Barfuß im Wald

 

Odine Johne empfindet als großes Glück, dass sie beruflich das macht, wovon sie schon als Kind träumte und was sie auch beizeiten praktizierte: Schauspielen. Sie verkörperte Hauptrollen in Märchen,- Kino- und anderen Filmen, mischte und mischt in vielen Formaten mit, die in Deutschland Rang und Namen haben.

Odine Johne; Foto von Niklas Vogt

Odine Johne; Foto von Niklas Vogt

Wie und wo alles begann, warum es toll ist, im Wald Auge in Auge mit einem Reh zu stehen, wieso sie sich gerne an Luk Perceval erinnert oder was den Moment, wenn der Regisseur „Bitte“ sagt, magisch macht, erzählt uns Odine hier und jetzt:

 

„Wenn alles gut läuft, ist das Spielen ganz leicht“

 

JJ: Odine, hast du als kleines Mädchen schon zuhause, im Kindergarten oder in der Schule auf den entsprechenden kleinen Bühnen gestanden?

Odine Johne: Ja, ich habe eigentlich schon seit ich denken kann irgendwas mit meiner Fantasie angestellt: mir Geschichten ausgedacht, mich oft verkleidet oder Puppentheater mit Kuscheltieren gespielt. Als Kind war ich dann in einer Theatergruppe in einem Marionettentheater, das direkt gegenüber von unserem Haus war.

JJ: War deine Hauptrolle im Jahr 2009 in der ARD-Verfilmung von „Brüderchen & Schwesterchen“ dann so etwas die Erfüllung eines Kindheitstraumes?

Odine Johne: Als ich das Drehbuch las, erinnerte ich mich plötzlich an Sätze aus dem Märchen, die aus meiner Kindheit rüber hallten: “Was macht mein Kind? Was macht mein Reh? Jetzt komm ich noch einmal und dann nimmermehr.”

Und dann barfuß im Wald zu stehen und mit einem echten Reh zu spielen, das war toll! Und auch heute kapiere ich manchmal erst, dass ich wirklich das mache, wovon ich als kleines Kind geträumt habe und was für ein Glück das ist.

JJ: Wann entstand aus dem kindlichen Spaß der endgültige Entschluss, Schauspielerin zu werden und nichts anderes (gab’s den einen Moment)?

Odine Johne: Schon als Kind hatte ich in Filmen der Filmakademie Baden-Württemberg mitgespielt, aber lange Zeit habe ich mich gar nicht getraut zu sagen: ich möchte Schauspielerin werden. Kurz vor dem Abitur hatte ich einen Autounfall, danach musste ich mich noch viel mehr fragen, was ich eigentlich wirklich in meinem Leben machen möchte. Und dann dachte ich: das Leben ist zu kurz, um nur aus Angst nicht das zu tun, was ich eigentlich tun möchte.

Odine Johne; Foto Niklas Vogt

Odine Johne; Foto Niklas Vogt

Also habe ich meinen Koffer gepackt, bin nach Berlin gezogen und habe mich für diesen Beruf entschieden. Bald darauf kam dann auch schon die Anfrage für “Die Welle” und für das Märchen. So kam eins zum anderen.

JJ: Wie hast du die Zeit des Studiums an der Akademie für Darstellende Kunst, Baden-Württemberg, in Erinnerung, Odine?

Odine Johne: Das Studium an der Akademie war für mich total wichtig. Ich hatte zwar schon gedreht, aber an der Schauspielschule kam ich wieder mit dem Theater in Kontakt und konnte mich erstmal ausprobieren, herumexperimentieren, ohne dass von mir erwartet wurde, dass ich ein Profi bin.

Auch Luk Perceval, der unser Studiengangsleiter war, war für mich ein Grund, mich an dieser Schule zu bewerben. Noch heute denke ich manchmal an Dinge, die er gesagt hat oder die ich von ihm gelernt habe.

Bei uns an der Schule konnte man auch Regie studieren. Es war wie ein Experimentierlabor. Wir haben zusammen unsere eigenen Stücke auf die Bühne gebracht und unser eigenes Theaterkollektiv gegründet, mit dem wir auch nach dem Studium noch zusammengearbeitet haben.

JJ: Kannst du schwäbeln?

Odine Johne: Ich habe zwar selber nie Dialekt gesprochen, aber da ich in Stuttgart aufgewachsen bin, habe ich das natürlich viel gehört und ja, ich kann schwäbeln. Das sieht man jetzt auch erstmalig in einem Film, und zwar einem Tatort, den ich mit Dietrich Brüggmann gedreht habe, der soll im Herbst ausgestrahlt werden.

JJ: Was fühlst du, spürst du, denkst du, exakt in dem Moment, in dem der Regisseur am Set „Bitte“ sagt und die Kamera auf dich gerichtet ist?

Odine Johne: Das ist ein besonderer Moment. Als ich angefangen habe zu drehen, hat man noch auf Film gedreht, also nicht digital. Das Filmmaterial war sehr teuer und man hatte für die Szene nicht viele Versuche, das heißt, in dem Moment nach dem “Bitte” spürte man die ganze Konzentration des Teams.

