Melodie im Kopf

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Joseph Feinstein; Foto Credit ELEVATED RECORDS

Joseph Feinstein;
Foto: Credit ELEVATED RECORDS

Joseph Feinstein ist Sänger und Songwriter. Er lebt in Deutschlands Hauptstadt. Schon als Jugendlicher schrieb und produzierte er Titel. Joseph hat Musikproduktion in Berlin und Songwriting in London studiert.

Warum es auf der Bühne manchmal keinen Weg zurück gibt, warum aus ihm nie ein Rechtsanwalt geworden wäre, was Lärm und Applaus mit ihm machen, wie er seine Songs schreibt und warum ihm Auftritte vor Publikum wichtig sind, das erzählt er uns hier und jetzt. Und noch mehr:

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“… weil alles im Moment passiert”

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JJ: Joseph, beschreibe bitte mal deine ganz persönliche Faszination Musik. Was geht in dir vor, wenn du Musik hörst, wenn du sie schreibst (Komposition und Text), wenn du ein Instrument spielst und wenn du singst?

Joseph Feinstein: Wenn ich mich hinsetze und bewusst Musik höre, habe ich eine Art abstraktes Bild einer kleinen Galaxie im Kopf. Dabei schweben Melodie und alle Instrumente um einander rum und haben ihre eigenen Schnittpunkte miteinander.

Wenn ich Musik schreibe, versuche ich genauso zu denken. Erst wenn mein Song ein für mich einheitliches Bild ergibt, bin ich damit zufrieden. Wenn ich performe oder im Studio etwas einsinge, versuche ich bewusst, nicht zu viel Kontrolle über meine Gestik zu haben. Dabei entstehen auch auf der Bühne die seltsamsten Handbewegungen, die ich nie hätte planen können.

JJ: Für mich gibt es Titel, die mir Kraft geben (Lady Gaga – Bad Romance), meine Augen feucht werden lassen (Christina Stürmer – Mama Ana Ahabak), das Tanzbein wecken (Vanilla Ice – Ice Ice Baby) oder die einfach der Hammer sind (Queen – I Want To Break Free); kennst du das? Nenne bitte mal deine ganz persönlichen Hits.

Joseph: Bei mir löst diese Frage in etwa das gleiche aus, wie was mein Lieblingsfilm sei. Ich vergesse auf der Stelle sämtliche Filme, die ich je gesehen habe. Ich höre unglaublich viel Musik intensiv, wahrscheinlich drei bis vier Alben pro Woche, von daher vermischt sich alles etwas in meinem Kopf. Welcher Song aber immer ein bisschen über mir schwebt, ist “Jesus of Suburbia” von “Green Day” aus nostalgischen Gründen. Der löst bei mir alles oben genannte aus.

JJ: Gibt es in deinem Empfinden einen Unterschied (beim Singen/Instrument spielen) zwischen Proben, im Studio und auf der Bühne?

Joseph: Auf jeden Fall. Im Studio kannst du machen was du willst, da kümmerts keinen, wenn mal was daneben geht, kann man ja gleich wieder löschen. Bei Proben mit der Band ist es schon eher wie vor einem kleinen intimen Publikum, ich muss Professionalität und Souveränität ausstrahlen.

Joseph Feinstein, Foto Credit ELEVATED RECORDS

Joseph Feinstein,
Foto: Credit ELEVATED RECORDS

Beim Auftritt ist es wiederum etwas ganz anderes für mich. Da gebe ich 120 Prozent, egal vor wievielen Menschen – und wenn mal was nicht klappt, gibt es keinen Weg zurück und ich muss das Beste daraus machen. Vor allem deswegen liebe ich das Auftreten am meisten, weil alles im Moment passiert.

JJ: Macht Publikum irgendwas mit dir, Joseph?

Joseph: Komischerweise werde ich lockerer und spontaner, je mehr Menschen im Publikum sitzen. Lärm und Applaus machen mich selbstbewusst.

