Was macht die Rolle mit mir?

 

Alexander Leopold Schank spielte in diesem Jahr unter anderem an der Deutschen Oper Berlin in „Tod in Venedig“ oder 2015 im Kinofilm „Er ist wieder da“ mit und auch schon 2011 im „Tatort – Der Wald steht schwarz und schweiget“.

Alexander Schank, Foto: Schank Fotografie

Alexander Schank, Foto: Schank Fotografie

Der 25jährige macht zudem Musik, trat beispielsweise 2014 mit Bela B im Heimathafen Neukölln auf und komponiert. Das erzählt er uns jetzt und hier aber selbst. Auch, ob es für ihn Traumrollen gibt oder nicht, beziehungsweise welche Formate ihm momentan fremd erscheinen, auf die indes völlig überraschend mal eben sie herab fallen kann – die Liebe:

 

„Hahaha. Man weiß schließlich nie, wo die Liebe hinfällt.“

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JJ: Alexander, was bedeutet dir Theater?

Alexander Leopold Schank: Das Theater war für mich der Grund, weshalb ich Schauspieler werden wollte. Als ich mit 16 Jahren das erste Mal mit dem Musical „Manche mögen’s heiß“ auf der Bühne des Theaters Baden-Baden stand, ahnte ich, dass dieses Gefühl fester Bestandteil meines Lebens sein soll. Theater ist für mich sehr unmittelbar, beim Spielen, wie auch beim Zuschauen.

JJ: Sind Film und Fernsehen für dich ein anderes Paar Schuh, verglichen mit der Bühne, gehst du als Schauspieler die Sache ganz anders an?

Alexander: Ja und nein. Tatsächlich bereite ich mich anders vor: Vor jeder Theaterproduktion achte ich nochmal verstärkt auf meine Gesundheit, passe meine Ernährung an, pendel mich in einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein, mache Sport, denn so eine Bühne kann schon ziemlich groß sein, wie ich es zum Beispiel in der Deutschen Oper Berlin erlebt habe. Da bedarf es schon einer gewissen Fitness und eines Körperbewusstseins, damit die Anstrengung nicht zu sehr von der eigentlichen Arbeit ablenkt.

Alexander Schank, Foto: Schank Fotografie

Was macht die Rolle mit mir? Foto: Schank Fotografie

Für einen Dreh bereite ich mich hauptsächlich innerlich vor. Bei der Arbeit selbst haben für mich Bühne und Film/Fernsehen aber eines gemeinsam: Ich versuche auf die Vorbereitung zu vertrauen, alles hinter mir zu lassen und einfach zu machen.

JJ: Egal ob Bühne oder Kamera-Set, du bist dran, deine Momente sind gekommen… Wie fühlst du, was spürst du, was machst du mit Alexander und was mit der Rolle? (nach dem „Bitte“ des Regisseurs  oder dem Stichwort)

Alexander: Die Frage lautet für mich eher, was macht die Rolle mit mir. Egal woran ich arbeite, hat es für mich immer mit einem tiefen Vertrauen in sich selbst zu tun und mit Fallenlassen.

Ich versuche zu mir zu kommen, zu einer starken Konzentration und gebe mich der Arbeit mit dem Team hin. Wie viel Alexander und wie viel Rolle da anwesend sind, vermag ich nicht zu beurteilen und das ist auch sicher von Mal zu Mal unterschiedlich.

JJ: Und was machen Kolleginnen und Kollegen mit dir, kann dein Plan total kippen, wenn der Schauspielpartner mit einer nicht vohergesehenen Einlage überrascht?

Alexander: Gute Partner zu haben ist für mich, wie in jeder anderen Lebenslage auch, sehr wichtig. Ich muss mich auf sie verlassen können und dann passiert etwas Fabelhaftes. Kann ich mich auf den Partner / die Partnerin einlassen, kann auch Unvorhersehbares passieren und man geht, wie im echten Leben, damit um.

JJ: Was reizt dich mehr: Robin Hood oder der Sheriff of Nottingham; der Traumschiffkapitän oder der Traumschiff-Querulant; der Kommissar oder der Bösewicht – oder der korrupte Kommissar? Oder kommt drauf an?

Alexander: Das ist nicht leicht zu beantworten. Egal ob gut oder böse, geht es mir doch viel mehr um die Motivation, die hinter dem Handeln der Rolle steckt und um die Geschichte hinter dem Charakter. So kann jede Rolle ihren Reiz entwickeln.

Alexander Schank, Foto: Schank Fotografie

Gespannt, was das Leben bereit hält; Foto: Schank Fotografie

JJ: Und von meinen Vorschlägen mal abgesehen, gibt es sowas wie eine Traumrolle, Alexander? Kannst du dir vorstellen (Stand jetzt), dass dir irgendwann mal ein Rollenklischee, in das du geraten bist, überdrüssig wird?

