Spannend

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Für Tobias Herrmann waren – in seiner Kindheit und Jugend – die “Freilichtspiele Schwäbisch Hall” Normalität. Er lebte in der Stadt und die mehr als 500 Jahre alte Freitreppe vor der Kirche St. Michael (fungiert als Bühne) und der historische Haller Marktplatz (der Zuschauerraum) waren für ihn Orte des Alltags.

 

klein angefangen

 

“Erst viel später”, verrät er, “erfuhr ich, dass unsere Freilichtspiele eine Institution sind. Weltweit.” Der Schüler Tobias wollte an seine Theater-AG Aktivitäten anknüpfen, übernahm als zirka 15jähriger Komparsenjobs, die irgendwann in kleinere bezahlte Rollen wechselten, etablierte sich da. “So verbrachte ich meine Sommer”, erinnert sich der mittlerweile Schauspieler sehr gerne, “ich habe klein angefangen und lernte professionelle Theaterluft zu schnuppern.”

Tobias Herrmann, Foto Grit Siwonia

Tobias Herrmann,
Foto Grit Siwonia

Die Faszination, in die verschiedensten Rollen und Charaktere zu schlüpfen, empfindet der Berufs-Neugierige als “Spaß und Arbeit” beziehungsweise “Spaß an der Arbeit” gleichwohl. “Ich stelle eine fremde Person dar und bleibe doch ich selbst”, umreißt er den Spagat und ergänzt: “Indem ich Menschen nachempfinde, gewinne ich Erkenntnisse über mich. Die Figuren, die ich spiele, sind real, sie existieren – in dieser Welt! Wenn das dann vom Publikum als wahrhaftig empfunden wird, ist die Faszination komplett.”

Während der entscheidenden Momente vor der Kamera, zwischen dem “und bitte” und dem “danke” des Regisseurs, findet in der Wahrnehmung des mittlerweile Berliners, der im Ländle aufwuchs und in Hamburg, wo er sich irgendwie nach wie vor auch heimisch fühlt, studierte, “alles zusammen”. Nicht nur sich selbst als handelnde Person, die wir später im Film sehen, sieht er im Fokus und entscheidend, sondern “das ganze Team, wirklich alle: Ton, Licht, diejenigen, die davor aktiv waren, wie die Maske… alle. JETZT muss es auf allen Ebenen funktionieren. Jetzt sind die wachsten Momente!”

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spannende Momente

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Die Einstimmung auf die Rolle fängt bei ihm natürlich vorm “und bitte” an. “Ich bin vorbereitet, eingesprochen, oft über die Maske eingestimmt”, gibt Tobias mit seiner ruhigen, klaren Stimme einen Einblick, “und nach dem Zeichen des Regisseurs oder dem Stichwort lasse ich es nur noch laufen.”

“Wo hört die eigene Persönlichkeit auf, wo fängt die Figur an?” Diese Frage treibt das Energiebündel dabei zuweilen um. Und er als Schauspieler stellt sich “einem höheren Etwas, dem Text, der Rolle, zur Verfügung”.

Wenn er währenddessen nicht weiß, was genau von den Kolleginnen und Kollegen kommt, wenn es “durchlässig und unmittelbar” wird, dann “wird aus dem Drehbuch Leben, dann kann Magisches entstehen”. So die Erfahrung des Mannes mit der stattlichen Größe von 1,89 Metern. “Schauspiel ist Teamarbeit, die Spielpartner sind das A und das O”, weiß er.

Tobias Herrmann, Foto Grit Siwonia

Tobias Herrmann,
Foto Grit Siwonia

Fällt in jenen Augenblicken vor laufender Kamera mal jemand ungeplant aus der Rolle, sei es durch einen Texthänger oder eine kreative und nicht verabredete Improvisationseinlage, dann erlebt Tobias Herrmann “erstmal einen Stressmoment”. Er sieht sich “gefordert” und muss deshalb “hellwach” sein. “Ich muss in der Rolle bleiben, als die Figur reagieren”, sagt er, “meine Reaktion und natürlich die vorangegangene Improvisation muss der Handlung dienen. Dabei vertraue ich auf die Regie. Das funktioniert oft und sorgt für spannende Momente!”

