Keine leichte Entscheidung

 

Die 18 Jahre junge und 1,86 Meter große Österreicherin Katharina Holzer spielt im Außenangriff des „VfB Suhl LOTTO Thüringen“ Volleyball. Die Frau aus Villach wechselte zur Saison 2016/2017 in die erste deutsche Liga und schlug da so ein wie ihre Bälle in der Hälfte der Gegnerinnen. Auch, wenn sie das sooo deutlich nicht sagt:

 

„Ich kann manchmal sehr selbstkritisch sein“

 

JJ: Katharina, gehen wir doch gleich in medias res. Beschreibe mal bitte aus deiner persönlichen Sicht das Anforderungsprofil der Außenangreiferin. Was bringst du für diese Position mit, was macht dir daran Spaß?

Katharina: Es ist eine äußerst komplexe Position, weil man einige Aufgaben hat. Man greift nicht nur an, serviert und blockt, sondern ist auch für die Annahme und Verteidigung zuständig. Somit sollte eine Außenangreiferin schon eine bestimmte Größe mitbringen, aber auch einiges an Spielverständnis besitzen. Meine 1,86m haben da schon Vorteile und ich liebe einfach die Vielfältigkeit dieser Position, es wird einfach nie langweilig.

Katharina Holzer

Katharina Holzer

JJ: Die Vielseitigkeit der Außenangreiferin ist eine gute Voraussetzung, um Beachvolleyball zu spielen, oder? Hast du selbst gespielt, spielst du?

Katharina: Tatsächlich habe ich in den letzten zwei Sommern sehr viel Zeit auf Sand verbracht. Bei der U18 EM im Sommer 2015 wurde ich sogar Vizeeuropameisterin. Doch heuer im Sommer musste ich dann eine Entscheidung treffen, ob ich weiterhin in der Halle bleibe und vielleicht sogar ins Ausland gehe, oder ob ich in Wien beim Beachvolleyballstützpunkt trainieren will. Ich habe dann schlussendlich auf mein Bauchgefühl gehört und mich für die Halle entschieden, aber es war keinesfalls eine leichte Entscheidung…

JJ: Warst du von Beginn an auf der Position zuhause?

Katharina: Eigentlich bin ich wirklich sehr schnell auf dieser Position gelandet. Ich habe mal mit 13 für ein paar Spiele in der 2. Bundesliga in Österreich zugespielt. Ein kleines Experiment des Trainers damals, doch das war anscheinend nicht so meines. Also bin ich seitdem Außenangreiferin.

JJ: Apropos Beginn. Wie kamst du speziell zum Volleyballsport? Was hat dich als Kind daran begeistert?

Katharina: Meiner Mama wären für mich eher Sportarten wie Schwimmen oder Leichtathletik in den Sinn gekommen. Doch wie es der Zufall wollte, haben ein paar Mädchen aus meiner Volkschule mit Volleyball begonnen und mir erzählt, wie viel Spaß es mache. Also habe ich sie mal zum Training begleitet und seitdem ist ein Leben ohne Volleyball nicht mehr vorstellbar. Liebe auf den ersten Blick, wie man so schön sagt.

Was genau mich als Kind an Volleyball so fasziniert hat, weiß ich heute gar nicht mehr so genau. Doch den Spaß beim Training, die Freude über den ersten Turniersieg, die erste Medaille bei den österreichischen Nachwuchsmeisterschaften und die Momente, die man als Kind mit dem Team am und außerhalb des Feldes erlebt hat , sind Erfahrungen, die ich bis heute nicht vergessen habe.

JJ: Was fasziniert dich jetzt als Erwachsene und als Profi – wenn du zuschaust, wenn du selbst spielst?

Katharina: Die Dynamik, Athletik und Technik faszinieren mich mitunter am meisten, egal ob ich zusehe oder selbst am Feld stehe. Ebenso wie der Kampfgeist und die Emotionen, die während eines Spiels aufkommen und einem alles rundherum vergessen lassen. Denn es ist ein großartiges Gefühl, wenn man sich als Team über jeden Punkt von ganzem Herzen freut und es einfach genießt zu spielen.

JJ: Ich bin mit ganzem Herzen Thüringer, Katharina, ich liebe den Thüringer Wald, die Landschaft, die gastfreundlichen Menschen, die mit Holz oder Schieferschindeln beschlagenen Häuser – und solche Städtchen wie Suhl, Zella-Mehlis oder Oberhof. Was hast du schon gesehen vom Thüringer Wald, wie gefällt’s dir? Gibt es Parallelen zur Wintersportmetropole Villach, deiner Heimat?

Katharina: Mir gefällt die Umgebung hier sehr gut, da ich daheim in Klagenfurt auch eher ländlich lebe, habe ich mit der Zeit die Natur sehr schätzen gelernt. Denn als kleines Mädchen war ich von den Spaziergängen, die meine Eltern immer machen wollten, ganz und gar nicht begeistert 😉

Jetzt, da endlich Schnee liegt, waren wir in Schmiedefeld rodeln. Ansonsten bin ich nur hin und wieder mal in der Gegend spazieren gewesen, nach Oberhof habe ich es leider noch nicht geschafft, es mir aber noch vorgenommen.

