Vom Loslassen und sich einlassen

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Mit Jenni Kurz durfte ich vor einigen Jahren schon ein Interview führen. Da der Kontakt, wenn auch sehr lose, sehr selten und eher durch Zufälle, bestehen blieb, schnappte ich auf, dass sie inzwischen ihr Unternehmen “Schöpfnudel/Kreativität, Bewegung & Tanz” gründete. Die ersten Workshops sind absolviert.

Ich persönlich finde diese Phasen, in denen Dinge beginnen; in denen noch in der Schwebe ist, wohin genau der Weg führt, besonders spannend, und wurde neugierig.

Jenni in Aktion

Jenni in Aktion

Jenni hat inzwischen eine Ausbildung zur Tanz- und Bewegungspädagogin absolviert und bezeichnet diese Entwicklung als “nicht von ungefähr”. Als Mädchen hat sie schon sehr gerne getanzt und sich kreativ ausgetobt, sei es mit Malstiften, Basteln, Bewegungsspielen oder Musik.

“Aufgrund einer persönlichen Krise war ich gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzten. Ich begann also mit der persönlichen Weiterentwicklung”, schaut die junge Frau zurück, “das wiederum führte und führt mich bis heute zu meinen Urwurzeln, dazu, wer ich eigentlich bin, was mich tatsächlich ausmacht und glücklich macht.”

Jenni erzählt weiter: “Außerdem habe ich immer wieder für mich gemerkt, dass ich meine Gefühle und inneren Empfindungen am besten durch Bewegung und Tanz zum Ausdruck bringen kann. Wenn diese Blockaden sich über Bewegung (Motion=Emotion) auflösen, tritt die ursprüngliche Form von Leichtigkeit und Lebendigkeit ein. Genau das möchte ich anderen weitergeben und sie zu diesem Gefühl begleiten. Oft findet man für das, was einen bewegt, nicht die passenden Worte. Wie soll das dann verarbeitet werden? Über den Körper!”

Dazu befragte ich Jenni:

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“Und da komme ich als Tanzpädagogin ins Spiel”

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JJ: Jenni, es ist Ewigkeiten her, deshalb erinnere ich mich nur dunkel, als die Lehrer im Unterricht mit uns Jugendlichen über den Sinn des Lebens sprachen. Eine eindeutige Antwort (für mich) weiß ich bis heute nicht. Frage an dich: Worin besteht die Kunst des Lebens (für dich)?

Jenni Kurz: Die Kunst des Lebens besteht für mich darin, aus jeder Lebenslage eine neue erschaffen zu können, nicht stehen zu bleiben, offen für Neues zu sein, aus seinen alten Gewohnheiten auszubrechen, Mut zu haben Risiken einzugehen, loszulassen und zu verstehen, dass alles, was passiert, für dich und nicht gegen dich ist. Das Leben ist immer nur für dich und du kannst es gestalten, wie du es möchtest.

Jenni, Foto: Tom & Ute Fotografie

Jenni, Foto: Tom & Ute Fotografie

Das ist jedoch nicht leicht zu verstehen, wenn man sich gewisse Lebensmuster angeeignet hat. Doch jedes Muster – oder ich nenne es auch gerne „App“ oder „Training“ – kann man umprogrammieren. Die Kunst des Lebens ist, zu erkennen, welche Freiheit man hat und was man alles verändern kann, wenn man will und daran glaubt.

JJ: Ich denke, dass wir, wenn wir die Dinge pessimistisch angehen, in jeder Phase der Menschheitsgeschichte düstere Wolken über uns sahen. Aktuell wieder Kriege, Terror, Armut. Nicht nur außerhalb des Landes. Zudem hat jeder einzelne Mensch seine kleinen und großen Alltagspobleme. Denkst du, dass uns mehr Lebensfreude und Leichtigkeit helfen, optimistisch durchs Leben zu gehen?

