Singen, tanzen, spielen…

 

Jenny Bins, Foto von Simone Malag.

Jenny Bins,
Foto von Simone Malag

Jenny Bins arbeitet als Schauspielerin vor der Kamera und auf der Bühne, zudem als Moderatorin und Sprecherin. Tanzen und Singen kann sie auch noch. Ihr Slogan „Ich bins-Jenny Bins“ weist schon ein bisschen darauf hin, dass sie das alles nicht nur mal eben so macht, sondern mit ganz viel Leidenschaft. Und auf ihre ganz eigene Art.

Und die besteht darin, dass die in Köln geborene und jetzt in Berlin lebende 1,69 m Frau mit den grün-blauen Augen…

…uns das höchstselbst erzählt. Hier und jetzt:

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„Natürlich sollten Schauspieler sich nicht zu wichtig nehmen – wir operieren schließlich nicht am offenen Herzen“

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JJ: Jenny, bevor wir zu Schauspiel und Moderation kommen, definiere mal bitte aus deiner ganz persönlichen Sicht – und nicht fürs Lexikon – Humor. Und: Gibt es intelligenten und plumpen Humor, macht das letztlich einen Unterschied? Gibt es Grenzen für dich?

Jenny Bins: Humor zu definieren ist natürlich schwierig, schließlich ist er Geschmackssache wie viele andere Dinge auch. Es gibt Menschen, die haben Humor und andere leider nicht – da hilft dann auch der weltbeste Comedian nicht. In erster Linie sollte man über sich selbst lachen können…. und wir alle sollten Humor nicht so ernst nehmen.

Humor zu beschneiden oder zu begrenzen ist schwierig, schließlich geht es darum, überraschend, anders und mutig zu sein. Wenn du vorher zu lange darüber nachdenkst, wem du damit jetzt auf die Füße treten könntest, dann bist du schon nicht mehr frei genug, komisch zu sein! Ich möchte allerdings nicht nach unten treten, – sich über Schwächere lustig zu machen ist zum Beispiel eine Grenze für mich.

Und natürlich gibt es intelligenten Humor, der dich – noch während du lachst – von hinten packt und dich die traurige Wahrheit erkennen lässt, so dass dir das Lachen im Hals stecken bleibt… Volker Pispers konnte sowas sehr gut.

Es gibt plumpen und intelligenten Humor, ebenso wie es plumpe und intelligente Menschen gibt. Für alle muss etwas dabei sein.

JJ: Ich habe mir in der Vorbereitung auf meine Fragen alles von dir angeschaut, was anzuschauen war und viele komische Szenen gesehen. Überzeugende Szenen. Das kann eine Schauspielerin oder sie kann es nicht, oder?

Jenny Bins: Ich weiß nicht. Kann ich es? Vielen Dank. Das ist doch das Schönste an solchen Interviews – der Fragesteller hat sich mit dir beschäftigt und mag was du tust. *lach*

Jenny Bins, Foto von Simone Malag.

Jenny Bins,
Foto von Simone Malag

Naja, mir wurde mal von einem Dozenten gesagt ich hätte „funny bones“. Das war eines der schönsten Komplimente, die ich jemals für meine Arbeit bekam.

Ich glaube, es ist vor allem wichtig, seinen Kopf ausschalten zu können. Aus der Entspannung heraus kannst du deinen Impulsen folgen und Neues entstehen lassen.

Ich bin keine Technikerin. Es gibt Schauspieler, die besuchen einen Kurs und einen Coach nach dem anderen um DIE mögliche Formel für Wahrhaftigkeit zu bekommen. Sicherlich tut jedem Schauspieler etwas anderes gut, aber ich finde, zu viel Technik ist schädlich. Vor allem möchte ich vor der Kamera oder auf der Bühne nicht sehen, welch tolle Technik der Schauspieler drauf hat. Dann sehe ich ihm „beim Arbeiten “ zu.

