Bringt Volleyball in die Medien

 

Während Fußball als Nationalsportart Nummer eins, natürlich mit einer gewissen Berechtigung, allumfassend in den Medien – Fernsehen, Radio, Zeitung – vertreten ist, jahreszeitbedingt auch die eine oder andere Winter- oder spezielle Sommersportart, fristet beispielsweise der Volleyball eher ein Schattendasein. Im Gegensatz dazu stellt sich die Stimmung dar, von der die Zuschauer bei Volleyballmatches mitgerissen werden, besonders wenn diese hochkarätig und spannend sind, was in den deutschen Eliteligen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern der Fall ist.

Selbst der ganz normale, sportlich einigermaßen aufgestellte Urlauber, der mal eben wie von ungefähr in ein Gelegenheitsstrandvolleyballspiel als Akteur hinein gerät, wird recht schnell von dem Teamspirit, der Spannung und der Action ergriffen. Diese Diskrepanz zwischen der anerkannten Attraktivität einer Sportart und deren Darstellung in den Medien veranlasste Daniel R. Schmidt, die Initiative „Bringt Volleyball in die Medien“ ins Leben zu rufen.

Wieso, weshalb, warum? Gefragt – gesagt:

„Gepackt vom Esprit“

 

JJ: Daniel, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, lass‘ uns ein wenig ausholen. Was hast du mit dem Volleyballsport zu tun, was ist für dich die Faszination gerade an dieser Mannschaftssportart?

Daniel R. Schmidt: Im Gegensatz zu den meisten im Volleyball tätigen Ehrenamtlern und Funktionären kann ich keine sportliche Vergangenheit im Volleyballsport aufweisen. Eigentlich bin ich eher wie die „Jungfrau zum Kinde“ in diesen Sportsektor gestoßen, als ich über meine Tätigkeit als Radiomoderator Hallensprecher des Frauen-Bundesliga-Teams VC Wiesbaden wurde. Die Atmosphäre und der besondere Volleyball-Esprit haben mich gleich bei den ersten Spielen gepackt, die ich damals als völlig Volleyball-Unbedarfter am Mikrofon begleiten durfte. Die Faszination an diesem technisch und taktisch so anspruchsvollen Sport, der durch seine Ästhetik, Eleganz und sein Fair Play besticht, begeistert mich heute – sechs Jahre später – noch genauso wie damals.

JJ: Wie schätzt du die jeweiligen ersten Ligen unserer Frauen und der Männer ein, sagen wir mal im europäischen Vergleich?

Foto von Detlef Gottwald

Foto von Detlef Gottwald

Daniel R. Schmidt: Die Frage kann aus unterschiedlichen Aspekten beleuchtet werden. Zum einen der sportliche Aspekt, wo Deutschland vermutlich in der oberen Mittelklasse rangiert. Als Sportmanagement-Student interessieren mich da eher andere Kenngrößen, zum Beispiel der Eventisierungsgrad der Bundesligen, bei dem ich noch erheblichen Nachholbedarf sehe. Aber auch die Qualität des Marketings oder der Pressearbeit, bei der sich in den letzten fünf Jahren zwar viel getan hat, ich aber immer noch deutlich Luft nach oben feststellen kann.

JJ: Haben wir in Deutschland nach deiner Einschätzung eine gute Basis, was Volleyball betrifft? Also funktioniert die Jugendarbeit, haben wir attraktive Regionalligen?

Daniel R. Schmidt: Das ist für mich schwierig zu durchschauen, wie gesagt, ich habe durch meine Tätigkeiten beim VC Wiesbaden und für das Event-Kompetenzteam der Volleyball Bundesliga fast ausschließlich mit der Bundesliga-Ebene zu tun. Berührungspunkte gibt es zur Jugendarbeit nur, wenn ich als Moderator für Jugend-Länderspiele, Bundespokale oder beispielsweise die DBM Beach-Volleyball U19 engagiert wurde. Schenkt man den Gesprächen mit Stützpunkttrainern und Auswahlbetreuern glauben, fehlt dem Volleyball im Jugendbereich eines dringend: personelle Ressourcen, Infrastruktur und Geld. Aber um ehrlich zu sein, welche Sportart klagt – fernab des Fußballs – nicht über diesen Ressourcenmangel?

JJ: Wie stehen unsere Nationalteams da, Daniel, im Erwachsenen- und im Nachwuchsbereich?

