Den Tanz im Blut

 

Wenn Katja Pagel tanzt, ist „drumherum alles weg“, erzählt sie mir und fügt an: „Ich verschmelze mit der Musik, fühle sie und bin darauf fixiert.“ Während sie performt, fühlt sich die Berlinerin angekommen: „Da gehöre ich hin!“

Katja Pagel, Foto von Johannes Krebs

Katja Pagel, Foto von Johannes Krebs

 

der Katja Style

 

Obgleich die 21jährige ihr Geschäft von der Pike auf gelernt hat (klassisches Ballett, Deutsche Oper Berlin) und reichlich Bühnenerfahrung mit sich führt, wird sie nach wie vor vor den Auftritten vom Lampenfieber heimgesucht. „Ich habe dann das Gefühl, alles vergessen zu haben“, plaudert sie aus dem Nähkästchen.

Da Katja indes nach abgeschlossener Ausbildung zum klassischen Tanz auch noch Hip Hop und Breakdance erlernte und die Genres zu einem ganz eigenen Stil kreierte und zusammenfügte, kommt ihr dies ebenso zugute wie der Freestyle. „Dadurch komme ich schnell wieder rein“, spricht sie gelassen aus, was ihr aus den Schreckmomenten heraus hilft.

Wenn Katja dann bei einem Event oder Battle auf einer Bühne, wie sie sagt, „geschmeidig über den Boden fliegt“, hat sie stets etwas im Gepäck: Eine Message. „Welche, kommt ganz auf das Lied an“, erklärt sie, „einen traurigen Titel voller Herzschmerz will ich so interpretieren, dass die Zuschauer es verstehen und nachvollziehen können. Es gibt Lieder, die fühle ich, weil ich selbst erlebt habe, was sie aussagen. Die erzählen eine Geschichte. Und es gibt welche, mit denen kann ich nichts anfangen.“

 

alles tanzen…

Katja Pagel, Foto von Johannes Krebs

Katja Pagel, Foto von Johannes Krebs

 

Und, Katja, was dann? „Eine richtige Tänzerin kann zu allem und jedem tanzen“, antwortet sie selbstbewusst und deutlich. Und die richtige Tänzerin kann noch mehr. Ihr passieren zwar Fehler, aber… „das bringt mich nicht raus, ich baue den Stolperer oder Rutscher so ein, als gehöre es dazu – und die Zuschauer merken es nicht“, verrät sie.

Ich bekomme während des Gesprächs mit der jungen Frau den Eindruck, dass sie nicht nur sehr selbstbewusst unterwegs ist, sondern zudem äußerst perfektionistisch. „Ja, irgendwie schon“, bestätigt sie, „wenn ich beispielsweise mal in der Gruppe tanze, fühle ich mich weniger frei und schaue ständig nach den anderen, ob sie meine Choreographie korrekt umsetzen. Meistens und lieber tanze ich deshalb alleine.“

Angefangen hat der Spaß beizeiten. „Mama war Tanzlehrerin in Weißrussland“, blickt Katja zurück und war schon im zarten Alter von drei Jahren dabei, wenn Volkstänze aufgeführt wurden. Als sechsjährige flehte sie ihre Mutter an, das war schon in Deutschland, zur Ballettschule zu dürfen. „Mich zog es dort magisch hinter die Kulissen“, erinnert sie sich, „ich wollte da Teil eines Großen sein und war hin und weg.“

Das blieb so. In der Kindheit. Sie übernahm verschiedene Rollen oder wirkte in einer Dokumentation über die Oper mit. In der Teenagerzeit mischten sich die Karten neu. Ein bisschen jedenfalls. Zwar hatte die 13/14jährige überhaupt keine Probleme mit der geforderten und nötigen Disziplin („wir wollten alle was erreichen!“), eher störte sie die Körperhaltung, mit der Balletttänzer/innen durchs Leben schreiten müssen.

 

tanzen lehren

 

„Die Nase hoch, nach außen gehen (En-dehors), vor allem am Gymnasium hat das niemand verstanden. Mit 15, nach abgeschlossener Ausbildung, habe ich die Oper verlassen, allerdings weiter getanzt, jedes Wochenende.“

Katja Pagel, Foto: Felix Tetzlaff

Katja Pagel, Foto: Felix Tetzlaff

Mittlerweile gibt Katja ihre Wissen und Können, ihre Leidenschaft, weiter. „Durch Bekannte kam ich zur Tanzschule und unterrichte dort Kinder. Sie lernen sehr schnell, sind flexibel. Irgendwie mache ich das schon immer und wollte auch mal Erzieherin werden. Als ich selber noch zur Schule ging, half ich gerne anderen, erklärte, korrigierte, zeigte vor…“, sinnt sie nach, „mit Erwachsenen hätte ich, weil ich selbst erst 21 bin, kein gutes Gefühl, die Lehrerin zu geben. Einem 30jährigen noch einen Spagat beibringen wird wohl auch schwierig…“