JJ: Wenn du Songs schreibst, geschieht das aus dir heraus (und dann schaun mer mal) oder denkst du da schon daran, dass es ein Hit werden soll, dass es beim Publikum ankommt? Oder siehst du dich gar in einer Mission unterwegs?

Joseph: Wenn ich Songs schreibe, passiert es aus mir heraus. Mein Ansatz ist es nicht, das was rauskommt auf einen bestimmen Geschmack anzupassen. Wenn die Melodie gut und eingängig ist und der Text auch noch passt, können sich Leute damit identifizieren. Meine einzige Mission ist, dass Menschen meine Musik feiern und sie eventuell dem einen oder anderen etwas bedeutet.

JJ: Falls du schon für Kollegen Songs geschrieben hast – oder es vor hast – musst du wissen, für wen, um Musik und Text auf den Menschen zuzuschneiden?

Joseph: Eine Zeit lang habe ich für andere Artists Songs geschrieben und dafür auch mit anderen kollaboriert. Was mir relativ schwer fiel, war das komplette Loslassen und der Perspektivwechsel, weil ich unterbewusst früher oder später meinen Stil durchsetzen wollte, deswegen schreibe ich nur noch für mich.

JJ: Wie entstehen deine Songs, erst Musik, dann Text oder umgekehrt oder mal so – mal so; verarbeitest du Alltagssituationen, Dinge, die dir quer liegen oder dich faszinieren? Oder ganz anders?

Joseph: Meistens fällt mir in den zufälligsten Situationen eine Melodie in den Kopf – und die nehme ich sofort mit dem Handy auf. Dann jamme ich sie später im Studio ein, meistens habe ich da schon einen Textansatz. Danach produziere ich drum herum, und der Text entsteht zum Schluss. Passiert aber auch öfters andersrum.

JJ: Joseph, war in deiner Kindheit klar, wo der berufliche Weg mal hingeht, bist du auf die Küchentische gestiegen und hast gefiedelt oder gesungen; berichten deine Eltern, dass dein erster Satz ein Lied war?

Joseph: Meine Eltern sind beide Künstler, da war schon auszuschließen, dass aus mir ein Anwalt wird. Mit vier habe ich angefangen Geige und Klavier zu spielen, mit 13 kam die Gitarre dazu. Ohne die Riesen-Unterstützung meiner Eltern wäre ich heute nicht da wo ich bin.

JJ: Plaudere mal bitte ein bisschen über deine Studienzeit in Berlin (Musikproduktion) und London (Songwriting), waren das schöne, lehrreiche, verrückte Zeiten? Was konntest du mitnehmen für deine tägliche Arbeit?

Joseph: Schön, lehrreich und verrückt war die Zeit auf jeden Fall. Ich habe unglaublich talentierte Menschen kennengelernt, einige davon sind zu sehr guten Freunden geworden. Das Wichtigste, was ich gelernt habe, war die Routine. Immer mal wieder schreiben, immer ein Notizbuch parat haben, alle Gedanken aufnehmen. Diese Tipps waren absolut Gold wert.

Joseph Feinstein; Foto Credit ELEVATED RECORDS

Joseph Feinstein;
Foto: Credit ELEVATED RECORDS

JJ: Schauen wir mal eben in die Zukunft, Joseph, was liegt demnächst an, was planst du mittelfristig und was wünschst du dir, wenn wir die Traumerfüllungsfee hier aus meiner Thüringischen Rhön bemühen?

Joseph: Ich werde in den nächsten Monaten mehr Songs veröffentlichen, und wer weiß, vielleicht kommt nächstes Jahr mein erstes Album raus. Ich wünsche mir, dass ich weiterhin die Möglichkeit habe, meiner Leidenschaft nachzugehen und nicht zu Letzt, dass Millionen von Menschen mir meine Songs entgegen singen.

JJ: Danke.

Weitere Informationen: Joseph auf Instagram oder Joseph auf facebook

 

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