Alexander: Eine Traumrolle gibt es aus den schon genannten Gründen nicht, es kommt eben drauf an. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, in ein Rollenklischee zu gelangen, was mir überdrüssig wird. Darüber möchte ich aber auch nicht nachdenken, da ich versuche, von Tag zu Tag zu leben und ich bin gespannt, was das Leben für mich bereit hält.

JJ: Gibt es Schauspielerinnen oder Schauspieler, die dich regelmäßig vom Hocker hauen? Wie muss ein Film oder ein Theaterstück sein, das dich fesselt, umhaut, nicht los lässt, Lachkrämpfe auslöst… was auch immer?

Alexander: Da gibt es einige Kollegen. Egal ob auf die Schauspieler/innen bezogen oder auf die gesamte Produktion, fesselt mich immer das, worin Leidenschaft und Tiefgang stecken.

JJ: Seit wann war Schauspieler sein dein Plan A, gab es einen Anlass oder den Prozess? War der Weg beizeiten, in der Kindheit, absehbar?

Alexander: Die Begeisterung für den Beruf hatte ich schon als Kind in mir. Mit 16 Jahren aber erst wurde aus der Begeisterung eine handfeste Hartnäckigkeit und ein Vorhaben.

Schon als Jugendlicher habe ich für den SWR Hörspiele gesprochen, in Kurzfilmen mitgespielt und meine Liebe zum Theater entdeckt. Mit meinem ersten Gastengagement am Theater Baden-Baden 2008 gab es dann aber keinen Weg zurück und auch keinen Plan B mehr.

JJ: Was bedeutet dir Musik?

Alexander: Jede Szene, egal ob auf der Bühne oder vor der Kamera, hat für mich eine große Musikalität – einen Takt, Rhythmus, Pausen. In großen Teilen unterscheidet sich für mich Schauspiel nicht allzu sehr von Musik.

Alexander Schank, Foto: Schank Fotografie

Man weiß nie…, Foto: Schank Fotografie

Mit 14 Jahren habe ich auch angefangen eigene Lieder mit meiner Akustikgitarre zu komponieren und zu singen, was ich nach wie vor mache. Das hilft mir auch oft, um wieder mehr zu mir zu kommen.

2014 bin ich zusammen mit Bela B im Heimathafen Neukölln aufgetreten, da habe ich dann aber doch gemerkt, dass es für mich etwas ganz anderes ist als man selbst aufzutreten, als wenn man eine Rolle hat. Solch ein Lampenfieber hatte ich als Schauspieler nie.

JJ: Alexander, sind Formate abseits von Theaterstücken oder von Filmen, sowas wie es beispielsweise Uwe Friedrichsen von 1979 bis 1981 oder Horst Janson von 1980 bis 1983 in der Sesamstraße gemacht haben, oder zu DDR Zeiten der legendäre Meister Nadelöhr, für dich reizvoll?

Alexander: Im Moment kann ich mir kein Format dieser Art für mich vorstellen. Aber wir können uns ja nochmal darüber unterhalten, wenn das erste Angebot dieser Art kommt, man weiß schließlich nie, wo die Liebe hinfällt. Hahaha.

JJ: Erzähle bitte mal über „Luther – Dancing with the gods“ und/oder „Tod in Venedig“, zwei Theaterproduktionen mit dir in diesem Jahr.

Alexander: Beide Produktionen waren unglaubliche Erfahrungen. In beiden Fällen hatte die Größe der Produktion eine unglaubliche Dimension und die Resonanzen waren oft sehr emotional.

Ich habe viel gelernt während diesen Arbeiten, auch viel über mich selbst. Toll war es auch mit großartigen Kollegen wie Jürgen Holtz zu arbeiten. Selten habe ich solch eine Souveränität und Autorität erlebt, nie aber von oben herab.
Musik hat jeweils eine große Rolle gespielt, was es zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht hat. Wenn man, wie im Fall von „Tod in Venedig“ in der Deutschen Oper vor knapp 1900 Zuschauern spielt ist das mindestens genauso beeindruckend, wie mit „Luther – Dancing with the gods“ circa zwei Meter vor der ersten Zuschauerreihe zu stehen, da ist eine ganz andere Spielart gefragt. Insbesondere von Bob (Robert Wilson) habe ich viel über Schauspiel und Bühnenverständnis gelernt.

Alexander Schank, Foto: Schank Fotografie

Freude auf das nächste Jahr, Foto: Schank Fotografie

JJ: Was liegt demnächst an, woran arbeitest du aktuell?

Alexander: Für beide Bühnenproduktionen sind Gastspiele und/oder Wiederaufnahmen im Gespräch. Ein paar weitere Projekte sind auch bereits in Planung, über die ich mich aber noch bedeckt halten muss. Ich freue mich sehr auf das kommende Jahr und das, was da auf mich zukommt.

JJ: Danke.

Alexanders Webseite oder  Alexanders Agenturseite

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