Aber ich will da einen Menschen (oder was auch immer gerade das für eine Rolle ist!) sehen und niemanden, der mir sein tolles Handwerk präsentiert. Das lässt sich übrigens auf andere Bereiche ebenso übertragen.

Der Gesang zum Beispiel. Es gibt grandiose Sänger und Sängerinnen da draußen – allerdings lassen mich manche völlig kalt. Weil ihre Technik kein Gefühl mehr durchlässt. Das ist vielleicht die Angst, Fehler zu machen. Aber genau diese Angst macht dich als Künstler (und auch als Mensch) starr und nimmt dir die Freiheit, Wahrhaftig zu sein.

JJ: Genauso habe ich gesehen, dass du taff kannst und emotional. Machst du irgendwas am liebsten, liegt dir irgendwas am nächsten – oder stimmt meine Vermutung, dass mir gerade eine blöde Frage gelungen ist?

Jenny Bins: Haha. Es gibt eigentlich keine blöden Fragen. Aber ich schätze, jeder Schauspieler würde dir auf diese Frage antworten: Ich spiele alles gerne. Und dem ist auch bei mir so. Ich finde es immer wieder überraschend, wie vielfältig ich in der Vergangenheit besetzt wurde. Ich habe das Dummchen gespielt, eine Anwältin oder eine Mutter.

Natürlich bringt jeder Mensch immer etwas mit – jeder hat seinen bestimmten Archetypen, eine gewisse Ausstrahlung die er nicht ändern kann. Schon alleine deshalb wird ein Schauspieler nicht unbedingt ALLES spielen können – zumindest wenn wir nach der Optik gehen.

Ich spiele gerne selbstbewusste Rollen, die sind mir einfach näher. Aber es ist auch schön zu sehen, das in einer Figur, die dir anfangs fürchterlich fern erschien, plötzlich mehr von dir selbst drin ist, als dir lieb ist.

JJ: Worin besteht deine ganz persönliche Faszination Schauspiel, Jenny, wenn du zuschaust, wenn du selbst spielst?

Jenny Bins: Uhhh. DAS ist eine schwierige Frage. Ich komme ja ursprünglich vom Musical, für mich war die Verschmelzung von Gesang, Tanz und Schauspiel die Perfektion des Theaters schlechthin. So wünschte ich mir als kleines Mädchen meinen Alltag… und heute wünsche ich mir meine Welt auch manchmal immer noch so: alle Menschen sollten singen, wenn Worte nicht mehr ausreichen, sie sollten tanzen, wenn Gefühle zu stark werden, um still zu stehen.

Schauspiel an sich ist nur ein kleiner Teil meiner Arbeit, aber ein wichtiger. Schauspieler sind in der Lage, Menschen in andere Welten zu entführen. Natürlich sollten Schauspieler sich auch nicht zu wichtig nehmen – wir operieren schließlich nicht am offenen Herzen.

Aber ist das nicht eine tolle Arbeit? Menschen in Kurzurlaub zu schicken? Ihnen einen Lachmuskelkater verpassen und sie in andere Welten entführen?

Jenny Bins; Foto Simone Malag

Jenny Bins; Foto Simone Malag

Im „Prime Time Theater“ zum Beispiel gibt es eine Dame, die kommt selbst nach dem Tod ihres Mannes noch regelmäßig in die Vorstellung. Früher waren sie immer zusammen dort. Und nun… fühlt sie sich ihm im Theater so nah – weil sie zusammen lachten und eine wunderbare Zeit hatten. Ist das nicht rührend??

JJ: Was magst du an der Moderation? Und: Gibt es Moderatorinnen oder Moderatoren, die du besonders gerne bei der Arbeit siehst? Gibt es einen Bereich innerhalb dieses Genres, den du besonders gerne oder auch gar nicht ausüben möchtest?

