Zweiter Vorname: Abwechslung

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Valeska Réon

Valeska Réon

Die Autorin Valeska Réon ist in vielen literarischen Genres zu Hause – vom Ratgeber über die Autobiografie bis zum Krimi. Lediglich das Kinderbuch fehlt. Noch…

Demnächst findet einer ihrer Romane den Weg in die Kinos, ein anderer auf die Theaterbretter. Zudem schlägt die Dortmunderin eine Brücke zur Musik.

Wie das alles begann, warum sie was, wie und warum schreibt und ob sie dabei auch mal verzweifelt, das erzählt uns Valeska. Hier und jetzt:

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“Und verzweifeln … nee, das ist ein Gefühl, das ich zum Glück nicht kenne”

 

JJ: Valeska, bei mir war es so, dass ich bis zur 9. Klasse überhaupt kein Schreiber war. Dann begeisterte ich aus dem Nichts meine Deutschlehrerin mit zwei Hausaufsätzen derart, dass sie diese einbehielt und in anderen Klassen präsentierte. Ich dachte daraufhin, schreiben zu können und begann, Anekdoten, Kurzgeschichten sowie schmalzige und witzige Gedichte zu verfassen.
War das bei dir auch irgendein Auslöser, war der Drang zu schreiben immer in dir oder fand eher ein Prozess statt?

Valeska Réon: Um der Wahrheit die Ehre zu geben: ich war in der Schule strohdoof in Mathe, sodass ich mich auf das Schulfach Deutsch und dabei ganz besonders das Schreiben von Aufsätzen konzentriert habe. Da das, auch bei meinen Mitschülern, sehr gut ankam, wusste ich schon recht frühzeitig, dass ich einmal Autorin werden wollte. Vorab gab es jedoch noch ein paar andere Baustellen in meinem Leben …

JJ: Ein zweites und letztes Mal gehe ich von mir aus: Der eigentliche Schreibvorgang ist für mich eher Arbeit als Spaß. Die Suche nach dem ersten Satz, zwischendurch eventuelle Recherche, die mich raus bringt… Gleichwohl gerate ich öfter mal in einen Flow und weiß hinterher nicht mehr, woher die Worte und Sätze, meine eigenen Gedanken, kommen.
Der Spaß kommt, wenn ich fertig und einigermaßen zufrieden bin, und noch mehr, wenn mich Rückmeldungen erreichen, die besagen, ich hätte beispielsweise ein Herz erreicht. Wie ist das bei dir, sitzt du mit Freude da und tippst, kennst du den Flow, in dem es von alleine läuft, verzweifelst du manchmal?

Valeska Réon: Das Schreiben ist für mich eine Berufung und erfüllt mein Herz mit großer Freude. Hinzu kommt, dass meine Protagonistinnen alle doch recht arg vom Leben gebeutelt sind – um am Ende gestärkt und als eine andere aus all dem Durcheinander hervorzugehen. Damit ist das Schreiben für mich auch so eine Art Therapie.

Valeska Réon

Valeska Réon

Und verzweifeln … nee, das ist ein Gefühl, das ich zum Glück nicht kenne. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gehe ich mit meinem Hund spazieren oder lektoriere das Buch eines meiner Kunden, und in dieser Zeit bastelt sich mein Unterbewusstsein meistens die Fortsetzung zu meinem aktuellen Projekt.

JJ: Schreibst du einfach nur aus dir heraus und somit irgendwie erstmal nur für dich oder denkst du dabei schon an die Leserinnen und Leser, daran, wie der Text ankommen könnte?

Valeska Réon: Bei mir ist es so, dass ich morgens aufwache und den Plot in groben Zügen bereits im Kopf habe. Da ich weiß, dass meine Leser meine Erzählweise mögen, muss ich mir darüber keine Gedanken machen … beziehungsweise mache ich das natürlich schon, indem ich immer wieder etwas Neues „anrühre“, im dem tolle Figuren vorkommen, ich eine spannende Geschichte erzähle und vor allem eine Auflösung liefere, mit der niemand rechnet.

Oftmals fällt mir kurz vor Fertigstellung auch noch eine andere Auflösung ein, mit der ich selber nicht gerechnet habe. Manchmal überrasche ich mich da selber!

JJ: Und: Willst du mit den Romanen etwas erreichen, verändern, in Gang setzen? Oder einfach Unterhaltung und gut?

Valeska Réon: Mein erster Roman war ja meine Autobiographie, die vielen sehr zu Herzen gegangen ist. Daher weiß ich, dass meine Leser unterhalten werden, aber auch gerne die eine oder andere Botschaft für sich mitnehmen wollen. In all meinen Projekten setze ich mich für die Einzigartigkeit eines jeden Menschen und ein Leben in der eigenen Authentizität ein. Der Hashtag #beyoubetrue begleitet dabei all meine Postings.

JJ: Nochmal ein Und: Willst du mit deinen Ratgeberbüchern unterhalten oder einfach Information und gut?

Valeska Réon: Bei meinen Ratgebern ist mir vor allem die Information wichtig, so wie zuletzt bei meinem Ratgeber „Zuckermanagement“, in dem es um das Thema Insulinresistenz geht. Hier ist es also genau andersherum als bei meinen Romanen: Gründlich recherchiert schreibe ich es in einem lockeren Plauderton, da ich denke, so die Botschaft und das Wissen besser vermitteln zu können.

JJ: Wie erreichen dich Rückmeldungen? Was machen sie mit dir, wie wichtig sind sie dir?

