Willkommen im Wohnzimmer

 

Als ich drei Jahre im Norden lebte (Bremen und Bremehaven) schaute ich im Fernsehen oft einen dort damals sehr beliebten Regionalsender. Mittendrin als Moderatorin und Hansdampf in allen Gassen – Eva Güthe.

Foto: Sabine Skiba

Foto: Sabine Skiba

Inzwischen bin ich wieder in meinem Thüringen und Eva ist wieder in ihrem Nordrhein-Westfalen. Aktiv und fleißig ist sie nach wie vor. Gleichwohl mischen sich nachdenkliche Töne ein: „Wer hoch hinaus will, muss lange beim Fundament verweilen“, zitiert die Moderatorin eine Redewendung, und ergänzt: „Denn hinter dem Ganzen steckt harte Arbeit. Man muss wirklich wollen. Mir wurde nie etwas geschenkt. Alles habe ich mir selbst erarbeitet. Auch für kleine Dinge bin ich sehr dankbar. Ich habe im Laufe der Jahre einen etwas anderen Blick auf die Dinge bekommen. Am wichtigsten ist, dass man gesund ist und bleibt. Ohne das ist alles nichts. Deshalb sollte man in dem ganzen Terminwahn auf sich achten…“

Und ich achte jetzt mal darauf, die Dinge nicht zu überstürzen, stelle einige Fragen und fange vorne an.

„Das wäre viel zu einfach gewesen“

 

JJ: Eva, erzähle mal bitte, warst du im Kindergarten, in der Schule oder als kleine Eva im Familienkreis schon eine große Quasselstrippe?
Eva Güthe: Wir können ja mal meine Erzieher oder Lehrer von damals fragen. Das interessiert mich ja jetzt schon ein bisschen, wie sie mich in Erinnerung haben. Ich habe natürlich gerne mit meinen Sitznachbarn gequatscht. Aber ich war nicht der typische Klassenclown und auch nicht verhaltensauffällig. Mir war es schon sehr wichtig, gute Noten zu schreiben und mein Abitur zu machen. Ich wusste aber auch, dass mein spannendes Leben erst danach los geht und ich konnte es kaum erwarten.

Zu Hause im Familienkreis beziehungsweise in der Freizeit hab ich es richtig krachen lassen. Alles musste auf mein Kommando hören! Und ich hatte natürlich immer Recht! Meine Eltern behaupten bis heute, dass ich immer das letzte Wort hatte und sie in Grund und Boden gequasselt habe. Einmal hat meine Mutter mir sogar ein Pflaster auf den Mund geklebt, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat.

Quasselstrippe Eva; Foto Privat

Quasselstrippe Eva;
Foto Privat

Aber ich war ja auch ein Papakind. Sobald mein Vater da war, war ich ruhig. Klingt komisch. Ist aber so. Ich war damals auch in allen möglichen Sportvereinen. Ich wollte immer die Beste sein. Mein erstes Reitturnier habe ich gewonnen. Niemand hat damit gerechnet. Aber es ist einfach so passiert. Ich habe es geliebt, irgendwelche Choreografien mit Freunden einzustudieren und sie anschließend zu Hause oder in der Schule vorzuführen. Natürlich in der ersten Reihe.

JJ: Wann kam dann der konkrete Berufswunsch „Moderatorin“ zustande, peu à peu oder durch einen Anlass, eine Art Vorbild?

Eva Güthe: Wir mussten damals in der Schule ein sogenanntes Schülerpraktikum absolvieren, damit wir mal einen Einblick in das Berufsleben bekommen. Einige gingen zum Friseur, andere in eine Arztpraxis. Damit konnte ich leider überhaupt nichts anfangen. Es interessierte mich auch absolut nicht und ich fand das alles ziemlich langweilig. Eigentlich hätte ich die Zähne zusammen beissen und mir einfach irgendeinen Praktikumsplatz in meinr Nähe suchen können. Aber das wäre ja viel zu einfach gewesen.

Ich habe Ende der 90er sehr viel den Musiksender VIVA TV geschaut und mich damit identifiziert. Alles war so schön bunt und die Moderatoren waren so locker und lässig. Da gab es doch keine Probleme. Alles war cool! Das hat mich total fazsiniert und ich fand es mega spannend. Ich war jung und naiv und habe also meine Bewerbung für mein Schülerpraktikum dort hingeschickt. Die nächsten Wochen fuhr ich dann also tatsächlich von Hattingen an der Ruhr nach Köln.

