhig und zurückhaltend, ja fast schon schüchtern, und dann auf der Bühne – absolut ‘ne Rampensau!”

Also, ich fand das prima und ein tolles Kompliment 🙂 Als ich mal Liebeskummer hatte, habe ich tatsächlich die Balladen aus dem Programm gestrichen – ich hätte wahrscheinlich losgeheult. Ich fühle mich ja dann doch in das Lied hinein.

JJ: Wenn Sie einen neuen Song vielleicht mit schreiben oder irgendwie mitgestalten, wenn Sie ihn einstudieren, im Studio einsingen, passiert dann all das einfach nur aus Ihnen heraus, einfach nur mit Spaß – oder denken Sie schon daran, wie die Musik wohl beim Publikum ankommen wird, ob Hit-Potenzial da ist?

Pia Malo: Also wir haben da ein altbewährtes System, das mein Vater auch schon immer so anwendet. Ich bin gerade ganz aktuell bei der Songauswahl für mein neues Album, das 2019 auf den Markt kommen wird. Mir wurden von ganz vielen tollen Komponisten und Songschreibern über 200 Songs beziehungsweise Demos angeboten. Das ist der absolute Wahnsinn. Und dieses Jahr habe ich wirklich die Qual der Wahl.

Pia Malo, Foto (c) Nicole Langholz

Pia Malo,
Foto: (c) Nicole Langholz

Wir machen es dann immer so, dass wir eine Vorauswahl selbst treffen (Papa und ich). Einfach nach Gefühl, welchen Song ich mir vorstellen könnte zu singen. Mir ist immer wichtig, dass eine Story dahinter ist, in die ich mich einfühlen kann. Dann bleiben vielleicht noch so 50 Songs über.

Und danach laden wir zu einem Treffen mit Freunden der deutschen Musik ein. Da sind Freunde von mir und auch von meinen Eltern dabei. Bunt gemischt, die beim Abhören ganz einfach Schulnoten von 1 (sehr gut) bis drei (befriedigend) vergeben. Und die besten 14 Songs sind dann auf dem Album.

JJ: Und: Sehen Sie sich vielleicht als Musikerin in einer Mission unterwegs? Möchten Sie etwas bewirken?

Pia Malo: Ich freue mich, wenn ich auf die Bühne gehe und den Menschen für einen kurzen Augenblick alle Alltagssorgen und- Ängste nehmen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Wenn es den Leuten gut geht, wenn sie Pia Malo hören.

Heutzutage kommen natürlich auch noch die sozialen Netzwerke dazu. Ich versuche da aber immer authentisch zu sein. Pia Malo ist privat nicht immer gestylt (da braucht man mal einen Filter – im Notfall auch mal Hasenohren) und das sollen die Leute auch sehen. Ich will niemandem etwas vormachen. Und wenn ich manchmal 200 Fotos machen muss, damit ich eins posten kann (dass dann aber auch noch bearbeitet wird), dann ist das halt so. Man sollte sich nicht immer so ernst nehmen. Das Leben soll ja Spaß machen.

JJ: Mir hat mal eine (damals noch) sowjetische Dolmetscherin gesagt: “Es gibt keine gute oder schlechte Musik, es gibt nur Musik, die ich verstehe oder nicht verstehe!” Hatte Tanja recht? Welche Musik verstehen Sie, Pia?

Pia Malo: Ich kann das absolut bejahen. Beziehungsweise es gibt keine gute oder schlechte Musik, nur Musik die MIR gefällt oder nicht. Und das kann wirklich aus jeder Sparte und aus jeder Sprache kommen. Wie bereits gesagt – ich denke nicht in Schubladen.

Pia Malo; Foto (c) Nicole Langholz

Pia Malo;
Foto: (c) Nicole Langholz

JJ: Ich frage alle Sportler/innen, Musiker/innen, Schauspieler/innen, ob sich ihr Weg zum Beruf oder zur Berufung beizeiten, also schon in der Kindheit, abgezeichnet hat. Bei manchen, auch bei Ihnen, scheint die Frage überflüssig. Dennoch: Sind Sie als kleines Mädchen schon auf den Küchentisch geklettert, um ihn als Bühne zu nutzen oder haben Sie die richtigen Bühnen, die in Ihrer Nähe waren, gestürmt? Haben Sie zuerst gesungen, dann gesprochen (nach Erzählungen der Eltern)?

Pia Malo: Ich glaube, ich habe doch zuerst gesprochen. Aber da ich ja immer mit dabei sein wollte, wollte ich schon immer zu Papa auf die Bühne.