Odine Johne; Foto Niklas Vogt

Odine Johne; Foto Niklas Vogt

Das war ein magischer Moment. Ist es heute auch noch. Im besten Fall ist man nur in dem Moment, im absoluten Jetzt, ganz da.

JJ: Was machen gut aufgelegte Schauspielkollegen in diesen Momenten mit dir?

Odine Johne: Also, wenn alles gut läuft, ist das Spielen ganz leicht, dann glaube ich meinen Kollegen das, was sie sagen, wie sie mich anschauen, von mir enttäuscht sind, wütend auf mich sind oder sich freuen, mich zu sehen. Dann reagiert man aufeinander und überrascht sich gegenseitig. Man spielt einfach.

Wenn eine Szene richtig gut lief, ist es ein bißchen wie verliebt sein. Aber manchmal denkt man, die Szene war etwas ganz Besonderes und im Film ist sie dann ganz unscheinbar. Oder man hat das Gefühl, total versagt zu haben und wenn man den Film sieht, sieht man, dass das Gefühl einen manchmal auch trügen kann, dass man es tatsächlich nicht einschätzen kann. Aber dafür gibt es ja einen Regisseur.

JJ: Und was auf der Bühne das Publikum?

Odine Johne: Ich habe im Schauspiel Bonn Tinker Bell in „Peter Pan“ gespielt. Die Rolle kommunizierte immer mit dem Publikum, also den Kindern. Aber während der Proben waren da ja keine Zuschauer, nur die Leute aus dem Team, die den Text und meine Witze ja auch alle schon kannten.

Odine Johne; Foto von Pierre Johne

Odine Johne; Foto von Pierre Johne

Als dann endlich die Kinder vor mir saßen, habe ich kapiert, was das Publikum bedeuten kann: Sie haben mich vor Käpt´n Hook gewarnt, sich mit mir gegen Wendy verbündet und am Ende Tinker Bell wieder zum Leben erweckt.

JJ: Odine, wie siehst du Filme, egal ob zuhause im Fernsehgerät oder im Kino – 100% als Zuschauerin (wie jeder andere), oder als Kollegin (die eventuell beurteilt oder sich etwas abschaut)?

Odine Johne: Beides. Natürlich kann ich oft nicht ganz aufhören zu beobachten wie der Film gemacht wurde, wie die Schauspieler spielen, wie sie wohl die eine oder andere Szene gedreht haben. Aber bei richtig guten Filmen vergesse ich das.

JJ: Und: Wen siehst du gerne spielen, egal ob Hollywood, Babelsberg oder Köln?

Odine Johne: Isabelle Huppert sehe ich gerne. Es gibt aber zum Beispiel einen meiner Lieblingsfilme, den japanischen Film “Nobody knows”, das sind gar keine Schauspieler, da spielen Kinder und ich schaue ihnen wahnsinnig gerne zu.

Ich glaube, ich schaue einfach gerne Menschen an, auch im echten Leben. Wenn sie in sich reingucken lassen. Oder auch, wenn nicht, und sie ihr Geheimnis wahren.

JJ: Du hast schon in den verschiedensten Fernsehformaten – beispielsweise Krimi, Märchen, andere Spielfilme – mitgemischt, in Kinofilmen die Hauptrolle verkörpert, dafür auch den einen oder anderen Preis abgeräumt; welche Ziele, vielleicht Träume sind offen?

Odine Johne: Ich würde gerne weiter mit spannenden Menschen zusammen arbeiten und Theaterstücke oder Filme machen, hinter denen ich stehe. Das empfinde ich als sehr beglückend. Außerdem habe ich angefangen, mit einem Regisseur zusammen ein Drehbuch zu schreiben. Das ist auch ein Traum von mir.

JJ: Gibt es die zwei, drei Kriterien, die ein Drehbuch oder eine Rolle für dich interessant machen?

Odine Johne: Das ist schwer in Worte zu fassen. Mich muss das Drehbuch oder die Rolle berühren, faszinieren, fesseln. Ich habe da aber eher einen intuitiven Zugang und kann dann erst im zweiten Schritt vom Kopf her begründen, warum mich etwas begeistert hat.

Odine Johne in 5 Frauen; (c) Weltkino Filmverleih

Odine Johne in 5 Frauen; (c) Weltkino Filmverleih

JJ: Worauf können sich deine Fans in absehbarer Zeit freuen, auf welche Filme, Theateraufführungen, sonstige Projekte?

Odine Johne: Am 4. Mai kommt erstmal der Film “5 Frauen” in die Kinos, der in Südfrankreich spielt.

Kommenden Herbst werden wahrscheinlich zwei Tatorte mit mir ausgestrahlt, der Stuttgarter Tatort und der erste Tatort Schwarzwald.

JJ: Danke Odine und weiterhin viel Spaß.

 

Weitere Informationen: Odines facebook Seite

Vielen Dank für die Fotos an Webseite Pierre Johne und Webseite Niklas Vogt sowie (c) Weltkino Filmverleih

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