Jenni: Ja, sie helfen uns, wenn wir dies zulassen und erlauben, es zu leben. Lebensfreude und Leichtigkeit kann man nicht einfach in einem Supermarkt, Seminar oder Kurs einkaufen, jedoch wieder erleben und wir können uns daran erinnern, dass es in uns ist 😊. Es ist eine bewusste Entscheidung, ob wir Lebensfreude in unser aktuell vielleicht nicht so angenehmes Thema oder in die Lebenssituation lassen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass wir nicht ANGST, WUT und HASS sind. Meiner Meinung nach geschehen Kriege, Terror und so weiter daraus, wie unser Inneres ausgelegt ist. Wenn ich jemand mit Wut, Hass begegne, was bekomme ich zurück? Es ist wichtig zu erkennen, wer wir im Ursprung eigentlich sind.

Wir sind alle LIEBE und die meisten Menschen vergessen es, weil sie nur noch aus ihrem Ego heraus handeln, aus Verletzungen, aus Angst, nicht gut genug zu sein, nicht anerkannt zu werden. Erkennen wir in uns aber auch den Weg der Liebe, finden wir definitiv mehr Lebensfreude, Lebendigkeit und Leichtigkeit.

In meinen Workshops, ob in Gruppen- oder Einzelarbeit, versuche ich, die Menschen in ihre ursprüngliche Kraft, Sicherheit, Vertrauen zu bringen. Wenn die Teilnehmer sich darauf einlassen, sieht und spürt man, wie die „Blume“ wieder aufgeht. Ein wunderschöner Moment für mich und auch für den Teilnehmer.

Jenni, Tom & Ute Fotografie

Jenni, Tom & Ute Fotografie

Und auch da gilt: Ich treffe die Wahl: Möchte ich mich dafür öffnen, für mein Inneres oder nicht? Wenn Menschen sich zu meinem Workshop angemeldet haben, haben sie bereits die Entscheidung getroffen, sich auf etwas Neues einzulassen und zu erleben.

JJ: Was verstehst du unter “wahrer Natürlichkeit” und unter “Selbstwertgefühl”, Jenni?

Jenni: Wahre Natürlichkeit ist für mich die Echtheit, ohne sich verstellen zu müssen oder eine Maske aufzusetzen, die Ganzheit der Person, so wie sie in Natur erschaffen wurde, aus der Liebe und mit Liebe heraus. Ziehe alle Gewohnheiten, Verletzungen, Ängste und Verurteilungen aus den letzten Jahren von dem, mit dem du dich identifizierst, ab, was findest du dann in dir?

Pures Sein, dein wahres Selbst, uneingeschränkt, ohne Zweifel, Unsicherheiten, Bewertungen, Ängste – einfach ganz dich selbst.

Das Gefühl für sein Selbst, für seinen Wert zu finden, ist für viele oft sehr schwierig, weil wir ja dann alle Zwiebelschichten erkennen und ablegen müssten, die wir uns aus Schutz automatisiert oder wie wir es gelernt haben, angelegt haben und das tut weh, führt aber letztendlich zu deinem authentischen ICH. Warum kann ich darüber so sprechen?

Weil ich es selbst erlebe und mich bewusst für diesen Weg entschieden habe. Und das Leben hat mich darauf aufmerksam gemacht.

JJ: Und was meinst du mit “Körperwahrnehmung”?

Jenni: Nimmst du deinen Körper tatsächlich bewusst wahr? Wie ist die Empfindung, wenn du vor einer schweren Entscheidung stehst oder wie ist die Empfindung, wenn alles zu viel für dich ist. Wie reagiert der Körper darauf? Was passiert in deinem Körper? Welche Signale sendet uns der Körper, bevor wir mit einer „Krankheit“ überrascht werden?

Die Krankheit kommt nicht überraschend. Vorher gibt es zahlreiche Symptome, die der Körper permanent sendet. Und wenn wir diese ignorieren und nicht ernst genug nehmen, keinen Wert darauf legen, dann kommt die „Überraschung“.

Der Körper kommuniziert immer mit uns und wir können lernen, darauf zu hören und zu verstehen, was unser Instrument uns sagen möchte, wenn wir Achtsamkeit mit uns erlernen. Das ist die bewusste Körperwahrnehmung.