Auch wenn ich das damals noch nicht wusste, aber das war meine Eintrittskarte in die Medienbranche. Ich lernte, wie ein Sendung entsteht und was Fernsehen eigentlich bedeutet. Ich kam sogar vor die Kamera. Als ich wieder zu Hause war, habe ich plötzlich ganz anders TV geschaut. Nach diesem Praktikum stand für mich fest, dass ich gerne und unbedingt Redakteurin und Moderatorin in Köln werden möchte.

Damals war ich 15 Jahre alt. Heute bin ich Anfang 30 und ich liebe die Arbeit vor der Kamera wie keine andere. Es ist mein absoluter Traumjob und ich bin sehr dankbar, dass ich das machen darf, was so viele wollen. Ich brenne dafür und es ist meine Leidenschaft. Ich muss aber auch sagen, dass die Menschen, die Fernsehen machen, mich nicht immer alle von ihrer Arbeit überzeugen können. Ich schaue da schon ganz genau hin und suche mir meine Projekte aus, die ich unterstützen möchte. Mir ist es wichtig, dass der Zuschauer gut unterhalten und informiert wird. Mein eigener Bekanntheitsgrad ist mir da egal.

Ich war jahrelang bei diversen TV-Sendern und Produktionsfirmen fest angestellt. Mir war es immer wichtig, Inhalte mitgestalten zu können. Deshalb wollte ich auch die Arbeit einer Redakteurin beherrschen. Nun konzentriere ich mich voll und ganz auf die Moderation und finde es toll, viele verschiedene Dinge im Moderationsbereich machen zu dürfen.

Moderatorin Eva Güthe; Foto privat

Moderatorin Eva Güthe;
Foto privat

Denn Moderation ist nicht gleich Moderation. Bei einer Messe-Moderation gibt es andere Dinge zu beachten als bei der TV-Moderation. Diese Abwechslung und die verschiedenen Themen finde ich super.

JJ: Welcher Moderatorinnenbereich reizt dich, wenn du dabei gerne an die Wunschfee denkst, besonders? Die Morgensendung im Radio, Frühstücksfernsehen, eine Talkshow, Samstag Abend 20:15 Uhr in einem Top-Sender oder ganz ohne Kameras das Firmenevent?

Eva Güthe: Die Station Radio habe ich irgendwie übersprungen. Aber vielleicht ergibt sich ja noch mal die Möglichkeit einer eigenen Radiosendung. Vorher habe ich aber noch viele Ideen für TV-Formate. Wenn die Wunschfee zu mir kommt, dann würde ich ihr sagen, dass ich gerne eine Talkshow moderieren würde. Ich liebe es zu talken und viele verschiedene Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen. Ich spüre oft eine ganz tolle Energie bei den Interviews und transportieren sie zu den Zuschauern.

Auch wenn die Kamera längst aus ist, unterhalte ich mich oft noch ein bisschen weiter, oder wir vergessen die Kamera. Eigentlich reizt mich keine Samstagabend-Show. Es geht mir nicht darum, dass mich möglichst viele Menschen sehen und ich eine Plattform bekomme. Mir geht es darum, dass ich den Menschen Türen öffne, die ihnen sonst verschlossen bleiben. Gerne möchte ich mal das Frühstücksfernsehen moderieren. Es ist einfach besser, wenn ich früh aufstehe und weiß, was der Tag mit sich bringt. Sonst schlafe ich viel zu lange 😉

JJ: Was passiert in oder mit dir, Eva, während du moderierst, egal ob in einem Studio oder draußen vor Publikum?

Eva Güthe: Es ist ein Gefühl, das sich einfach in dem Moment total richtig und gut anfühlt. Besonders toll finde ich Live-Sendungen. Da sehe ich dann die vielen Zuschauer in der Kamera und habe wirklich das Gefühl, dass ich sie gerade in ihren Wohnzimmern begrüße. Das ist super, weil ich sie sonst gar nicht kennenlernen würde. Es gibt so viel tolle und spannende Themen, von denen ich ihnen gerne berichten möchte. Sobald die Kamera läuft oder das Rotlicht angeht, bin ich voll und ganz da und vergesse alles andere um mich herum.

Foto: Sabine Skiba

Foto privat

JJ: Wie viel deiner Moderationen ist exakt vorbereitet, wie viel improvisiert?