Valeska Réon

Valeska Réon

Valeska Réon: Hauptsächlich schreiben meine Leser mich via Facebook an, doch da ich bei jedem Buch auf ausgedehnte Lesereisen gehe, lerne ich sie dann auch, sozusagen „zwischen Flensburg und München“, persönlich kennen. Das Leuchten in ihren Augen und diese grenzenlose Freude über meine Geschichten und die Wertschätzung meiner Person zeigen mir dabei jedes Mal aufs Neue, dass sich das oftmals sehr einsame Schreiben am Computer wieder einmal gelohnt hat. Anregungen meiner Leser nehme ich immer sehr ernst.

JJ: Mir ist die Vielfalt der Genres, in denen du als Autorin aktiv bist, aufgefallen, Valeska. Ist diese Vielfalt in dir, liebst du die Abwechslung, suchst du die Herausforderung? Bist du demnächst in noch anderen Sparten zuhause?

Valeska Réon: Die ersten Jahre meines Lebens waren sehr sehr düster, vergeudete Zeit. Daher „nehme ich heute alles mit“, was sich mir bietet. Abwechslung könnte glatt mein zweiter Vorname sein, daher auch meine Aktivitäten in verschiedenen Genres. Das letzte, was bislang noch fehlte, hole ich als Nächstes nach: ich sitze gerade an einem Kinderbuch.

Und dann tut sich noch ein neues Feld auf: Zu „Doppelopfer“ habe ich das Lied, das in der Handlung eine wichtige Rolle spielt, tatsächlich zum Leben erweckt. „J’aime tellement“ ist nun als Download auf allen bekannten Musikplattformen erschienen. Und da Frank Duplex, mein Remixer, so begeistert war, sitzen wir bereits an einem kompletten Album, auf dem dann auch die Lieder zu dem Theaterstück sein werden, über das ich unten erzähle.

JJ: Ein Roman von dir („Blu­men für ein Cha­mä­le­on“) wird verfilmt und kommt in die Kinos. „Wie auf Sand“, dein nächster Krimi, soll auf den Theaterbrettern umgesetzt werden. Erzähle bitte ein bisschen darüber. Was bedeutet das für dich?

Valeska Réon: Puh, ja … das ist wie Lottogewinn und Schlussverkauf bei Gucci zusammen. Dass mein Leben auf die Kinoleinwand kommt, finde ich nach wie vor völlig surreal, aber ich freue mich natürlich riesig. In den Hauptrollen werden Katja Riemann als meine Tante Christa, Justus von Dohnányi als mein Vater und Udo Kier als mein Ex-Boss, der Leiter einer Modelagentur zu sehen sein.

Valeska Réon mit Koto Kodama

Valeska Réon mit Koto Kodama

„Wie auf Sand“ wird bereits jetzt, wo ich noch am Buch schreibe, als Theaterstück umgeschrieben. Im Oktober wird es ein öffentliches Casting geben, die Premiere ist für Dezember geplant. Und wenn alles klappt, gehen wir damit anschließend auf eine Deutschland-Tournee.

JJ: Du hast im Duo mit Koto Kodama den Krimi „Doppelopfer“ geschrieben. Wie funktioniert das organisatorisch oder logistisch, wer macht was?

Valeska Réon: Ja, der Koto … er ist mein bester Freund geworden. Wir haben uns auf Facebook kennengelernt, und ganz schnell wussten wir, dass wir ein Buch zusammen schreiben wollten. Das funktioniert natürlich nur, wenn man sich supergut versteht und … na ja, er ist der erste Mensch, dem ich mein Leben anvertrauen würde.

Im Schreibprozess sind wir dann so vorgegangen: Er hat die Stellen mit den männlichen Hauptdarstellern geschrieben, ich die mit den weiblichen, und dann haben wir es mit sehr viel Liebe zusammengefügt und mit einer ordentlichen Prise Spannung nachgewürzt.

Kotos eigenes Buch „Ruhig, Brauner!“, das auf seinem Theaterstück „Dinner with Hitler“ basiert, ist gerade erschienen. Auch er schreibt in mehreren Genres, und ich verrate Dir ein Geheimnis: mein Herz erweicht man am schnellsten mit Genialität.

Natürlich brüten wir schon an einem neuen gemeinsamen Roman; ein Suspense Noir Thriller, der, so viel darf ich bereits verraten, in Los Angeles in der Glitzerwelt von Hollywood spielen wird – wo aber längst alles nicht so glitzernd und tutti ist, wie man uns immer glauben machen will.

JJ: Valeska, du hast einige Zeit als Model gearbeitet. Aus Gesprächen mit männlichen wie weiblichen Models weiß ich, dass es nicht nur um Äußerlichkeiten geht. Welche Erfahrungen hast du gemacht? Und: Was ist Schönheit für dich?

Valeska Réon: Ich habe diesen Job von 1985 bis 1989 gemacht, damals war der Druck noch nicht so groß wie heute. Size zero war noch nicht „erfunden“, wir mussten damals eher sexy denn anorexisch aussehen.

Valeska Réon

Valeska Réon

Schönheit ist eine tolle Sache, wobei ich mich gar nicht unbedingt „schön“ finde. Viel eher denke ich, wenn man mit sich selber im Reinen ist, strahlt man das auch nach außen hin aus. Und wenn die Seele hässlich ist … nun, solche Menschen werden bei genauerem Hinsehen niemals als schön herüberkommen.

JJ: Danke.

Valeska Réon: Ich danke Dir, lieber Jörg, für Deine Einladung zum Interview!

 

Weitere Informationen: Webseite von Valeska

Ein Kommentar:

  1. Hast du super gemacht, bin stolz auf dich. Drücke dich ganz doll.

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