Wenn Lehrer recht haben

 

Florian Weiss ist als Radiomoderator tätig (aktuell vor allem an den Wochenenden, weil seine Fernsehpräsenz in den letzten eineinhalb Jahren zugenommen hat), legt seit Ewigkeiten als DJ auf, und mischt zum Beispiel  in der ZDF-Vormittagssendung „Volle Kanne – Service täglich“ als „Besserwisser“ mit. So wirklich als klischeehaft besserwisserisch kommt er dabei indes nicht rüber. Eher schon als der junge Mann von nebenan, der uns erzählt, was er selbst gerade staunend gelernt hat.

Foto von Sandra Schuh; www.perfectly-imperfect-photography.de

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Seine Moderatoren-Kollegin Tina Kaiser, die er im Interview erwähnt, beschreibt den 39jährigen so: „Ach, wenn es mehr Männer wie Flo Weiss geben würde, hätten die Frauen weniger zu jammern 🙂 Schaut cool aus, ist charmant und hat ein megaaaagroßes Herz für Tiere:-)“

Aber schaut selber, hier und jetzt und authentisch:

 

„Radio wollte ich!“

 

JJ: Florian, ich kenne dich aus verschiedenen Sendungen als rasender Reporter; im Taxi, auf der Wiesn, im Logistikzentrum – oder auch als Besserwisser. Ist das deine Welt, das was dir Spaß macht und das, was du – sagen wir mal vor fünf oder zehn Jahren – auch wolltest? Was fasziniert dich daran?

Florian: Jörg, ich war schon als Kind furchtbar neugierig. Ein Bub in der zweiten Klasse, habe ich mal gelesen, stellt um die 200 Fragen pro Tag. Bei mir waren es sicher 400. Das hat nicht wirklich nachgelassen. Zudem habe ich sehr viel gelesen. Deshalb bin ich, zumindest bei den Dingen, die mich interessiert haben, mit einem gewissen Wissensvorsprung in diesen Beruf gestartet.

Manchmal ist es bei mir auch heute noch so (lacht). Es kommt schon vor, dass der Kameramann irgendwann zu mir sagt: „Flo, wir haben jetzt schon das dritte Band hier durch, während du seit einer dreiviertel Stunde an der einen Person dran klebst!“, aber was soll ich machen (lacht). Ich bin immer noch furchtbar wissbegierig und glaube, das ist der Grund, weshalb ich irgendwann genau DAS im Fernsehen machen darf: Sachen erklären, die ich selber begeistert gelernt habe – und Reportagen, bei denen ich mich in ein Thema richtig rein graben muss. Das mache ich für mein Leben gerne. Eine Leidenschaft, die ich schon als Schuljunge hatte.

JJ: Für mich scheint, wenn auch oberflächlich und aus der Distanz betrachtet, die Moderation einer Samstagabend Show als die Königsdisziplin im Fernsehgeschäft. Hast du darauf auch Lust, oder bist du in dir drin mehr Journalist als Moderator?

Florian: Das ist eine Frage, die mir oft gestellt wird. Ich kann dir nicht sagen, ob ich das möchte, weil ich es tatsächlich noch nie gemacht habe. Aber du hast Recht. Für viele Menschen, die im Fernsehen arbeiten, ist das DIE Königsdisziplin. Würde man mich probieren lassen, würde ich es versuchen. Würde mir dann nach zwei Stunden einer sagen: „Ganz im ernst, Herr Weiss, Sie machen tolle Interviews, tolle Reportagen, und auch als Moderator für ‚Leute heute‘ im ZDF gute Arbeit, aber eine Samstagabend-Showbühne füllen Sie einfach nicht aus“, dann würde ich sagen: „Alles klar, dann lassen wir es.“

Foto von Sandra Schuh; www.perfectly-imperfect-photography.de

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Ehrlich gesagt glaube ich, dass es ganz, ganz wenige in diesem Beruf gibt, die das können. Thomas Gottschalk zum Beispiel, der aber dafür bei anderen Sachen baden gegangen ist. Er ist der perfekte Showmaster. In anderen Disziplinen sind Kollegen besser. Markus Lanz beispielsweise. Ihn bewundere ich sehr für seine Interviews in seiner eigenen Sendung im ZDF, bei Wetten dass aber hatte er seine Schwierigkeiten. Man muss das machen, was man kann; nicht immer das, was man will.

JJ: Was fasziniert dich an Radio, Florian? Ist die Radiomoderation für dich, ähnlich wie es bei Günther Jauch und Thomas Gottschalk vor Jahrzehnten war, deine Wurzel, der Ausgangspunkt, um dann auch ins Fernsehen zu gehen?

Florian: Ehrlich gesagt war Fernsehen, als ich mit Radio begann, überhaupt keine Option für mich. Radio war nicht der Wegbereiter fürs Fernsehen. Radio wollte ich!

Angefangen habe ich als DJ – auf Bühnen und in Clubs. So habe ich mein erstes Geld verdient – während des Zivildienstes. Nach dieser Zeit wollte ich beruflich etwas Seriöseres machen als in Nachtclubs zu stehen, aber es sollte ein Job werden, bei dem ich auf jeden Fall mit Musik zu tun habe. Da ich im Gymnasium für die Schülerzeitung geschrieben hatte, war die Verbindung Journalismus – Musik da und beim Radio war ich perfekt aufgehoben. Deshalb hatte ich mich ganz bewusst dafür entschieden. Das Fernsehen kam Jahre (!!!) später und da bin ich langsam rein gewachsen.

Es sind zwei Medien, die gut parallel funktionieren. Deshalb mache ich gerne beides. Radio werde ich im Herzen immer lieben und jede Sendung, zu der sich die Möglichkeit bietet, werde ich machen. Es ist ein großartiges Medium.

