Machen Sie mal, Frau Schöne!

 

Susanne Schöne studierte in ihrer Heimatstadt Dresden an der Technischen Universität Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Soziologie. Mittlerweile lebt sie in München und pendelt berufsbedingt regelmäßig in die Hauptstadt Berlin, um für den Nachrichtensender N24 das Wetter zu moderieren.

Gleichwohl ist Susanne rund um den Globus unterwegs, ob auf dem Gipfel des Brocken bei orkanartigem Wind und krampfhaft bemüht, das Mikrofon zu halten oder deutlich entspannter im Meer vor Dubai, um Richtung Horizont zu schauen.

 

„Die Freude daran, andere Menschen zu unterhalten“

 

JJ: Susanne, du bist in Dresden aufgewachsen und ich bin von Kindheit an ein großer Fan dieser Stadt. Der Zwinger, der Goldene Reiter, die Brühlsche Terrasse oder der Fürstenzug, das sind irgendwie magische Orte, die ich immer wieder mit neuer Faszination aufsuche. Wie geht es dir als Dresdnerin, wenn du nach Hause kommst?

Susanne Schöne: Ich liebe diese Stadt einfach über alles. Ich bin damals nach dem Studium berufsbedingt nach München gezogen, wo ich seit mittlerweile gut zehn Jahren lebe. Zudem pendele ich jede zweite Woche nach Berlin, wo ich für N24 moderiere.

Susanne Schöne, Foto Copyright Lars Müller

Da bleibt leider nicht mehr so viel Zeit, um nach Dresden zu kommen, wie früher. Aber meine Familie lebt noch immer dort, sodass ich versuche alle drei bis vier Monate wenigsten für ein paar Tage vorbei zu kommen. Und dann genieße ich es in vollen Zügen. Für mich ist das nach wie vor die schönste Stadt der Welt.

Umso trauriger bin ich darüber, was im Moment dort politisch passiert. Mir kommen die Tränen, wenn ich sehe, in welchem Zusammenhang meine geliebte Heimatstadt mittlerweile überall in aller Munde ist. Das ist falsch und spiegelt nicht das Bild der Dresdner wieder! Dresden ist wunderschön und weltoffen. Die Stadt hat so viel Tolles zu bieten und ich hoffe, dass die Medien schon bald wieder darüber berichten.

JJ: Du moderierst sowohl vor der Kamera draußen als auch im Studio sowie bei Live Events. Zuerst mal bitte, was ist für dich ganz persönlich die Faszination Moderieren, unabhängig vom Ort und Format?

Susanne Schöne: Für mich war immer klar, dass ich mit Sprache arbeiten möchte. Für mich ist das eine regelrechte Faszination. Früher habe ich freiwillig die Deutsch-Hausaufgaben meines Bruders übernommen. Das ist die Grundvoraussetzung. Hinzu kommt eine stete Neugierde auf die unterschiedlichsten Themen, Länder und Menschen.

Ich möchte am liebsten immer dazu lernen. Und das darf ich in meinem Beruf bei jedem neuen Job. Insofern ist die Berufswahl ziemlich egoistisch. Hinzu kommt aber auch die Freude daran, andere Menschen zu unterhalten oder zu informieren. Lernen zu dürfen ist ein unglaubliches Privileg. Für beide Seiten. Mein Beruf bietet mir dabei die unterschiedlichsten Möglichkeiten.

JJ: Und was magst du an der Studioarbeit speziell, was daran, live vor den Menschen zu stehen und ein Event zu moderieren?

Susanne Schöne: Im Studio, als Wettermoderatorin bei N24, darf ich die Zuschauer zum einen über das Wetter informieren, zum anderen lebt das Ganze aber natürlich auch von einem gewissen Unterhaltungswert. Das Gespräch zwischen dem Newsanchor und mir gibt uns dabei immer die Möglichkeit für den ein oder anderen spitzfindigen Kommentar. Hier ist Schlagfertigkeit gefragt. Ich denke, die Zuschauer mögen das genauso wie wir.

