Defense? Klar doch!

 

Die 19 Jahre junge und 1.76 Meter große Lucile Peroche spielt Basketball bei den „ChemCats“ Chemnitz in der ersten Damenbasketball Bundesliga. Dieser Tage ist sie bei der U20 Europameisterschaft im Frauen Basketball in Israel nicht nur dabei, sondern mittendrin.

Lucile Peroche; Foto Sascha Reich

Lucile Peroche; Foto Sascha Reich

Unsere Mädels setzen sich vom 8. Juli bis zum 16. Juli in der Gruppe A mit der Slowakei, Griechenland, Tschechien, der Ukraine und Island auseinander. Der Auftakt war nach Maß. Nach dem 61:60 Sieg gegen die Ukraine  gewannen unsere Korbjägerinnen gegen Griechenland mit 67:65.

Lucile stand 17:36 Minuten auf dem Feld, erzielte vier Punkte, griff sich vier Rebounds und einen Steal. Zwischen Ankunft und Tippoff zum ersten Match beantwortete uns die Flügelspielerin schnell mal eben einige Fragen. Es brachte Glück.

 

„Wir sind voll motiviert“

 

JJ: Lucile, erzähle bitte mal ein bisschen von der U20 Europameisterschaft im Frauen Basketball in Israel.

Lucile Peroche: Also, wir sind gestern (ausgehend von dem Tag als Lucile die Antworten schrieb; Anmerkung JJ) angereist und konnten schon viele neue Eindrücke sammeln. Damit meine ich die Kultur, Landschaft und viele andere Dinge, die ganz anders sind als bei uns in Deutschland. Außerdem ist es hier total warm!

Wir freuen uns alle sehr auf die Spiele, sind motiviert und zusammen ein cooles Team. In unserer Gruppe bei der EM haben wir viele schwere Gegner, auf die wir uns Spiel für Spiel konzentrieren werden.

JJ: Wie steht, aus deiner Sicht, der deutsche Frauenbasketball im europäischen Vergleich da?

Lucile: Ich denke, es wird besser. Wir werden sehen wie dieses Jahr die Qualifikation für Damen-EM läuft.

Lucile Peroche, Foto: Steffen Prößdorf

Lucile Peroche, Foto: Steffen Prößdorf

Allgemein kann man sagen, dass viele Ligen, zum Beispiel in Frankreich, Russland und Spanien, im Vergleich besser sind als die in Deutschland. Aber es spielen schon mehrere deutsche Teams europäisch, was ein gutes Zeichen ist.

JJ: Wie ist aus deiner ganz persönlichen Sicht die DBBL Saison 2016/2017 sportlich gelaufen, für dich, für den Verein?

Lucile: Ich persönlich konnte viel Erfahrung sammeln, und das ist immer gut für junge Spieler. Wir hatten wieder ein komplett neues Team und ich konnte von den Profi-Spielerinnen neue Sachen lernen.

Ich bin außerdem sehr froh, dass zwei unserer Spielerinnen für die nächste Saison bleiben! Unser Team hat die Playoffs erreicht, das ist besser als in der vorherigen Saison, also eine positive Entwicklung.

JJ: Erzähle mal bitte ein bisschen über die ChemCats, wie hat es auch menschlich gepasst in der abgelaufenen Saison, wie ist das Umfeld, der Verein, das Trainer- und Betreuerteam, wie sind die Fans, wie lebt es sich in der Stadt mit dem Nischel?

Lucile: Also nach sechs Jahren hier habe ich mich längst eingelebt. Und mir gefällt es sehr gut, einige Menschen haben es mir einfach gemacht, mich hier wohl zu fühlen. Ich finde es außerdem wichtig, dass die Teamchemie stimmt und das war bei uns der Fall.

JJ: Als ich über dich als Basketballerin recherchiert habe, schrieb die eine Quelle „Shooting Guard“, die andere „Flügelspielerin“. Das ist natürlich kein Widerspruch. Meine Frage dennoch, Lucile, wie beschreibst du deine Lieblings- oder Wunschposition? Welche Talente oder Fähigkeiten musst du mitbringen und was prädestiniert dich für diese Position?