JJ: Aller guten Dinge sind drei, sagt der Volksmund. Du bist auch als DJ aktiv. Hast du einen Bezug zu den legendären 90er Jahre DJ’s, die durch die Love-Parade jeder kannte damals? Was gefällt dir an dem Job? Legst du auf, was du selbst gerne hörst? Und was oder wen hörst du gerne, wenn du Auto fährst oder frühstückst?

Florian: Haha… Das sind mehrere Fragen… Ich habe ganz viel Bezug zu meinen Helden aus den 90ern. Als Westbam und Sven Väth in Deutschland groß raus kamen, war ich 14. Mit 17/18 war ich zum ersten Mal auf der Love-Parade und habe Sven Väth spielen sehen auf der Straße des 17. Juni. Teenegerzeit! Da nimmt man alles mit.

Foto von Sandra Schuh; www.perfectly-imperfect-photography.de

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Techno war die letzte musikalische Revolution, mehr als nur eine neue Musikrichtung – ein Riesenumbruch. Witzigerweise war ich kürzlich in einem Münchner Club, den ein Freund von mir leitet, dem HEART. Da hat Westbam aufgelegt – vor 250 Leuten, ein kleines Privat-Set. Und ich wusste: Er ist nach wie vor einer meiner großen Helden. Ich verfolge die DJs von damals noch, manche blieben auf der Strecke und manche sind noch gut im Geschäft.

Was mir an diesem Job gefällt? Ich stehe gerne auf Bühnen, mache das schon sehr lange. Ja, ich lege auch auf, was ich selbst gerne höre, was allerdings nicht immer einfach ist. Ich bin Dienstleister und muss in erster Linie das Publikum glücklich machen, nicht mich. Wenn ich nach zwei, drei Stunden mein Soll erfüllt habe und die Leute feiern, dann versuche ich Sachen einzustreuen, von denen ich glaube, sie könnten funktionieren und die mir selbst gut gefallen.

In ein Set von vier, fünf Stunden bringe ich natürlich meine eigene Farbe ein. Zum einen, um mich selbst glücklich zu machen, da bin ich offen; zum anderen finde ich gut und wichtig, als DJ ab und zu mal die Leute zu überraschen und nicht stundenlang den „Senf“ zu spielen, den sie überall anders auch hören. Da trennt sich, denke ich, die Spreu vom Weizen. Ein guter DJ erkennt den richtigen Zeitpunkt für die richtige Platte. Das ist die große Kunst an diesem Job.

Fahre ich Auto oder frühstücke, höre ich alles Mögliche. Da lege ich mich nicht fest. Auch um zu schauen, was machen die da so? Ich höre viel Nachrichten- oder Klassikradio. Das bringt mich runter, wenn ich im Stau stehe und mich aufrege 😉

JJ: Welchen Fernsehjournalisten oder Moderator siehst du gerne in Aktion? Welchen Radiomoderator hörst du gerne? Bei welchem DJ bist du gerne im Saal?

Florian: Es gibt ganz viele Moderatoren, die ich super gerne sehe und höre. Ich bewundere Barbara Schöneberger für ihre Authentizität und ihren spontanen Witz. Ich bewundere Hape Kerkeling. Ich mag Markus Lanz wegen seiner Interviews und bin nach wie vor ein großer Verehrer von Thomas Gottschalk…

Und im Radio? Der beste Moderator, den ich je kennengelernt habe, ist der, mit dem ich die meiste Zeit im Radio verbracht habe – das ist Stefan Meixner.

Bei DJs…? Vor kurzem war ich an einem Paul Kalkbrenner Set, das war eine Stunde lang sehr gut, dann spielte er nur noch einen Stiefel, den keiner verstanden hat. Westbam dagegen war über vier Stunden durchgehend großartig. Wen ich gerade sehr, sehr gerne höre, ist  „Solomun“.  Das ist viel Deep- und Tech House, das ist nicht jedermanns Sache, aber im entsprechenden Umfeld ist es toll, was er macht. Ich habe auch schon ein tolles Martin Garrix Set gehört, obwohl er in erster Linie Techno für Teenies produziert. Aber hin und wieder kann er auch einen 39jährigen noch damit glücklich machen (lacht).

JJ: Florian, bist du Tierfreund, unterstützt du den Münchner Tierschutzverein oft und warum?

hundneu

Florian: Ja, das tue ich. Ich habe da guten Kontakt zu Tina Kaiser, die den Verein regelmäßig unterstützt und eine gute und langjährige Freundin von mir ist. Außerdem engagiere ich mich für verschiedene kleinere Tierschutzprojekte überall in Europa. Meistens sind es Tierheime. Ich bin ein offizieller Supporter von „Sea Shepherd“ Deutschland, weil ich seit zehn Jahren leidenschaftlich tauche und mir der Schutz der Meere sehr am Herzen liegt. Ich filme auch viel unter Wasser.

Ich versuche zu helfen, wo es gebraucht wird. Mit Geld, aber auch mit Öffentlichkeitsarbeit.

JJ: Zum Schluss schauen wir mal zurück, Florian, hat sich deine Medien- und DJ Karriere beizeiten, also in der Kindheit angedeutet – und wie?

Florian: Auf jeden Fall! Ich habe sämtliche Schulfeste moderiert, für die Schülerzeitung geschrieben, mit 14/15 – wie erwähnt – auf Schulpartys aufgelegt und in Plattenläden gearbeitet. Meine Lehrer haben damals schon gesagt: „An der Uni wirst du nix, du musst in die Medien!“ Da hatten sie ausnahmsweise mit mir mal recht ;-).

JJ: Danke.

Foto Startseite: Sandra Schuh http://www.perfectly-imperfect-photography.de/

 

 

 

 

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