Von Comedy bis Drama

 

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Im Gespräch mit mir lacht die Schauspielerin Claudia Dilay Hauf oft. Ebenso oft denkt sie über die passgenaue Antwort nach. Sie zeigt im täglichen Leben das von der türkischen Mutter geerbte Temperament genauso wie die sprichwörtliche Gelassenheit vom schwäbischen Vater. Im Beruf ist die 1,65 Meter Frau mit den grün-braunen Augen im Comedy-Genre unterwegs bis hin zum Drama.

Den Eindruck, dass sie zwischen all den Gegensätzen schwankt oder gar umherirrt, vermittelt Claudia indes nicht. Vielmehr vereint sie aus ihrer inneren Mitte heraus die vermeintlichen Extreme in sich. Um das zu können, hat die in Stuttgart geborene mittlerweile Essenerin ihren Talenten eine fundierte Ausbildung hinzugefügt. Und sie liest gerne. Bücher über Psychologie beispielsweise.

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“Ein Geschenk”

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Chronologisch gestaltete sich der Weg zur Schauspielerin so, dass Claudia zunächst (nach Anregung durch die Eltern) als Kind Ballettunterricht nahm. “Später sang ich in einer Band”, erzählt sie weiter, “und am Gymnasium war ich an der Theater-AG aktiv”. Alle drei Freizeitbeschäftigungen nahm sie “mit Leidenschaft” wahr.

Als es “Richtung Abitur” ging, stellte sich die junge Frau die Frage: “Was kann ich arbeiten?” Und kam zur Antwort: “Etwas künstlerisches!” Gevatter Zufall sprang ihr in Gestalt der Abizeitung zur Seite: “Da stand etwas von einer neuen Studienrichtung an der Folkwang-Hochschule: Musical. Das Handwerk für alle drei Leidenschaften – Singen, Tanzen, Schauspielen – in einem Studiengang. Ein Geschenk!”

Dass dort, wie an Schauspielschulen üblich, für den Außenstehenden seltsam erscheinende Übungen abverlangt werden, wunderte oder störte Claudia nicht. “Besonders im Fach Sprecherziehung passiert das”, bestätigt sie, “mit um die 20 waren wir auch in einem verkicherten Alter. Je öfter wir das machten, um so ernster konnten wir das Ganze nehmen, ließen uns voll darauf ein. Die merkwürdigen Übungen waren nicht nur förderlich, sondern sorgten auch immer für gute Stimmung ;-)”

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“… einen kurzen Moment Ruhe”

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Mittlerweile hat die erfahrene Schauspielerin, Sprecherin und Sängerin zahlreiche Engagements absolviert. Beispielsweise am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Aalto Theater Essen, am Deutschen Nationaltheater Weimar oder Capitol Theater in Düsseldorf.

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Im Fernsehen mischte sie unter anderem in der RTL-Serie “Alles was zählt”, der ARD-Serie “Rote Rosen” oder bei “Unter uns”/RTL mit. Zudem in vielen Comedyformaten.

Schreitet sie zur Tat beziehungsweise schlüpft in eine Rolle, zum Beispiel auf oder noch hinter der Bühne, nimmt sie sich gerne “einen kurzen Moment Ruhe” für sich. “Ich gehe in mich, verinnerliche die Situation”, erklärt sie, “ich bin dann nicht jemand anders, verabschiede mich nicht zu sehr von mir. Vielmehr schöpfe ich aus Teilen von mir, nutze die eine oder andere eigene Facette.” Claudia nimmt die jeweilige Situation an – Bühnenbild, Kostüm, die Angebote der Schauspielkollegen. “Die helfen natürlich, je authentischer das Spiel des Gegenüber, um so leichter fällt es zu reagieren”, befindet sie.

“Je öfter ich ein Stück gespielt habe, um so mehr geht die Aufregung in Spielfreude über”, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Gleichwohl empfindet sie jene Anspannung als positiv: “Etwas Aufregung darf gerne sein!”