Eva Güthe: Das kommt natürlich auf das Format an. Nachrichten sind vorbereitet. Aber auch da hatte ich schon das eine oder andere Mal die Situation, dass der Telepromter ausgefallen ist. Da heißt es dann: Cool bleiben und so tun, als wäre alles in Ordnung. Zur Sicherheit hat jeder Moderator den Text auch noch mal auf Moderationskarten gedruckt. Manchmal kommt auch einfach noch mal während der Sendung eine wichtige Nachricht dazu. Man bekommt eine kurze Info während der Werbung oder während eines Beitrags und danach heißt es improvisieren 😉
Gelegentlich moderiert man einen Beitrag an und es folgt ein ganz anderer oder vielleicht auch keiner. Da der Zuschauer nicht doof ist, sollte man ihn über den Fehler informieren und sich entschuldigen.

Anderes Beispiel: Ich habe mal ein Szene-Format moderiert. Fest stand, wo wir drehen und was wir da machen wollen. Wie die Stimmung dann tatsächlich vor Ort ist und was für Leute wir dort treffen werden, wussten wir vorher nicht. Trotzdem war es jedes Mal lustig. Natürlich sollte man immer ein Konzept haben und wissen was man tut und für wen man es macht. Aber man sollte sich auch immer ein bisschen Freiraum für spontane Dinge lassen.

Unvorhergesehende Dinge sind manchmal genau das, was die Leute sehen wollen. Da erinnere ich mich doch direkt an ein Interview mit Matthias Schweighöfer. So wie es verlaufen ist, hatte ich es nicht geplant und ich habe irgendwann meine Interviewfragen über Bord geworfen. Genau das kam bei den Zuschauern gut an. Pannen gehören dazu. Ich finde es toll, wenn nicht immer alles so exakt nach Plan läuft. Die Leute wollen Ecken und Kanten sehen.

Das bleibt in Erinnerung. Für einen Moderator ist es toll, spontan sein zu können und zu dürfen. Dadurch ist er nicht ganz so festgefahren. Mir persönlich war es immer sehr wichtig, pefekt vorbereitet zu sein. Und natürlich bin ich es auch immer noch 😉 Aber manche Dinge kann man nicht immer so genau planen. Gut so, wie ich finde.

Foto: Sabine Skiba

Foto: Sabine Skiba

JJ: Eva, es gibt die verschiedensten Ausbildungsberufe oder Studiengänge, unter anderem Schauspielschulen. Von Moderatorenschulen habe ich noch nichts gehört. Liegt das an meinen Ohren?

Eva Güthe: Wahrscheinlich liegt es daran 😉 Obwohl ich sagen muss, dass es zu meiner Zeit wirklich nicht so viele Möglichkeiten gab. Meine Eltern haben auch immer zu mir gesagt: „Eva, Moderation ist kein Ausbildungsberuf!“ Heutzutage gibt es aber einge Schulen beziehungsweise Akademien. Dort kann man neben der TV-Moderation zum Beispiel auch einiges über die Event- oder Radiomoderation lernen. Auch ich habe einige Angebote in Anspruch genommen und kann es jedem empfehlen. Denn neben Leidenschaft und einem starken Willen, gehört eben auch sehr viel Training und Feedback dazu.

JJ: Gibt es einen Moderator oder eine Moderatorin, den/die du gerne siehst oder hörst?

Eva Güthe: Ich finde, dass jeder seinen eigenen Stil haben sollte. Alles andere gibt es ja schon. Wer es aber ganz toll macht, ist meiner Meinung nach Barbara Schöneberger. Sie kann über sich selber lachen und vermittelt einfach Spaß und Freude. Ihr schaue ich gerne zu. Sie ist absolut schlagfertig und findet in jeder Situation die passenden Worte. Ihr macht so schnell keiner was vor. Vielleicht ist sie manchmal unsicher, aber das würde sie den Zuschauer niemals spüren lassen. Sie zeigt stets, dass sie alles unter Kontrolle hat und führt soverän durch jede Show. Und dabei ist sie auch noch extrem lustig.

JJ: Was machst du derzeit in Sachen Moderation?

Eva Güthe: Puh, wo fange ich da an? Als freie Moderatorin habe ich das Glück, viele verschiedene Projkte machen zu dürfen. Es gibt einige Kooperationen. Am liebsten stehe ich vor der Kamera. Aber man sieht mich auch bei Events oder auf Messen. Zudem bin ich als Schauspielerin für verschiedene Imagefilme tätig. Außerdem arbeite ich als Sprecherin. Dieses Jahr war ich wirklich schon viel unterwegs. Aber das Jahr ist ja noch jung. Wir seh´n uns!

JJ: Danke Eva

Foto Startseite: Sabine Skiba

Weitere Informationen: http://www.evaguethe.de/

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