Daniel R. Schmidt: Bei den Männern hätte ich mir so sehr die Olympiaqualifikation gewünscht, weil es die Krönung einer hervorragenden sportlichen Entwicklung gewesen wäre. Vielleicht kommt es ja in der Dopingdebatte um Russland doch noch zu einem Happy End. Für unsere Sportart wäre das immens wichtig!

Moderation beim LBS Cup Beach-Volleyball in Heidelberg 2015

Moderation beim LBS Cup Beach-Volleyball in Heidelberg 2015

Bei der Frauen-Nationalmannschaft erscheint mir derzeit vieles recht unglücklich. Sowohl die sportlichen Leistungen als auch das Personalmanagement. Im Thema der Jugend-Leistungsförderung bin ich zu wenig involviert. Vom Sportlichen weg ist jedoch ein klares Defizit feststellbar: der Verlust der beiden Sponsoren Layenberger und ERGO muss schnellstmöglich ausgeglichen werden. Wir haben sportlich und persönlich attraktive Nationalmannschaften und die verdienen eine würdige Förderung. Ich sehe da die Hauptbaustelle des Deutschen Volleyball-Verbandes.

JJ: Daniel, ich war vor Jahren mal in Suhl bei einem Spiel der Damen dort gegen den damaligen Aufsteiger Stuttgart (mittlerweile ein Spitzenteam). Die Hütte war voll, die Hütte hat getobt! Im Parkhaus standen PKW von Zuschauern aus 100km Umkreis. Läuft, oder? (Auch anderswo? Ist das der Normalfall?)

Daniel R. Schmidt: Wenn die Bundesliga-Events optimal laufen würden, müsste theoretisch jeder Spieltag eines Bundesligisten ausverkauft sein. Natürlich ist diese These völlig hypothetisch, aber der Volleyballsport muss sich bewusst machen, dass er in stetem Wettbewerb zu allen Aktivitäten steht, für die im gleichen Zeitraum Menschen Geld ausgeben würden. Ich habe in einem Vortrag bei der diesjährigen Bundesliga-Versammlung ganz provokativ gefragt, für was sich die dortigen Manager entscheiden würden, wenn sie am letzten Tag des Monats nur noch 15 Euro Bargeld zur Verfügung hätten und ausgehen wollten. Die Auswahl bestand aus einem Barbesuch, dem Besuch eines Kulturfestivals, einer Kinokarte und einer Eintrittskarte für ein Volleyball-Bundesligaspiel.

Die Antworten in diesem Plenum waren überraschend – zumindest so viel sei verraten. Punchline: natürlich ist die Stimmung beim Volleyball super und viele Menschen zieht das an. Ich bin aber fest der Meinung, dass zukünftig die Zuschauer noch viel eher auf den Kosten-Nutzen-Einsatz schauen werden. Das Mäzenatentum und der Regionalkolorit werden schwinden und wenn wir dann dem Zuschauer nicht ein Event bieten können, werden die Besucher zu anderen Aktivitäten und Sportarten abwandern.

JJ: Laufen die Sponsoren alle zu den Fußballteams oder sind auch die Volleyballvereine, was die Finanzen anbelangt, solide aufgestellt, was weißt du darüber?

Daniel R. Schmidt: Die Prüfung, ob Vereine solide aufgestellt sind, ist Aufgabe der wirtschaftlichen Lizensierung der Volleyball Bundesliga. Auch hier gilt: Bundesliga-Teams mit ihren Spielbetriebsgesellschaften arbeiten immer unter einem Ressourcenmangel. Denn wer hätte nicht gerne mehr Geld für Spieler, Infrastruktur und Co.? Auffallend in den ersten Ligen ist jedoch das regionale Gefälle unter den Erstligisten. Einer Liga tut auf Dauer wohl nicht gut, wenn die entsprechenden Meister ein Mehrfaches an Budget erwirtschaften als der Tabellenkeller. Da müssen sich die Teams mit wenig Budget einfach selbst gewisse Fragen stellen oder vielleicht die Marketing-Strategie überdenken bzw. sich an neuen Innovationen ausrichten. Der „Geilste Club der Welt“, der TSV Herrsching, ist dabei zum Beispiel ein spannendes Produkt hinsichtlich einer innovativen und frechen Marke.

