Rollenwechsel

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Katja Uhlig, Foto von ©Topper Komm

Katja Uhlig,
Foto von © Topper Komm

“Ich kam über die Musik zum Theater”, sagt die Schauspielerin Katja Uhlig und beschreibt damit nicht nur die Anfänge ihres beruflichen Weges, sondern auch das Später und das Heute. “Die Musik ist ein starkes Mittel, sie kann viel erzählen”, weiß sie, welche Botschaften sie mit den Emotionen, die uns Stimmen, Klänge und Melodien vermitteln, überbringen kann.

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… vielfältig

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So nimmt es nicht wunder, dass die Berlinerin über kurz oder lang und Umwege unter anderem auf die Musicalbühnen dieses Landes fand. Über dieses Genre redet sie oft und gerne und offensichtlich mit besonderer Leidenschaft. “Musical ist vielfältig!”, betont Katja.

Sie meint damit zum einen die Anforderungen an die Akteure wie Singen, Tanzen, Schauspielen – als auch den Reichtum an unterschiedlichsten Stücken. “Die einzelnen Musicals unterscheiden sich total!”, betont sie und schwärmt beispielsweise von „Die Tagebücher von Adam & Eva“ nach einem Buch von Mark Twain, mit der Musik von Marc Seitz und den Texten von Kevin Schroeder, das nicht über den großen Teich zu uns schwappte und die Weltbühnen eroberte, dafür indes durch eine faszinierende Symbiose von Musik und Text überzeugt.

Wenngleich Katja dieses Kammermusical außer in der Neuen Berliner Scala und am Theater Heilbronn zudem auf einem Kreuzfahrtschiff spielte und damit doch irgendwie auf den großen Teich brachte. “Ein tolles neues Stück”, bekräftigt sie, “es ist gut, wenn wir in Deutschland nicht nur übernehmen!”

Im Vergleich zum Musical sieht die Schauspielerin das Sprechtheater, an dem sie ebenso leidenschaftlich wie oft tätig ist, als “eigenes Genre… andere Arbeit”. “Da kann ich immer andere Charaktere ausprobieren, Grenzen ausloten, den inneren Schweinehund kitzeln”, beschreibt sie ihre ganz persönliche Faszination. Wenn Katja Uhlig nach einem Musicaljob ans Sprechtheater wechselt, sieht sie das, aufgrund teilweise ganz anderer Anforderungen, “wie einen Rollenwechsel, der geschafft werden muss”.

Vorgezeichnet und geradlinig verlief ihr Berufsweg eher nicht. Zuerst war da das Lehramtsstudium. Für das Ziel Schauspiel hielt die 1,64 Frau mit den blauen Augen sich “zu dem Zeitpunkt für zu alt”. Das Leben indes richtete es anders ein. “Wir waren an der Universität Potsdam ein ambitioniertes Team”, erinnert sie sich gerne. Ambitioniert waren außer ihr noch andere Studenten mit dem Ziel Lehrer zudem für die Künste. “Einige von uns spielten Laientheater”, schildert Katja, wie es peu à peu dazu kam, dass sie es “unbedingt probieren musste”.

Katja Uhlig, Foto von ©Topper Komm

Katja Uhlig,
Foto von © Topper Komm

So ging sie “zur Aufnahmeprüfung an die Folkwang Universität der Künste in Essen entspannt”, sah das Ganze “als eine Art Workshoptest” und bekam im Alter von 24 Jahren einen Studienplatz. Nach vielen Erfahrungen inzwischen – vielen gespielten Rollen an verschiedenen Häusern, in unterschiedlichen Genres – sieht die diplomierte Bühnendarstellerin Schauspiel immer noch als “Fass ohne Boden”.

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… auf das, was da noch kommt

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“Ich bin gespannt auf das, was da noch kommt”, ergänzt sie, “an Überraschungen und Herausforderungen, die zu entdecken sind.” In der Vergangenheit erwiesen sich die Rollen, mit denen Katja rechnete – beispielsweise die Eliza Doolittle in “My Fair Lady” – nicht als die, die sie spielte; während sie selbst nicht unbedingt an die Sally Bowles in “Cabaret” dachte, für sie aber besetzt wurde. C’est la vie!

Egal indes, ob diese oder jene Rolle, ob in diesem oder jenem Stück oder Genre, wenn sie eintaucht, dann richtig. “Dann stecke ich voll drin”, beschreibt die Schauspielerin die Situation, “wenn ich beispielsweise die Maria spiele, bin ich die Maria – mit den Mitteln von Katja. Ich kann den Alltag hinter mir lassen… Das kann Fluch und Segen sein.”

Nach- und mitdenken schließt jenes Eintauchen nicht aus. “Da läuft keine Art Autopilot ab, ich mache mir – wie in einer Parallelwelt – technische Gedanken. Oft spiele ich auf anderen, auch auf fremden Bühnen; die sind größer oder kleiner – oder die Schritte klingen anders, ich muss den Ort kennen, schon schauen, wohin ich laufe”, weiß sie, “ich sollte immer wissen, was ich tue, meine Kraft einschätzen können, mich nicht vollends vergessen. Neben mir steht ein Kollege…”

Apropos Kollegen. Die Arbeit mit ihnen empfindet Katja Uhlig als “zusammen erleben”. Und: “Manchmal muss ich eine Situation, eine Stimmung, selbst herstellen. Besser ist jedoch, ich bekomme Futter von den Mitwirkenden, das ist super wichtig. Ohne geht gar nicht. Wir stecken zusammen drin.”