JJ: Du nutzt auf deiner Webseite den Begriff “Schöpfer in dir”. Wer oder was ist der Schöpfer in uns?

Jenni Kurz, Tom&Ute Fotografie

Jenni Kurz, Tom&Ute Fotografie

 

Jenni: Schöpfer, schöpfen heißt: gestalten, entdecken, kreieren, erschaffen. Bedeutet, das jeder in der Lage ist, sein Leben selbst zu gestalten und nicht darauf zu hoffen oder zu warten, bis das Leben einen „beschenkt“.

Das Leben beschenkt dich, wenn du weißt, was du willst und was du aus deinem Leben machen möchtest. Alle Gedanken, seien es gute oder schlechte, nimmt das Leben auf. Es kann nicht über gut oder schlecht unterscheiden, es sendet dir eben nur das, worauf du deinen Fokus legst.

Diese Urkraft oder Schöpferkraft trägt jeder in sich, nur haben wir sie vergessen oder sind in unserem Opfer-Dasein gefangen, oft ist es auch die leichteste und gemütlichste Version, aber nicht die gesündeste und glücklichste! Durch Bewegung, Tanz und Körperarbeit werden Blockaden aufgelöst. Darunter kommt wieder deine wahre Stärke/Energie/Kraft zum Vorschein und plötzlich wird alles klarer für das, was du wirklich möchtest.

JJ: In den ersten Fragen habe ich Dinge angesprochen, die du in deinen verschiedenen Workshops angehst. Zunächst: Wie entstand die Idee für dein Unternehmen “Schöpfnudel/Kreativität, Bewegung & Tanz”?

Jenni: Die Idee entstand erstens aus der persönlichen Weiterentwicklung. Dadurch, dass ich die Zwiebelschichten nach und nach ablegte, merkte ich, was mir wirklich gut tut, wer ich eigentlich bin und was ich tun kann.

So entstand der Wunsch nach der Ausbildung zur Tanz- und Bewegungspädagogin. Ziel war, dass ich mehr mit Menschen arbeiten möchte und das, was ich bereits zum Ausdruck meiner Seele verwende, nämlich Tanz, Bewegung, Improvisation über den Körper, anderen näher zu bringen und sie darin zu begleiten, sich neu zu entdecken.

Ich veränderte die Sichtweise und entschied mich für die Schöpferrolle, statt Opferrolle und stellte fest, es funktioniert. Ich musste mich dafür öffnen, mich meiner Angst stellen und neue Wege gehen und merkte, ich habe alles in der Hand und kann es so gestalten, wie ich es möchte und vor allem so, dass es mich glücklich macht.

Vorher war ich viel im Außen orientiert. Wie kommt es bei anderen an, was denken, sagen andere über mich, wie kann ich andere glücklich machen? Ich habe viel mehr auf die Meinung anderer Wert gelegt, als auf meine eigene. Das Leben hat mich „überrascht“. Durch das Dunkle erkannte ich wieder mein eigenes und wahres Licht.

Die Kreativität, der Schöpfungs- oder Erschaffungsprozess und auch meine offene, verspielte und verrückte Art gehören einfach zu mir. Daraus entstand Schöpfnudel.

JJ: Bietest du inhaltlich verschiedene “Workschöpfs” (wie du es nennst) an, also Tanz extra, Kreativität extra – oder wie darf ich mir das organisatorisch vorstellen?

Jenni: Das Ziel jeden Workshops „Erlebe dich neu“, „Finde zu deiner Kreativität, Schöpferkraft“, „Finde zu dir selbst“ und so weiter ist immer gleich: seine authentische Lebensfreude, Lebendigkeit und Leichtigkeit zu erleben. Für jeden Workshop setzte ich verschiedene Elemente aus Tanz, Bewegung, Kreativität, Körperarbeit ein, kombiniere und folge oft meiner Intuition, da sich in der persönlichen Arbeit oft andere Impulse ergeben.