Anfangs durfte ich beim Auf- und Abbau auf der Bühne helfen. Die Techniker haben mir 1×1-Aufgaben oder sonstwas Spielerisches gestellt und wenn ich was richtig hatte, dann dürfte ich ein Kabel rausziehen. Das war immer sehr lustig. Oder ich durfte Papas Autogrammkartenstapel bei der Autogrammstunde halten.

Papa hat ja auch die Gruppe “Die Schäfer” produziert, bei er auch mein Onkel Uwe mitsingt. Für ein Lied wurde ein kleines Mädchen gesucht, tja – und mein Kinderzimmer lag damals genau neben dem Tonstudio. Ab da hat mich dann keiner mehr vom Mikrofon oder der Bühne weggebracht.

JJ: Gab es bei Ihnen einen Moment, in dem Sie wussten, Sie wollen Sängerin werden, war es eher eine Entwicklung – oder war es eh klar und keine Frage?

Pia Malo: Ich habe jahrelang bei den “Schäfern” ein Lied auf jedem Album gehabt. Dann kam das Abitur, anschließend das Studium. Ich war als Reiterin sehr erfolgreich im Dressursport unterwegs.

Als ich 2017 mein 25-jähriges Bühnenjubiläum hatte, meinten viele: “Du hast doch gar nicht so lange auf der Bühne gestanden, eher immer mal wieder.” Das stimmt so aber nicht. Ich hab mich lange in ein paar Bands ausprobiert und auch im Studio gesungen. Weg war ich nie. Nur nicht so auf der Bildfläche.

Ich vergleiche es oft mit anderen Berufen. Nur weil einem der Name gerade nicht geläufig ist, heißt es ja nicht, dass man den Beruf gerade nicht ausübt. 2012 haben wir meine erste Solosingle herausgebracht und 2015 dann das erste Album, das auch gleich in den Top50 in den internationalen Charts einstieg. 2017 folgte mein zweites Album und 2019 wird das dritte erscheinen.

Im September 2017 habe ich meinen bürgerlichen Beruf als Marketingchefin an den Nagel gehängt und bin zurzeit tatsächlich Vollblutmusikerin. Ich darf meinen Traum leben. Und egal wie lange – es ist eine tolle Zeit und ich bin jeden Tag dankbar dafür.

JJ: Was bekommen Sie vom Publikum mit und beinflussen die Zuschauer/Zuhörer Sie während des Auftritts?

Pia Malo: Natürlich bekomme ich die Stimmung mit. Darum geht es ja auch. Ich möchte ja nicht auf der Bühne stehen und meine Lieder emotionslos runterrattern. Ich möchte das Publikum mit einbeziehen und auf die Emotionen eingehen. Das macht es doch aus.

JJ: Beeinflusst es Sie, wenn Ihre Musiker (Band) oder Ihr Vater, falls Sie mit ihm auf der Bühne stehen, einen richtig guten Tag haben? Ist diese eventuelle Wechselwirkung erst das Salz in der Suppe?

Pia Malo: Sobald wir auf der Bühne stehen, lassen wir alles andere hinter uns. Auch wenn man mal einen blöden Tag hat, da kann ja keiner was dafür. Das ist auf der einen Seite unsere professionelle Einstellung und auch der Respekt vor den Fans – und zum anderen einfach ein Schalter, den man umlegt.

Wir gehen raus, der erste Ton erklingt, das Adrenalin steigt , dann sehen wir unsere Fans und los gehts. Da sind Papa und ich uns wirklich sehr ähnlich.

Pia Malo, Cover

Pia Malo, Cover

JJ: Da ich selbst ein Träumer bin, Pia, frage ich zum Abschluss gerne nach dem (in Ihrem Fall) musikalischen Traum. Gibt es einen?

Pia Malo: Wie bereits gesagt, ich lebe meine Traum und bin zufrieden wie es läuft. Es müssen nicht die großen Arenen sein, um glücklich zu sein. Wenn die aber mal kommen sollten – warum nicht 🙂

Aber okay, ein Duett mit Jon Bon Jovi wäre schon mal ganz nett. Ich erzähle das jetzt seit 1992 in fast jeden Interview – vielleicht erhört er mich ja irgendwann mal 🙂

JJ: Danke, viel Spaß, viel Glück, viel Gesundheit.

Weitere Informationen: Webseite von Pia

Foto Startseite: (c) Nicole Langholz

Ein Kommentar:

  1. Ein wunderschönes Interview, ich wünsche Pia weiterhin ganz viel Erfolg! Man merkt, dass sie das Talent von ihrem Papa geerbt hat und sie steht mit genausoviel Freude und Hingabe auf der Bühne. Weiter so!!!

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