Lucile: Das ist gar nicht so einfach zu erklären. Ich würde sagen, ich bin ein Flügel, also Position 2/3.

Lucile Peroche (weißes Trikot); Foto: Steffen Prößdorf

Lucile Peroche (weißes Trikot); Foto: Steffen Prößdorf

Verschiedene Flügelspielerinnen können spezielle Dinge gut, zum Beispiel einen Block oder den Korb attackieren oder Dreier werfen, verteidigen oder das Spiel gut überblicken. Ich bin zum Beispiel ganz gut in der Defense.

JJ: Wie wohl in jeder Ballsportart ziehen die Kinder und Jugendlichen erstmal los und wollen Punkte machen, in deinem Fall Körbe werfen. Irgendwann steht dann eine Trainerin oder ein Trainer da und erzählt was von Verteidigung. Haben die Coaches bei dir offene Türen eingerannt, weil dir das Defense-Gen eh innewohnt oder war viel Überzeugungsarbeit nötig?

Lucile: Das weiß ich nicht mehr so genau, ich habe vor dem ersten Training noch nie wirklich Körbe geworfen. Ich bin also ohne eine genaue Vorstellung in das Training eingestiegen und dadurch hat die Defense eigentlich gleich dazu gehört.

JJ: Aus meiner aktiven Fußballzeit und meinen Basketballzuschauererfahrungen weiß ich, dass es Akteure gibt, die Mannschaftssport als Einzelsport betrachten. Wie viele Egozocker verträgt speziell ein Basketballteam? Oder sollten die besser daheim bleiben?

Lucile: Egozocker sind natürlich nie gerne gesehen, das kann sich bestimmt jeder gut vorstellen. Natürlich gibt es immer mal welche, aber das ist normal.

Oft wollen sie alles alleine machen, aber manchmal können sie auch in schwierigen Situationen ein Spiel gewinnen. Das ist abhängig von der Situation.

JJ: Wann war für dich persönlich ein Spiel ein gutes Spiel, reicht der Sieg, sollte die Taktik aufgegangen sein, der Teamgeist gestimmt haben? Und wann war es ein schönes Spiel?

Lucile: Das hängt ein bisschen zusammen, ein gutes Spiel heißt, ein Spiel mit guten Teambasketball und Zusammenspiel zu gewinnen. Gleichzeitig machen diese Spiele dann auch am meisten Spaß – und wenn es Spaß macht, sind es auch schöne Spiele.

JJ: Lucile, beschreibe mal bitte deine Faszination Basketball, warum spielst du, was macht dir Spaß daran, was macht dir Freude am Zuschauen, was ist das Besondere?

Lucile: Das kann ich gar nicht so richtig sagen, mir gefällt es einfach, im Team zu spielen. Man hat immer jemanden um sich, man ist nie allein. Und dieses Zusammenspiel und diese Sportart macht einfach Spaß zu spielen und zuzuschauen.

JJ: Nenne mal bitte Spielerinnen oder Spieler, denen du gerne zuschaust. (Sind es eher Männer und spielen sie in der NBA?)

Lucile Peroche (links); Foto Steffen Prößdorf

Lucile Peroche (links); Foto Steffen Prößdorf

Lucile: Ich schaue manchmal Bundesliga und Euroleague der Männer, also ich schaue gerne Außenspielern wie Teodosić, de Colo, Westermann und Bogdanović beim Spielen zu.

JJ: So, Lucile, lass uns mal eben träumen. Was ist dein großes sportliches Ziel? Irgendwann. Im Idealfall.

Lucile: Ich möchte mich erst einmal weiter entwickeln und verbessern, Jahr für Jahr. Und dann schau ich mal, wohin es mich führt 🙂

JJ: Vielen Dank, viel Spaß dabei und viel Erfolg.

Foto Startseite: Sascha Reich

Ein Kommentar:

  1. Prima interwiev von beiden Seiten

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