Daniel als Referent bei der diesjährigen BuLi-Versammlung

Daniel als Referent bei der diesjährigen Bundesliga-Versammlung

Unter dem Strich ist die Rechnung doch ganz einfach. Jeder Sponsor arbeitet nach dem Schema: Was kriege ich für meinen Mitteleinsatz? Soll heißen: der Sponsor erwartet für seinen monetären Einsatz eine Gegenleistung. Und die heißt nun mal Fernsehzeit oder Zuschauerkontakte. Versetzen wir uns für eine Sekunde in die Rolle eines Entscheiders eines Großkonzerns, der überlegt, in welche Sportart er Geld stecken will. So schmerzhaft das ist, die Antwort wird überwiegend in die Branche Fußball tendieren, weil dort unter Einsatz von größeren Summen Millionen von Kontakten zu erreichen sind.

JJ: Jetzt zur Initiative „Bringt Volleyball in die Medien“. Wie bist du wann und warum darauf gekommen, wo und wie wird die Initiative aktiv? Werdet Ihr von den Medien wahrgenommen, gibt es Teilerfolge?

Daniel R. Schmidt: Im Januar 2011 habe ich angefangen, mich im Volleyball-Sport zu engagieren und bin recht schnell darauf gestoßen, dass die Medienarbeit auch und gerade im Spitzenvolleyball zum damaligen Zeitpunkt mehr als entwicklungsbedürftig war. Viele Bundesligisten betrieben damals noch nicht einmal eine kontinuierliche Pressearbeit. Im Februar 2012 habe ich die Initiative gegründet und die Facebook-Seite gestartet. Ich fing mit 0 Usern an und mittlerweile sind es über 3.300 Menschen, die eine Notwendigkeit sehen, dass Volleyball mehr Wege in die Medien findet. Vereinzelt haben auch Medien über uns berichtet, z.B. die Stuttgarter Nachrichten oder das Volleyball Magazin, was unsere Bekanntheit natürlich erheblich gesteigert hat.

Ziel der Initiative ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Angefangen hat es mit Tutorials, wie man überhaupt eine Pressemitteilung schreibt, über Postkarten- und Briefaktionen, die sich unmittelbar an die Redaktionen von regionalen und überregionalen Medien richteten, bis hin zur laufenden Programmbeschwerde beim WDR-Rundfunkrat über den „Finaltag der Amateure“, den ich in Anbetracht der Sportvielfalt in Deutschland noch immer für eine kolossale Fehlentscheidung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten halte.

Ob es Teilerfolge gibt, muss jeder Verein, jeder Bundesligist, aber auch jeder Bezirks- und Regionalligist selber reflektieren. Sie sind es, die Verantwortung für die mediale Verbreitung des Sports tragen. Ich verstehe mich nur als Ideengeber. Die Umsetzung muss vor Ort erfolgen. Da darf sich auch kein Verein seiner eigenen Verantwortung entziehen.

JJ: Was ist dein realistischer Wunsch, mehr Fernseh,- mehr Radiozeiten, mehr Zeitungsberichte über Volleyball? Wo und warum klemmt’s?

Daniel R. Schmidt: Mein ganz naiver Wunsch ist natürlich mehr TV- und mehr Radiozeit, aber genauso die Berichterstattung in den regionalen Medien für Vereine unterhalb der Bundesligen. Jeder (positive) Zeitungsartikel über Volleyball, der im Stadtblättchen erscheint, bringt unseren Sport weiter voran. Ich bin da natürlich naiver Visionär und muss mir dabei oft Träumerei vorwerfen lassen.

Wenn ich dann aber gleichzeitig recherchiere, dass genau diese skeptischen Menschen eine mangelnde oder gar keine Pressearbeit in ihren Vereinen ausüben, dann erkenne ich schnell, dass man sich auch gerne auf der bequemen Warte ausruht. Ein Beispiel aus diesem Kontext: Ich verfolge gerne mal die Presseberichte der Zweitligisten auf der Homepage der Volleyball Bundesliga. Wenn ich an dieser Quelle, aus der sich auch Journalisten bedienen, lese, dass sich der Verein XY auf der Heimfahrt von seinem Auswärtsspiel kräftig betrunken hat – garniert mit den entsprechenden „Pressefotos“ dazu, dann frage ich mich allen Ernstes, was solche „Pressebeauftragten“ für Kommunikationsziele erreichen wollen. So etwas mag zwar aus Sicht eines Mitreisenden spaßig gewesen sein, schadet aber der Reputation einer ganzen Spielklasse.

