Die Mitspieler in Szene setzen

 

Enosch Wolf ist als Basketballer gut rumgekommen – in Göttingen spielte er Nachwuchs Basketball Bundesliga und Regionalliga, in den USA bei den UConn Huskies in der Collegeliga, danach bei den Telekom Baskets Bonn, dann für die rent4office Nürnberg und die Kirchheim Knights (Pro A) sowie in der ersten Liga für Medi Bayreuth, von wo er nach Spanien in die dritte Liga wechselte. Der 2,15 Meter Mann stammt aus einer Basketballfamilie, trainiert derzeit fleißig für die neue Saison und erinnert sich bei aller Weltenbummlerei sehr gut an seinen Göttinger Regionalligatrainer.

Spanien und der Stellenwert von Basketball

 

JJ: Enosch, in der abgelaufenen Saison hast du in Spanien für Ametx Zornotza gespielt. Ist Spanien ein basketballverrücktes Land, Zornotza ein basketballverrückter Ort?

Enosch Wolf: Basketballverrückt jetzt vielleicht nicht im Sinne wie man von fußballverrückt in Deutschland oder auch Spanien redet, aber der Basketball hat dennoch einen etwas höheren Stellenwert in Spanien als in Deutschland, denke ich. Zornotza ist sehr klein und Basketball der höchstklassigste Sport dort, von daher könnte man schon sagen, dass es zumindest das Highlight der Woche war, wenn es ein Heimspiel gab.

JJ: Wie beurteilst du den Stellenwert deines Sportes in Spanien, verglichen mit Deutschland?

Enosch Wolf: Wie in der vorherigen Frage schon angedeutet, ist der Stellenwert des Basketballes in Spanien höher als in Deutschland. Aber nicht bei weitem. Ich denke, in Deutschland sind wir auf einem sehr guten Weg und beobachten, besonders in den letzten fünf Jahren, eine starke Entwicklung nach oben, was den Stellenwert des Basketballes angeht.

Die USA und die Nachwuchszeit

 

JJ: Im Basketballland schlechthin, den USA, hast du auch schon Körbe geworfen. Ist das eine ganz andere Welt?

Enosch Wolf: Ja! Da geht es ganz anders zu. Alles ist größer und gigantischer in den USA. Die Hallen, Merchandise, Tuniere, Fernseh-Ausstrahlungen und so weiter. Man reist sogar mit dem eigens gecharteten Flieger zu Auswärtsspielen. Das wäre hier in Deutschland nicht denkbar.

JJ: Zurück nach Good old Germany und in die Vergangenheit. Den meisten Menschen geht es so, dass die Phase der Ausbidung eine besonders bewegte, teils verrückte Zeit ist, wahrscheinlich weil sich da vieles ändert, in der Jugend auch alles ein bisschen unbeschwerter abläuft. Mit welchen Erinnerungen oder Gefühlen denkst du an die NBBL Zeit in Göttingen zurück?

Enosch Wolf: Eigentlich habe ich durchweg positive Gefühle. Sicherlich hat man in der Jugend (ob beim Sport oder nicht) das eine oder andere Mal Fehler gemacht, aber auch über solche bin ich froh, sie gemacht zu haben, denn ohne Fehler zu machen, kann man nicht lernen. Alles war sicherlich ein wenig unbeschwerter damals, da es noch kein Business war.

Enosch Wolf in Aktion

Enosch Wolf in Aktion

Besonders erinnere ich mich an drei Spiele pro Wochenende, wenn es erst mit der Regionalliga, dann mit der Oberliga und am nächsten Tag mit der NBBL zur Sache ging. Die Regionalliga-Zeit unter der Göttinger Trainerlegende Hans Werner Schmidt hat mich sehr geprägt. Ich glaube, er weiß es nicht so wirklich, aber er hat mir sehr viel beigebracht und mitgegeben für mein Leben, sei es auf oder neben dem Feld. Aber auch viele Erinnerungen hängen mit guten Freunden und Mitspielern zusammen, auch oft abseits des Feldes.

JJ: Wann war klar, Enosch, dass deine Position die des Centers ist oder wird, schon beizeiten?