Zudem mag ich unsere Außendrehs sehr, da sie noch einmal ein ganzes Stück freier sind. Mein Highlight war eine Moderation auf dem Brocken, während der Wind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 120km/h wehte. Da hatten sowohl mein Kameramann, als auch ich mächtig zu kämpfen. Ich fand es einfach nur toll. Das heißt Wetter – oder in dem Fall das Thema meiner Moderation – wirklich leben und dem Zuschauer nach Hause bringen.

Bei Eventmoderationen schätze ich das direkte Feedback durch das Publikum. Ich klopfe im Vorfeld beim Veranstalter ab, ob die Moderation eher seriös oder doch auch spaßig sein darf. Entsprechend agiere ich. Und tatsächlich hat alles seinen Reiz.

Bei seriösen Podiumsdiskussionen freue ich mich von Beginn an auf meist äußerst smarte Rückfragen aus dem Publikum, wo auch gerne mal kein Blatt vor dem Mund genommen wird und die Diskutanten mitunter ins Schwitzen kommen. Bei lockereren Abendveranstaltungen genießt man natürlich die positive Stimmung, den Vibe wie es so schön heißt, den man auf der Bühne ganz besonders spürt.

JJ: Erzähle mal bitte ein bisschen über dich als Wetterfee bei N24, Susanne, wie kamst du dazu, was macht dir daran Spaß; und bist du inzwischen Wetterfachfrau?

Susanne Schöne: Ich bin ganz klassisch über ein Casting Anfang 2015 zu N24 gekommen. Die sechs Jahre davor habe ausschließlich im Eventbereich moderiert. Dann stand ich auf einmal in dem Studio. Drei Prompter, fünf rollende Kameras. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das gemacht habe, aber zwei Wochen später bekam ich tatsächlich die Zusage.

Susanne Schöne, Foto Copyright WeltNe24 Claudius Pflug

Meine Kollegin Miriam Pede hat mich damals liebevoll in alles eingearbeitet, sowohl inhaltlich, als auch technisch. Miriam und ich sind jedoch beide studierte Journalisten und keine Meteorologen, sodass wir immer einen Meteorologen an unserer Seite haben.

Ansonsten ist unsere Arbeit wie die vieler anderer Journalisten; Texte schreiben, Karten auswählen, alles ins Redaktionssystem einarbeiten… und am Ende im Studio stehen. Am meisten Spaß macht mir die Arbeit mit dem gesamten Team. Wenn du morgens um 4:30 Uhr anfängst, dann hast du nur Freude an der Arbeit, wenn die Menschen drumherum passen. Und ich liebe unser N24-Team. Da vergeht kein Tag ohne Lacher.

An der Arbeit an sich mag ich vor allem die Kombination aus Wissensvermittlung und Unterhaltung. Auch wenn viele das Wetter für banal halten, zum einen ist es ein äußerst komplexes Thema und zum anderen interessiert es am Ende ja doch jeden. Eine spannende Kombination.

JJ: Inwieweit bist du als Moderatorin in einer Art (natürlich authentischer und ehrlicher) Rolle und inwieweit 100% Susanne? Und wie viel von dem, was du – sagen wir mal bei den Live Events – anbietest, ist konkret genau so vorbereitet und wie viel Raum lässt du dir für Spontanität?

Susanne Schöne: Ich bin im Studio, als auch auf Events, sehr authentisch. Denn natürlich habe ich da einen gewissen Spielraum und weiß, wann ich meinem Humor mal mehr, mal weniger zügeln muss. Ich bin einfach jemand, der gerne Wissen vermittelt. Deswegen ist es mir wichtig, bei meinen Wettermoderationen zum Beispiel, auch zu erklären, warum es gerade warm oder kalt ist. Oder wo der Regen herkommt.

Hintergründe aufzeigen und nicht nur Fakten liefern. Das finde ich wichtig. Egal bei welchem Thema.
Bei Live-Events kommt es ganz auf den Kunden an. Von 100 Prozent vorgegeben (ganz selten) zu „machen Sie mal, Frau Schöne“ ist da alles dabei. In der Regel ist es eine gesunde Mischung. Der Leitfaden kommt vom Kunden, wie ich die Fragen stelle, Überleitungen, spontane Ideen, all das bleibt mir überlassen.