Vor Publikum zu performen indes erzeugt in der 1,63m großen Frau ein sehr gutes Gefühl. „Wenn ich vor kleinen Gruppen auftrete, sehe ich in den Augen der Leute, wie es ihnen gefällt und wie sie mitfühlen“, beschreibt sie, „sind es große Massen, sehe ich durch das Blenden der Scheinwerfer nichts, höre auch nichts außer der Musik. Da merke ich erst am Schlussapplaus, wie mein Tanz angekommen ist.“

Und ich stelle, während ich Katja so zuhöre, fest, dass ich der ideale Zuschauer für sie und ihre Zunft bin. Ich gehe, egal ob bei einem Konzert oder eben einer Tanzaufführung, nicht lautstark mit, stehe nur da und genieße in mich hinein. Als ich mich dafür fast schon entschuldigen möchte, stelle ich fest, dass alles ganz anders ist.

 

komplett weg

 

„Während des Tanzes mag ich das Mitklatschen gar nicht“, beruhigt sie mich, „vor allem nicht, wenn es auch noch aus dem Takt ist, das bringt mich, das bringt alle Tänzer, aus dem Rhythmus, die Musik ist nicht mehr gut zu hören.“ Für Katja hat das „auch was mit Anstand zu tun.“ Aber keine Sorge, wenn beispielsweise bei einem Handstand ein Raunen oder ein „Ohhh, mein Gott“ durchs Publikum geht, freut sie sich 😉

Ihre Tagesform, da ist Katja Pagel ganz Profi, wenn also im privaten Leben etwas gründlich schief gegangen ist – oder auch super gut läuft, beeinflusst ihre Performance nicht. „Da bin ich eh komplett weg“, stellt sie klar. Beim Unterrichten müsse sie dagegen mehr aufpassen, sich besonders konzentrieren („Da kann man mir schon was anmerken“).

„Als Tänzerin muss ich und möchte ich zudem über ein Stück schauspielerisches Können verfügen“, erweitert sie ihre Ansprüche und mischt kräftig im Projekt „Dein Märchen“ von Schauspielerin und Freundin Laura Bakowsky mit: „Außer der Cinderella kann ich da jede Prinzessinnen-Rolle übernehmen und biete in dem Rahmen Tanzworkshops an.“

Katja Pagel, Foto: Stephan Rüdiger

Katja Pagel, Foto: Stephan Rüdiger

Unternehmerin Laura bestätigt: „Katja hat mich vor allem durch ihr starkes Engagement beeindruckt. Sie bringt sich immer voll ein und hat eine tolle Art, Menschen zu begeistern. Ich bin sehr stolz darauf, sie im Dein Märchen Team und auch als gute Freundin an meiner Seite zu haben.“

Der Gedanke wiederum bringt Katja dazu, die Eltern dieses Landes aufzurufen: „Lasst eure Kinder tanzen! Das verbessert ihre Haltung, ist gesund und ein schönes Hobby. Disziplin und Leidenschaft werden gefördert. Tanzen kann auch eine eventuelle Scheu nehmen.“

Wenn ich es nicht vergesse, spreche ich alle Schauspieler/innen, Musiker/innen oder Sportler/innen auf einen Traum an, den sie eventuell mit sich führen. Und ich freue mich jedes Mal, wenn das tatsächlich der Fall ist – und noch mehr, wenn der Traum oder Wunsch konkret ist. Vielleicht liegt das daran, dass mir als „Puhdys“ Fan die Liedzeile „Wenn Träume sterben, dann wirst du alt“ allgegenwärtig ist.

 

nur nicht still sitzen

 

Katja wird konkret. „Ja, mal auf einer Bühne mit einer prominenten Musikerin oder einem prominenten Musiker sein und tanzen“, schwärmt sie, „das wär’s! Ich liebe die Bühne, bekannte Musiker ziehen die Massen an und auch wenn ich nicht selbst singe und nicht der Mittelpunkt bin, ein Stück vom Kuchen bekomme ich ab, wenn die Leute feiern und ausrasten.“

Katja Pagel, Foto von Johannes Krebs

Katja Pagel, Foto von Johannes Krebs

Ist das schon alles? Nö! Die Choreographie für die Performance stammt natürlich von Katja 😉 Da kommt die Perfektionistin durch. „Und an einem Werbeclip mitarbeiten, das wäre es auch!“

Während des Gesprächs mit mir, vermute ich mal, hat die leidenschaftliche Tänzerin relativ ruhig da gesessen. Es war keine Musik zu hören, die sie veranlasst hätte, „alles drum rum zu vergessen“ oder, wie sie mir zum Schluss erzählt, „nicht still sitzen zu können, immer zu wippen und zu tanzen“. Sie hat es im Blut.

JJ

Foto Startseite: Stephan Rüdiger

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