Enosch Wolf: Für mich ist es bis heute nicht klar, dass meine Position die des Centers ist. Für 99% meiner Coaches war es allerdings immer klar. Da kam es damals und leider zum Teil heute noch öfter darauf an, wie groß man ist, als wo die eigentlichen Talente oder Fähigkeiten stecken.

Position

 

JJ: Erzähle bitte mal ein bisschen, wie du die Centerrolle interpretierst.

Enosch Wolf: Ich denke, die Centerrolle hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Es geht weg vom Blöcke stellen, Rebounden und mal einen unterm Korb reinlegen hin zu auch von außen agieren.

Ich selber sehe mich ein wenig zwischen Position 5 und 4. Also der klassische Brett-Center bin ich auf jeden Fall nicht. Da agiere ich lieber mehr von außen, Wurf von der Dreipunktelinie, Pässe, die meine Mitspieler in Szene setzen, den Korb attackieren und so weiter.

JJ: Gab es in deiner Jugend Basketballspieler, denen du nacheifern wolltest, gibt es jetzt Spieler, die du gerne agieren siehst?

Enosch Wolf: Kobe Bryant ist mein absoluter Lieblingsspieler. Ihm spielmäßig nachzueifern, wäre allerdings schwer, da er eine andere Position spielt. Einer, dem ich oft nachgeeifert habe, ist Lamar Odom (1999 bis 2013 in der NBA) zum Beispiel.

Momentan gibt es eine Menge Spieler, denen ich gerne zuschaue. Da gibt es in der NBA sicherlich einen Steph Curry, beziehungsweise die ganze Mannschaft der Golden State Warriors, die einfach Spaß machen, wenn man ihnen zuschaut. In Europa macht insbesondere die Euroleague viel Spass und einem Spieler wie Miloš Teodosić zuzusehen, ist schon sehr geil.

Faszination

 

JJ: Enosch, wenn du zum Match in eine volle Halle einläufst, wie fühlst du dich?

Enosch Wolf: Überragend. Egal, ob voll oder weniger besucht. Ich weiß, dass ich in ein paar Minuten Basketball spielen darf. Da gibt es nix besseres.

JJ: Im Fußball beispielsweise gibt es so genannte schöne Tore (Fallrückzieher, Flugkopfball), was ist für dich ein schöner Korb?

Enosch Wolf: Sicherlich gibt es die Highlight Plays wie Dunkings und Alley oops oder den Wurf in letzter Sekunde zum Sieg. Ich allerdings finde den überraschenden Pass zum Mitspieler, den niemand vorhergesehen hat, wesentlich schöner als einen eigenen Abschluss.

JJ: Worin besteht für dich persönlich die Faszination Basketball?

Enosch Wolf: Ganz klar im Lesen des Spieles und dem darauf zurückzuführenden Reagieren. Kaum ein Spiel geht so schnell hin und her und auf und ab wie Basketball. Da das richtige Timing für die nächste Aktion zu haben, ist für mich das, was einen guten Spieler vom Rest unterscheidet.

Gegenwart und Zukunft

 

JJ: Spielst du im Sommer irgendwo, bist du irgendwo aktiv in der – in Europa – spielfreien Zeit?

Enosch Wolf: Spielen tue ich nicht. Aber ich bin seit vergangenem Montag wieder komplett im Training. Dazu gehören tägliche, individuelle Basketball-Einheiten, Krafttraining sowie Athletiktraining. Insgesamt so cirka zehn bis zwölf Einheiten die Woche.

JJ: Was planst du für die kommende Saison?

Enosch Wolf: Ich möchte eine gute sportliche Situation, wo ich mich so als Spielertyp ausleben kann, wie ich mich selber sehe. Dazu gehört natürlich eine Menge Einzel-Training und der Trainer muss das genauso sehen wie ich. Diese Situation habe ich gefunden und bin super happy darüber. Ich denke, in ein bis zwei Wochen kann ich dann auch offiziell mehr dazu sagen, wo genau es hingeht.

JJ: Vielen Dank

Foto Startseite: Enosch Wolf

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