Jenny Bins: Zur Moderation bin ich eher durch Zufall gekommen, als ich während meiner Musicalausbildung eine Kindershow auf der Bühne in einem großen Freizeitpark moderierte. Ich merkte: ‚Huch. Das liegt mir ja sehr gut!‘ Bei der Moderation mag ich es, dass ich etwas mehr ich selbst sein kann… und ein Bindeglied für den Zuschauer bin.

Ich mag frische und freche Moderatoren. Joko und Klaas zum Beispiel. Die sind verrückt, haben Spaß und zeigen das auch.

Außerdem mag ich es, wenn ein Moderator gut spricht – ohne dialektischen Einschlag. Da bin ich wohl etwas pedantisch, da kommt die Sprecherin in mir durch. Ich mag oft männliche Moderatoren lieber… das liegt aber eher daran, dass derzeit einige ehemalige Topmodelkandidatinnen sich als Moderatorinnen ausprobieren und nicht geradeaus sprechen können.

Ich selbst bin natürlich auch nicht perfekt und kann ebenfalls noch einiges im Bereich Moderation dazu lernen… Man lernt schließlich nie aus.

Was möchte ich nie machen? Teleshopping ist, glaube ich, harte Arbeit. Ich rede zwar viel, aber ob ich SOVIEL am Stück reden könnte, weiß ich nicht. Und Messemoderation – das wäre auch nicht meins.

JJ: Bist du als Moderatorin Jenny pur oder auch ein bisschen eine Bühnen- oder Kamera- Jenny?

Jenny Bins: Natürlich bin ich auch ein bisschen Bühnen- oder Kamera Jenny. Ohne ginge es nicht. Zu viel Privates von sich hergeben ist nicht gut in unserem Job, da wird man schnell irre, wenn die Grenzen verschwimmen. *lach*

JJ: Was macht dir Spaß an Sprecher-Jobs, Kindergeschichten sprechen beispielsweise?

Jenny Bins: Kindergeschichten sind natürlich toll, aber am meisten mag ich es, Zeichentrickfiguren meine Stimme zu leihen. Wenn du nur deine Stimme als Ausdrucksmittel hast – das ist eine ganz besondere Herausforderung.

Da kann es schon mal passieren, dass man im Synchronstudio herumspringt und wild mit den Armen fuchtelt. Ich ziehe übrigens im Synchronstudio immer gerne meine Schuhe aus – ist so ’ne Marotte von mir. Ich brauche Bodenkontakt.

JJ: Jenny, sind diese verschiedenen Genre – Schauspiel, Moderation, Sprechen, und Musik kommt auch noch dazu – für dich verschiedene Paar Schuh oder ist alles einfach nur „Ich bins – Jenny Bins“?

Jenny Bins: Ja genau. Das gehört alles zum BINS Paket dazu. Ich bin aufgewachsen mit holländischen Entertainer Größen wie Rudi Carrell oder Linda de Mol – die haben in ihren Shows eben auch manchmal ein Liedchen angestimmt. Ich fand das toll… und auch heute mag ich es, wenn ein Künstler dieses Rundum-Paket anbieten kann.

Jenny Bins, Foto Simone Malag

Jenny Bins,
Foto Simone Malag

In Deutschland wird ein Schauspieler, der gleichzeitig auch singt und moderiert, oft leider nicht ernst genommen. Das scheint den Menschen irgendwie suspekt zu sein. Das finde ich sehr schade. Dabei gehört doch alles irgendwie zusammen.

Und man könnte so tolle Shows gestalten. Gebt mir eine Show mit interessanten Gästen und außergewöhnlichen Geschichten, ich singe ein paar coole Nummern in schicken Kleidern und bin währenddessen auch noch lustig – zack – haste ’n gutes Show Konzept. *grins*

JJ: Nochmal eben zum Schauspiel. Du stehst vor der Kamera oder auf der Bühne und deine Momente sind gekommen, der Regisseur sagt sein „Bitte“ oder der Kollege dein Stichwort und du musst/darfst/willst hinein in die Rolle; wie viel Jenny steht da noch, wann beginnt die Verwandlung, wann bist du raus aus der Nummer?