Jenni Kurz, Tom&Ute Fotografie

Jenni Kurz,
Tom&Ute Fotografie

Diese greife ich auf und schaffe eine gemeinsame Basis zwischen Teilnehmer und mir. Es ist ein Geschenk, wenn der Teilnehmer sich öffnet – und dieses Geschenk gebe ich zurück, indem ich es wahrnehme und aufgreife. Genau das führt zu einem erfolgreichen, zufriedenen, inspirierenden Workshop für beide Seiten.

JJ: Bietest du Workshops für Einzelpersonen an oder in der Gruppe?

Jenni: Beides. Es wird sich in Zukunft zeigen, wohin es sich entwickelt.

JJ: Wie induviduell gehst du dabei vor?

Jenni: Ich habe zwar meine Strukturen, lasse aber sehr gerne den Raum für Neues entstehen, wenn der Teilnehmer sich auch dafür öffnet. Es gibt Teilnehmer, die mehr Strukturen brauchen. Bei ihnen versuche ich in den Workshops die Strukturen wahrzunehmen und nach und nach abzulegen, da es dann nicht möglich ist, sich für sich selbst und seinem Umfeld zu öffnen. Das Zusammenspiel aus Struktur und Loslassen lernen, führt zu einer bewussten Wahrnehmung zu sich selbst und zu berührenden Momenten.

JJ: Wie gehen die Menschen im Idealfall in deinen Workshop (ich meine sowas wie offen statt festgelegt), wie gehen sie im Idealfall heraus?

Jenni: Die Teilnehmer meiner ersten Workshops kamen neugierig und offen, hatten aber natürlich ihre Gewohnheiten dabei und das ist völlig okay so. Manche Gewohnheiten werden durch neue Bewegungsformen abgelegt. Inspiriert, mit guten Gefühlen, freudig gingen sie aus dem Workshop heraus. Im Idealfall wirkt der Workshop bei den Teilnehmern nach, sodass sie diese Impulse in ihren Alltag für sich integrieren.

JJ: Jenni, so wie ich dich vor Jahren während eines Interviews kennenlernte und auch jetzt wieder, zum Beispiel nach Recherche auf deiner Webseite, habe ich das Gefühl, dass du nicht nur sehr engagiert und leidenschaftlich bei der Sache bist, sondern gleichwohl äußerst bodenständig, realistisch und natürlich. Bei anderen Menschen, die eine Art Lebenshilfe bieten, geht aus meiner Sicht oft ein esoterischer Beigeschmack nebenher. Fühle ich das richtig?

Jenni Kurz; Tom & Ute Fotografie

Jenni Kurz;
Tom & Ute Fotografie

Jenni: Schön, dass du das so wahrnimmst. Ich denke, je authentischer man ist, je mehr man sich mit seinem SELBST verbindet und weiß, wer man wirklich ist, genau das strahlt man auch nach Außen aus. Jeder hat seine eigene Art und Weise, die er lebt und weitergibt. Jeder ist anders und einzigartig und es ist toll, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, welche Lebensbegleitung oder Hilfe er/sie für sich wählt, um eine weitere Erfahrung auf seiner Lebensreise machen zu dürfen.

JJ: Danke.

Jenni: Ich danke dir für deine durchdachten Fragen, deine Zeit, deine Mühe und dass du dich dafür entschieden hast, ein weiteres Interview, diesmal mit Schöpfnudel, zu machen. 😊

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Weitere Informationen: Webseite von Jenni, Jenni auf instagram, Jenni auf facebook

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Foto Startseite: https://www.tom-ute-fotografie.com/

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Feedback, das Jenni nach ihren ersten Workshops bekam:

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“Ich habe einfach mal losgelassen und das war sehr schön. Man nimmt sehr viel mit, auch durchs Beobachten.”

“Interessante Impulse, viel Spaß, nette Kursleitung und Teilnehmer, gerne wieder.”

“Du bist ein toller inspirierender Mensch und hast eine irre Ruhe in dir, die mich ansteckt.”

“Danke für deine offene und liebevolle Art.”

“Danke für deine kreativen erfrischenden Ideen und deine lebensfrohe und lebendige Art! So macht Tanzen Spaß.”

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