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gemeinsame Momente

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Auf den Theaterbrettern spielt aus der Sicht des Künstlers, der am Hamburger Schauspielstudio studiert hat, “die Energie im Raum eine Rolle”. Die agierenden auf – und die zuschauenden Menschen jenseits – der Bühne teilen ein gemeinsames Erlebnis und Erfahrungen. Das spürt er deutlich. Und wieder nennt er das Wort, das Gefühl, das sich durch sein gesamtes Berufsleben zieht und das er immer wieder nutzt: “Spannung”. Oder: “spannend”.

Über die pure Perfomance hinaus möchte der Schauspieler “etwas bewirken, nicht nur unterhalten”, er will mit den Kolleginnen und Kollegen, den Zuschauerinnen und Zuschauern “gemeinsam wachsen, lernen” und dabei “eine schöne Zeit” haben.

Auch durch sein Germanistikstudium (Schwerpunkt: Theater/Medien)an der Universität Hamburg weiß der sich selbst reflektierende Akteur, dass Kunst und Kultur in der Geschichte tief verwurzelt sind. Schon ewig bieten sich Menschen auf irgendwelchen Bühnen Geschichten an, unterhalten, hinterfragen und entwickeln sich und erkennen in der Darbietung Teile ihres eigenen Lebens. “Früher waren das Arenen”, blickt Tobias zurück. Heute sind es Theater, Kinos, der Fernseher, der Laptop…

Tobias Herrmann, Foto Grit Siwonia

Tobias Herrmann,
Foto Grit Siwonia

Bislang wurde er vorrangig im dramatischen Genre besetzt, wohl auch auf Grund seiner Größe und Präsenz gerne als Polizist, Soldat, Geschäftsmann, der Held… Gleichwohl hat der vielseitige 38jährige seit eineinhalb Jahren die Komödie für sich entdeckt. “Ein bisschen tollpatschig und trottelig den tragischen Helden geben…”, kann er sich sehr gut vorstellen. Oder: “Den Sohn eines Mafiabosses, der das Unternehmen erbt und übernehmen soll, der aber eher für das Gute einsteht und nun das Böse vertreten muss. Das macht es spannend zu spielen.”

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immer Neues

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In einer eigens konzipierten und produzierten Webserie setzt Tobias Herrmann derzeit seine eigenen Ideen in Schwäbisch Hall um. Natürlich spielt er dabei selbst. “Es wird eine Krimikomödie”, verrät er.

Noch nicht auf der Bühne stand der Schauspieler bislang für einen der ganz großen Klassiker – Goethe, Schiller, Lessing, Shakespeare… Vorstellen kann er es sich gut. “Mein Favorit wäre ‘Der Elefantenmensch’ von Bernard Pomerance”, schwärmt er, “oder auch ‘Peer Gynt’ von Henrik Ibsen.”

Egal indes, ob er in Zukunft die Klassiker gibt, den tragischen Helden, den Kommissar, den Sohn vom Mafioso, er will und wird Menschen begegnen, sich immer auf Neues einstellen. Er will gemeinsam mit den Zuschauern in eine andere Welt eintauchen, dafür sorgen, dass die sich in der Geschichte wieder erkennen. Und er erlebt das alles “wie ein Abenteuer”.

An einem dieser vielen berufsbedingten Abenteuer, die ihn so neugierig bleiben lassen, ist Tobias Herrmann mit dem Kino-Projekt “Aisha” beteiligt. Schon fest steht zudem, dass im Februar, März und Mai 2020 ein nächstes folgt.

Tobias Herrmann, Foto Grit Siwonia

Tobias Herrmann,
Foto Grit Siwonia

Gemeisnsam mit Mariella Ahrens spielt er mit dem Michèl eine Hauptrolle in “Das Himmelbett”. Und das als Jubiläumsproduktion für die 25 Jahre jung werdenden Theatergastspiele Fürth. Nun sind auch wir gespannt.

JJ

 

Weitere Informationen: Webseite von Tobias oder Tobias auf instagram

Foto Startseite: Grit Siwonia

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