Jenny Bins: Die Verwandlung beginnt schon in der Maske. Kostüm, Frisur, Brille, Schuhe… all das hilft mir herauszufinden, wie die Figur geht, wie sie sich hält. Der Text zeigt mir, wie sie spricht. Vielleicht hatte ich Proben und konnte ein wenig mit der Sprache, mit den Worten experimentieren. Komplett wird die Verwandlung natürlich (spätestens) dann, wenn mein „Bitte“ oder mein Stichwort kommt.

Und im Laufe der Spielzeit wächst die Figur mit mir, wie ein Bildhauer schärfe ich ihre Konturen. Die Jenny bleibt hoffentlich immer ein wenig in jeder Figur erhalten – schließlich sind es meine Stimme und mein Körper, die ich der Figur gerade leihe.

Raus aus der Nummer bin ich dann, wenn ich mich abschminke, mich umziehe und das Theater verlasse. Und selbst dann passiert es noch hin und wieder, dass ich im Dialekt meiner Rolle spreche oder einen ihrer Sätze sage. Ja, auch Schauspieler nehmen oft Arbeit mit nach Hause.

JJ: Gibt es einen Schauspielerinnen,- Moderatorinnen,- Sprecherinnen,- Musikerinnentraum, der in dir schlummert? Wenn ja – welcher und warum?

Jenny Bins: Ach, da gibt es noch einiges… Ich möchte mal in einer Rosamunde Pilcher Verfilmung spielen… oder in einem Kostümfilm. Ich würde gerne mal TAFF moderieren. Und: Ein Album aufnehmen! Ich möchte mich wieder mehr dem Gesang widmen – aber der Tag hat leider nur 24 Stunden. Und ich bin Mutter – da kommt mir jeder Tag nochmal knapper vor!

JJ: Zum Schluss auf Anfang: War das kleine Mädchen Jenny schon die in der Mitte des Kreises, die auf Omas Küchentisch als Bühne, die mit der Haarbürste als Mikrofon? Und wann wurde es wie ernst?

Jenny Bins: Ja, in der Tat. Schon als kleines Mädchen habe ich gerne die Menschen unterhalten. Auf meinem Kommunionsvideo gibt es eine sehr lustige Szene, wo ich mit der im Wind wehenden Schmuck-Autoschleife eine Comedy Nummer improvisiere. Als ich das vor einigen Jahren sah, habe ich mich weggeschmissen vor lachen. Diesen unterhaltsamen Charakterzug habe ich von meinem Vater, der leider starb als ich noch sehr jung war.

Jenny Bins, Foto Simone Malag

Jenny Bins,
Foto Simone Malag

Früher wollte ich Ballerina werden… danach Sängerin… irgendwann zwischendurch kam noch der Berufswunsch Archäologin…. und als ich dann mit acht Jahren das Musical OLIVER TWIST sah, stand für mich fest: „Ich werde Musicaldarstellerin“. Von da an wurde es ernst…

JJ: Was steht demnächst bei dir an? Zur Zeit probe ich ja am „Prime Time Theater“ in Berlin und stehe dort in verschiedenen Rollen auf der Bühne. Ab Juni spielen wir eine moderne Hamlet Version, darauf freue ich mich sehr. (Berliner können mich bald auf entsprechenden Plakaten entdecken.)

Jenny Bins: Ich möchte mein Sprecherdemo auf Vordermann bringen und werde außerdem einige Songs einsingen. Ich möchte mich wieder mehr dem Gesang widmen.

Mitte April moderiere ich eine Filmfest-Eröffnung… und dann wartet noch das Weihnachtsmusical, das ich gerade mit zwei Kollegen schreibe. Du merkst also – zu tun gibt’s immer etwas!

JJ: Danke.

Jenny Bins: Bitte 🙂

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Weitere Informationen: Webseite von Jenny oder Jenny auf facebook

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Foto Startseite: Simone Malag

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