Parallelen sind auf jeden Fall vorhanden, zum Thüringer Wald und Oberhof (als Wintermetropole), obwohl man sagen muss, dass die Seen mir ein wenig fehlen. Eislaufen oder einfach am See spazieren gehen zu dieser Jahreszeit, hat schon was.

JJ: Und wenn wir einmal dabei sind: Wie wohl fühlst du dich im Verein, wie sind die Fans?

Katharina: Ich fühle mich unheimlich wohl hier! Ich glaube, ich hätte kaum eine bessere Möglichkeit finden können für mein erstes Jahr im Ausland. Und bin extrem froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.

Katharina (Nr.9) und die Suhler Mädels

Katharina (Nr.9) und die Suhler Mädels

Erstmals musste ich mich daran gewöhnen, dass auch andere Leute unter den Zuschauern sind als Familienmitglieder und Freunde der Spielerinnen, so wie es in Österreich – ein wenig überspitzt ausgedrückt – ist.

Im speziellen unser Fanclub in Suhl ist schon etwas Besonderes. Zu sehen, mit wie viel Herzblut und Leidenschaft sie immer wieder am Spielfeldrand stehen und Stimmung machen ist großartig. So macht es noch mehr Spaß zu spielen.

JJ: Erzähle mal bitte ein bisschen vom Team. Wie ergänzt Ihr euch spielerisch, wie menschlich?

Katharina: Allgemein haben wir einen guten Mix aus erfahrenen und jungen Spielerinnen, das ergänzt sich super. So können wir Jungen uns immer wieder von den Erfahreneren Tipps holen, die uns zum Glück immer helfen. Das macht schon sehr viel aus in einem Team.

Auch menschlich verstehen wir uns alle gut. Klar, bei elf Mädels ist es immer so, dass man mit manchen mehr zu tun hat als mit anderen. Aber das ist völlig normal.

JJ: Katharina, ich habe aus der Distanz das Gefühl, Ihr kommt immer besser in Schwung, wachst zusammen, spielt einen flotten Ball. Wie siehst du das als Akteurin?

Katharina: Langsam merkt man, dass wir die Zeit, die wir in der Vorbereitung nicht hatten, aufholen. Vor allem der Start ins neue Jahr war nicht schlecht, gegen Dresden und Aachen verlief es dann nicht ganz nach Wunsch. Doch jetzt heißt es Kräfte sammeln und bei den wichtigen Spielen im Februar voll angreifen!

JJ: Oft lese ich, dass du persönlich fantastische Spiele ablieferst, unwiderstehlich punktest. Hast du damit gerechnet, dass du so gut einschlägst in Suhl, empfindest du das selbst so?

Katharina: Also, gerechnet hätte ich damit auf keinen Fall, dass ich vor allem am Anfang der Saison schon so viel Spielzeit bekomme. Sicher will man als Spielerin immer am Feld stehen, doch ein Hauptgrund für den Schritt nach Deutschland war auch das bessere Training, bei dem man schon sehr viel dazu lernt.

Katharina Holzer2

Katharina Holzer

Es ist schwer über sich selbst subjektiv zu urteilen, ich zum Beispiel kann manchmal sehr selbstkritisch sein. Doch alles in allem bin ich bis jetzt äußert zufrieden mit meiner ersten Saison im Ausland 🙂

JJ: Was denkst du, auch wenn es noch sehr, sehr lange dauert bis dahin, wird dir der Volleyball auch nach Karriereende, also in 20 Jahren ;-), treu bleiben? Gibt es einen Plan B, auf den du hin studierst (oder ähnliches)?

Katharina: Ich würde mir sehr wünschen, dass ich noch seeeeeehr lange spielen kann, der Wille dazu ist jedenfalls da. Ob ich danach noch irgendwas mit Volleyball zu tun haben werde, kann ich jetzt nicht sagen. Denn meistens kommt es anders als man plant, also lass ich die Zukunft einfach auf mich zu kommen.

Nichtsdestotrotz mache ich momentan meine Matura in Österreich fertig, deswegen muss ich auch hin und wieder nach Hause, um Prüfungen zu machen oder Schularbeiten zu schreiben. Dass ich auch immer brav lerne, haben wir mit Michi und Claudi eine Lerngruppe und treffen uns an jedem freien Nachmittag in unserem Lieblingskaffee zum Lernen. Was sein muss, muss sein. Nächstes Jahr würde ich dann gerne ein Fernstudium beginnen, aber ich habe noch keines gefunden, was mir gefällt. Mal schauen , was es dann wird.

JJ: Vielen Dank, viel Spaß und Erfolg noch im wunderschönen Thüringen.

Fotos: VFB 91 Suhl

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