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“Mir tat während des Drehs manchmal meine Spiel-Tochter leid”

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Als Claudia Dilay Hauf in “Unter uns” die Rolle der Carmen Pötter spielte, gab es (naturgemäß) mehrere Szenen mit der Serientochter Kimberley, verkörpert von Maja Lehrer. Claudia musste oft die Betrunkene darstellen. “Das war deshalb anspruchsvoll, weil man da schnell mal überziehen kann. Dann wäre die Authentizität dahin gewesen”, erinnert sie sich. “Ich spielte eine Figur, mit der ich mich kaum identifizieren konnte. Vielmehr tat mir während des Drehs manchmal meine Spiel-Tochter leid. Wir haben uns als Kolleginnen gut zugespielt, haben nach wie vor ein prima Verhältnis…”

“Um den Bösewicht darzustellen, muss ich nicht das Sein als Mörderin beispielsweise erlebt haben”, erklärt sie weiter, “ich kann Gefühle aus anderen Situationen nutzen, in den anderen Zusammenhang übertragen. Wut… Ärger… das Gefühl von Ungerechtigkeit…”

Gut möglich, dass der Schauspielerin dabei ihr Spaß an der Lektüre psychologischer Bücher zupass kommt. “Mir gibt das sehr viel Hintergrundwissen – auch für Rollen”, schätzt sie ein, “warum ist dieser Mensch so, fehlte zum Beispiel die Aufmerksamkeit der Eltern?” Durch das Finden dieser Antworten versteht sie ihre Rollen besser. Und befindet: “Das ist eine spannende Arbeit!”

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“Vergessen, dass es gespielt ist”

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Aus Claudias Sicht gehört zum Berufsbild der Schauspielerin außer jenem Verstehen der Figur unbedingt auch der akzentuierte, treffende Einsatz der Stimme. “Die Texte müssen authentisch ankommen”, weiß sie, “ich muss präsent sein. Wenn die Zuschauer/innen vergessen, dass es gespielt ist, wenn sie nicht das Gefühl haben, einen Film zu sehen, wenn sie inmitten der Situation sind, dann haben wir Schauspieler einen herausragenden Job abgeliefert!”

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Und einmal im Flow, fügt die engagierte Frau hinzu: “Es geht um’s Berühren durch das Spiel, in welcher Form auch immer – traurig machen, mitreißen, mitfiebern lassen, zum Lachen bringen… Wenn dann noch die Dialoge im Drehbuch stimmen, die Schauspieler authentisch sind, dann haben wir vieles richtig gemacht.”

Derzeit zelebrieren das Claudia Dilay Hauf und ihre Kolleginnen und Kollegen am Renitenztheater Stuttgart in “Wohin mit Stuttgart”. “Es geht um einen fiktiven Kometeneinschlag”, gibt sie einen kurzen Abriss der Geschichte, “ein lustiger Abend mit vielen Publikumsreaktionen. Unterhaltsam und mit Spaß.”

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“Es geht um Bruchteile von Sekunden”

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Apropos Spaß, apropos Zuschauer zum Lachen bringen. Viele Protagonisten sehen darin die Königsdisziplin, halten es für schwieriger als die Leute traurig zu machen. Michael Kessler beispielsweise sagte dazu in einem Interview (Pfalz-Echo): „Einen Saal zum Lachen zu bringen, ist viel schwerer, als ihn zum Weinen zu bringen“. Claudia stimmt zu: “Eine Pointe ist sehr sensibel und empfindlich. Es geht um Bruchteile von Sekunden. Ich als Schauspielerin muss mich auf die Proben verlassen, auf die Regie, auf die Mitspieler… und das eigene Gefühl. Aber ob die Pointen dann letztendlich so funktionieren, zeigt sich erst in der Vorstellung mit Publikum. Das ist spannend!”

Zudem sei die Geschwindigkeit des Sprechens essentiell, erklärt sie weiter: “Die vielfach im Probenprozess wiederholten Texte mit teils komplexen Zusammenhängen, die für mich als Schaupielerin klar sind, sind für das Publikum neues Input und dürfen nicht zu schnell erzählt werden, sonst steigt der Zuschauer aus und Pointen gehen unter.”

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Claudia Dilay Hauf; CDH Photography (© All rights reserved)

Vielleicht auch deshalb antwortet sie auf die Frage nach der Traumrolle zunächst wie aus der Konfettikanone geschossen: “Comedy… Sketchcomedy… die verschiedensten Charaktere… Verwandlungen… ziemlich jeden Quatsch.” Ganz die vielseitige, neugierige, gespannte Claudia fügt sie dann ebenso begeistert an: “Gerne die taffe, humorgespickte Kommissarin. Mit Herz. Action. Das Biest. Die böse Antagonistin, auch wenn das nichts mit mir zu tun hat. Von Comedy bis Drama.”

JJ

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Weitere Informationen: Webseite von Claudia oder Claudias Profil auf der Webseite ihrer Agentur

Foto Startseite: CDH Photography (© All rights reserved)

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