JJ: Die Moderatoren-Helden meiner Jugend waren O.F. Weidling (DDR Zeiten) oder Hans-Joachim Kulenkampff. Heutzutage vielleicht Matthias Opdenhövel, Günther Jauch, Mareile Höppner. Wen siehst und hörst du gerne, vielleicht auch international und unhabhängig von der Zeit. Und gab oder gibt es Vorbilder für dich?

Susanne Schöne: Wirkliche Vorbilder habe ich nicht. Aber es gibt natürlich Menschen, die ich sehr gerne sehe und höre. Barbara Schöneberger gehört da dazu. Sie ist unglaublich schlagfertig und witzig. Mittlerweile hat sie das zu einer eigenen Marke gemacht und wird genau dafür gebucht. Das finde ich bewundernswert.

Und ich ziehe meinen Hut vor allen Sportkommentatoren dieser Welt. Teilweise stundenlang über einen Wettkampf zu berichten, in dem mitunter nichts passiert. Das ist ganz hohe Kunst.

JJ: Wenn du vor die Kamera trittst und die rote Lampe leuchtet oder auf die Bühne mit dem Publikum davor, wie fühlst du dich genau in dem Moment, was passiert in dir?

Susanne Schöne: Im Studio merkt man eigentlich nicht viel. Da bin ich alle 30 Minuten auf Sendung. Das ist relativ routiniert. Events sind natürlich noch einmal etwas anderes. Vor 4000 Leuten auf eine Bühne zu gehen, da kribbelt es dann doch etwas im Bauch. Und das ist gut so. Denn das ist eine sehr positive Nervosität. Sie führt dazu, dass man konzentriert arbeitet. Ich genieße es, da oben zu stehen, die Freude der Menschen zu spüren und mit ihnen zu interagieren.

Wer ganz ohne emotionale Regung auf einer Bühne steht und nur sein Programm abspult, der verpasst meiner Meinung nach die riesen Chance, den Abend zum Leben zu erwecken und Menschen nachhaltig zu begeistern.

JJ: Und wie beeinflusst dich bei der Arbeit, wenn du einen Tag erwischt, der für dich persönlich schlecht läuft, an dem dir ganz andere Gedanken durch den Kopf schwirren?

Susanne Schöne: Das muss man ablegen können. Klingt hart. Ist aber so. Ein Kunde zahlt viel Geld dafür, dass ich diesen einen Tag oder Abend für ihn und seine Gäste besonders mache. Da ist leider kein Platz für persönliche Befindlichkeiten.

Susanne Schöne; Foto Copyright Katerina Kepka

Ich habe viele Jahre für einen Automobilhersteller moderiert, da stand ich rund 200 Tage im Jahr auf der Bühne. Natürlich ist da auch mal der eine oder andere Tag dabei, an dem es einem nicht so gut geht. Aber zum einen muss man da einfach professionell agieren und zum anderen war es bei mir immer so, dass es mir nach der Show besser ging als vorher. Win-Win-Situation.

JJ: Susanne, du bist gut im Geschäft, hast schon einiges moderiert. Was steht demnächst konkret an und welche Träume leben in dir?

Susanne Schöne: Ich freue mich schon jetzt auf viele wunderbare Projekt in diesem Jahr. Für zahlreiche Kunden moderiere ich nun schon einige Jahre. Mein ganz persönliches Highlight ist die Moderation des MEEF (Middle East Economic Forum) in Dubai Ende Mai. Ich liebe die Stadt.

Und Mai ist die perfekte Reisezeit, bevor es dann dort richtig heiß wird. Um die Zeit kann man am Abend im Meer gerne mal bei 34 Grad baden gehen. Total sureal. Im Wasser hocken bei Badewannentemperatur und aufs scheinbar unendliche Meer schauen. Das nenne ich perfekte Work-Life-Balance.

JJ: Vielen Dank.

Foto Startseite: Copyright WeltNe24 Claudius Pflug

Weitere Informationen: Susannes WebseiteSusannes facebook Seite

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