Foto Stefan Bayer_pixelio.de

Foto Stefan Bayer_pixelio.de

Der Volleyballsport muss sich vorwerfen lassen, dass er oft nicht mit der Zeit geht. Weder in der Qualität der Pressearbeit, noch in der Wahl seiner Instrumente. Ein weiteres Beispiel: Wenn ich jährlich die Listen mit Facebookseiten und Twitteraccounts für die Community zur Verfügung stelle, und feststelle, dass noch nicht mal alle Bundes- und Zweitligisten auf beiden Plattformen aktiv sind, manche noch nicht mal auf einer, dann sehe ich hier einfach eine Inaktivität, die nicht mehr zeitgemäß ist.

Das Mediendilemma und das Jammern, dass die Medien zu anderen, professioneller aufgestellten Sportarten abwandern, ist nur die logische Konsequenz aus diesen Defiziten.

JJ: Daniel, wie können Volleyballfans, die sich auch grämen, dass ihr Sport zu selten in den Medien stattfindet, deine/eure Initiative unterstützen?

Daniel R. Schmidt: Unsere Initiative zu unterstützen ist das eine. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Für den Volleyball-Fan ohne Ehrenamt oder Funktion stellen wir Arbeitsmittel, wie z.B. Briefe oder Postkarten zur Verfügung, mit der örtliche Journalisten auf den Volleyballsport aufmerksam gemacht werden können. Zudem läuft auch eine Petition für mehr Vielfalt in der Sportberichterstattung.

Das andere und noch wichtiger ist aber die konkrete Arbeit vor Ort, in den Vereinen. Da muss seitens der Funktionäre eine bessere Medienarbeit betrieben werden. Es fängt alles mit der gut gepflegten Homepage an, geht über einen sinnvoll betriebenen Social-Media-Account bis hin zu regelmäßigen Pressemitteilung.

Die Initiative gibt Tipps und gerne Auskünfte. Entweder über die bekannte Facebookseite, auf welcher Volleyballfans aus Deutschland sehr angeregt diskutieren (Danke dafür!), aber auch mit etwas mehr Tiefe auf der Business-Plattform „Xing“, wo wir die geschlossene Gruppe „Öffentlichkeitsarbeiter Volleyball“ führen, auf der Ressourcen und Fachartikel geteilt werden, die helfen, Schritte zu einer professionelleren Medienarbeit zu gehen.

JJ: Was meinst du, geht es den Basketballfreunden ähnlich?

Daniel R. Schmidt: Ich denke, was den Profibereich angeht, ist uns die Beko BBL (seit 25.7. 2016 easyCredit Basketball Bundesliga) deutlich voraus. Dort wurde schon früh erkannt, dass der Umgang mit den Medien auf eine professionellere Ebene gehoben werden muss. Blickt man allein auf den Strafenkatalog von BBL und VBL und vergleicht beide, wird man schnell feststellen, dass die Beko BBL deutlich strenger agiert und den Maßstab an die Vereine weit nach oben gesetzt hat. Das wünsche ich mir mittelfristig auch bei der VBL.

JJ: Danke, Daniel.

Foto Startseite: Stefan Bayer_pixelio.de

 

Zur Person:

Daniel R. Schmidt, 34 Jahre (Jg: 1982), verfügt über eine kaufmännische sowie eine journalistische Ausbildung, sowie einen Abschluss als PR-Referent. Er arbeitet als Journalist, (technischer) Redakteur und Moderator sowie als Geschäftsführer seines Kommunikationslabels D3Smedia. Neben all dem studiert er Sportbusiness Management an der IST-Hochschule für Management in Düsseldorf.

Erfahrungen im Volleyball:

5 Jahre Hallensprecher VC Wiesbaden (Bundesliga)
Moderationen unter anderem bei Europameisterschaft 2013, etc., siehe http://www.danielschmidt.com/index.php/moderation/off-air-moderation
1 Jahr Live-Kommentator bei sportdeutschland.tv
Seit 2015 Ernennung zum Mitglied des VBL-Komptenzteams Event
Seit 2014 Tutor für das CEV Development Centre Luxembourg (Fachgebiet: Eventisierung und Live-Streaming)
Seit 2016 VBL-Teammangerlizenz

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