Vielleicht auch deshalb nimmt sie den “Probenprozess als die eigentliche Arbeit” wahr: “Proben heißt mit den Kollegen ausloten, das ist wichtig, oft anstrengend. Vor allem können wir daran gemeinsam wachsen.”

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… fest gemauert in der Erden

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Katja Uhlig, Foto von ©Topper Komm

Katja Uhlig,
Foto von © Topper Komm

Fest gemauert in der Erden ist dann noch lange nichts. Meist bleibt es am Theater oder Musical nicht bei einer Aufführung. Viele weitere folgen – am gleichen Haus oder auf Tournee. “Die Rolle entwickelt sich weiter”, plaudert Katja aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrungen, “manchmal kristallisieren sich erst nach Wochen Rollenentwicklungen heraus oder Spielsituationen werden klarer. Stets feilen wir zudem am Timing. Spielen wir draußen, beeinflussen Sonne, Wind und Regen die Arbeit…”

Weiteren Einfluss auf das Geschehen übt das Publikum aus. “Zwischen einem weniger gefüllten und einem ausverkauften Saal besteht ein großer Unterschied”, beschreibt die vielseitige Künstlerin, “da fließen ganz andere Energien – in und aus beide/n Richtungen. Ideal ist für uns Akteure, wenn die Gäste teilhaben, mitleiden, mit lachen.” Letzteres besonders bei Komödien. “Der Vergleich ist immer da”, sagt Katja Uhlig, “wenn ein Gag zehn Mal klappt und beim elften Mal nicht, suchen wir die Ursache bei uns. Was hat nicht gestimmt… ?”

Gleichwohl weiß die Schauspielerin, dass das Publikum nicht immer dasselbe ist. Sie weiß um Mentalitätsunterschiede der Regionen, um den Einfluss vom Zeitgeist oder die zufällige Mixtur der Menschen, die da im Saal sitzen. “Was ihr wollt” von William Shakespeare benennt sie als Beispiel: “Die in dem Stück vorkommende Kirchenkritik wird territorial sehr verschieden aufgenommen. Hier und da kommt das weniger gut an. Aber das wollen wir: zum mitdenken und reflektieren anregen, wir wollen bewegen!”

Bei all der intensiven Vorbereitung, bei allem in-der-Rolle-sein und aller Leidenschaft dabei – privat ist Katja (beispielsweise in der Bahn) nicht mit Rollenstudium unterwegs, da hält sie es professionell. “Privates nehme ich nicht mit auf die Bühne, die Rolle nicht mit nach Hause”, bestätigt sie. Emotionale Szenen lässt sie im Stück und bei der zu verkörpernden Figur beziehungsweise im Theater. “Wenn solche Gefühlsmomente am Ende der Vorführung angesiedelt sind, gehen sie bis zum ersten oder zweiten Applaus schon mal mit, dann sind sie aber eher schnell raus”, rückt sie die Verhältnisse in ihren Rahmen.

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“… das war Blindflug”

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Außer im Sprechtheater und im Musical fühlt sich die Berlinerin mehr und mehr im Synchronstudio zuhause. “Es macht Spaß”, fasst sie zusammen, “oft wird es knifflig, ich sehe die Person, der ich die Stimme geben soll, und muss mich rein werfen, alles muss passen!” Vorbereitung gibt es in dem Genre wenig.

Katja Uhlig, Foto von ©Topper Komm

Katja Uhlig,
Foto von © Topper Komm

Einmal, als sie synchron singen musste, hatte Katja vorab nicht mal die Noten. “Das war ein Blindflug”, schildert sie die Situation, “hören… merken… singen… für solche Jobs gilt es, auf Zack zu sein.” Und auch in dem Fall lauert wieder der innere Schweinehund, den es auszutricksen gilt: Lieber vorbereitet sein einerseits – sich nicht gut vorbereiten können andererseits. “Da muss ich funktionieren!” ist ihre Lösung.

Im Februar und März zieht Katja Uhlig wieder mit der Shakespeare Company Berlin über die Bühnen – Landsberg, Lohne, Basel. Auch während der Sommerspielzeit mischt sie kräftig mit. Eröffnet wird im Juni mit OTHELLO. “Anfangs wusste ich nicht wirklich, worauf ich mich einlasse”, schaut sie zurück ins Jahr 2018, “ein Kollege hatte mich in einem anderen Stück gesehen und zum Vorsprechen eingeladen. Mittlerweile bin ich in das Ensemble nicht nur gut integriert, sondern verwurzelt, verwoben.”

Egal indes, wie Katja zum Theater, Musical, Synchron sprechen oder speziell zur Shakespeare Company Berlin kam, Hauptsache sie ist da, berührt… taucht ein… füllt aus. Und ist auf Zack, wenn sie die Rollen wechselt.

JJ

Weitere Informationen:  Katjas Webseite

Foto Startseite: © Topper Komm

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