Jacqueline und das Bühnen-Ich

 

Jacqueline Feldmann

Jacqueline

Jacqueline Feldmann war mal beim Finanzamt beschäftigt. Dann wechselte sie auf die Comedy-Bühne. ‚Ein großer Schritt‘, werden manche denken. Wer indes schon mal mit dem Finanzamt zu tun hatte, wird sich fragen: Wo ist der Unterschied?

Keine Sorge, ich versuche mich jetzt nicht weiter an mittelmäßigen Gags. Ich stelle nur noch ernsthafte Fragen. Und Jacqueline erzählt uns unter anderem von der Moderation, in der sie sich gerne mehr ausprobieren möchte, von Kolleginnen und Kollegen, deren Sprache sie teilt, von David Bowie und von ihrem aktuellen Programm:

 

„Ich improvisiere immer ein Stück weit in meinen Stand Up Shows“

 

JJ: Jacqueline, was ist für dich ganz persönlich Humor, dein Humor?

Jacqueline Feldmann: Ich kann über alles und jeden lachen, es muss einfach nur gut gemacht sein.

JJ: Hat Humor Grenzen? Welche?

Jacqueline: Es gibt schon gewisse Grenzen für mich persönlich, aber wenn jemand einen Gag wirklich gut verpackt und er es mit einer Haltung präsentiert, dann gibt es keine Grenzen in der Comedy. Wenn jemand allerdings ganz plump etwas Derbes sagt, nur um derbe zu wirken, dann schalte ich ab.

Jacqueline Feldmann

Jacqueline Feldmann

JJ: War beizeiten, in deiner Kindheit, schon absehbar, dass du mal auf einer Comedy Bühne stehen könntest?

Jacqueline: Ich bin und war immer ein eher introvertierter Mensch, allerdings habe ich es geschafft, zur Bühne zu finden, denn dort bin ich genau das Gegenteil. Irgendwie faszinierend.

JJ: Gab es den Moment, in dem du wusstest, jetzt machst du Comedy, so richtig als Plan A?

Jacqueline: Ich habe im März 2016 meinen festen Job beim Finanzamt gekündigt. Ich denke, spätestens da war mir klar, dass ich ab jetzt keinen Plan B mehr habe, haha!

JJ: Wie kann ich mir das vorstellen, wenn du auf der Bühne stehst, Jacqueline, bist du 100 Prozent du, bist du ein bisschen eine Kunstfigur, hat das ein bisschen was von Schauspiel?

Jacqueline: Ich bin schon Ich selbst auf der Bühne, das ist alles keine ausgedachte Bühnenfigur, aber mein „Bühnen – Ich“ ist natürlich etwas aufgedrehter und extrovertierter.

JJ: Wie entstehen deine Texte beziehungsweise neuen Programme? Und: Denkst du dabei schon daran, was wie ankommen könnte?

Jacqueline: Ich sammle ganz viele Ideen erstmal in meiner „NotizApp“ auf dem Smartphone und irgendwann, wenn die Muse mich packt, schreibe ich drauf los. Danach geht es zu den Open Stages und dann wird das Programm einfach gespielt, verändert, nochmal gespielt, wieder verändert usw.

JJ: Stelle dir bitte vor, du bietest dein Programm, Jacqueline, und die Leute lachen an den Stellen, an denen es nicht vorgesehen ist – oder an denen, die dir als sichere Bank erschienen, lachen sie nicht. Was nun? Eiskalt weiter, verunsichert weiter… nie passiert?

Jacqueline Feldmann

Jacqueline Feldmann

Jacqueline: Jeder, der in irgendeiner Weise auf der Bühne Comedy macht, hat das schon mal erlebt. Ich ziehe mein Programm dann, wie viele andere, einfach eiskalt durch und überlege gleichzeitig im Kopf, wie ich das Publikum wieder abholen kann.

JJ: Es gab mal (Dieter Hildebrandt) und gibt noch (Dieter Nuhr) die Kabarettisten oder Comedians, die in die politische Richtung gehen und bei denen es notwendig ist, um den Moment für die Lacher abzupassen, einige Zusammenhänge, Personen oder Ereignisse zu kennen.
1.: Trennst du persönlich Kabarett und Comedy?
2.: Hast du Bock, politischer oder vielleicht noch gesellschaftskritischer zu werden?

Jacqueline: Ich trenne Kabarett und Comedy persönlich nicht, denn ich finde in der heutigen Zeit kann es sich keiner mehr erlauben, nicht ein Stück weit politisch zu sein, egal ob Comedy oder Kabarett oder Comyrett oder Kabady…

JJ: Jacqueline, auf deiner Facebook Seite steht „Stand-Up, Improvisation, Moderation“. Erzähle mal bitte ein bisschen zur Improvisation – und wann du schon wo was moderiert hast beziehungsweise gerne möchtest.

Jacqueline: Ich improvisiere immer ein Stück weit in meinen Stand Up Shows… bisher habe ich nur kleinere Shows moderiert, bin aber sehr gespannt, was da in Zukunft noch kommen mag und lasse mich einfach überraschen. Ich würde das Feld gerne weiter ausbauen, da es mir viel Spaß macht.

JJ: Vor langer Zeit sagte mal eine russische Dolmetscherin zu mir: „Es gibt keine gute und schlechte Musik, es gibt solche, die ich verstehe und solche, die ich nicht verstehe!“ Ich denke, bei Comedy ist es ähnlich. Ich verstehe Karl Dall, Dieter Nuhr, Ingo Appelt (besonders wenn er Piet Klocke parodiert) und viele andere… Ich verstehe auch manche nicht. Wen verstehst du besonders gut?

Jacqueline: Ich verstehe vor allem die Künstler, die noch nicht jeder kennt… zum Beispiel Robert Alan, Lena Liebkind oder auch Sertac Mutlu. Die sprechen meine Sprache, sind unzensiert, herrlich ehrlich und sind auch hinter der Bühne tolle Menschen. Unbedingt auschecken, liebe Leser!

JJ: Nun zur Zukunft: Was liegt aktuell an, was ist mittelfristig geplant oder in Arbeit und welchen Antrag soll ich für dich bei der Wunschfee stellen, die bei uns hier in der Thüringischen Rhön tatsächlich noch durch die Wälder und über den Auen wandelt?

Jacqueline: Im Moment habe ich verschiedene Projekte, denen ich mich widme. Da wären zum einen meine Solo-Show mit meinem Programm „Plötzlich Zukunft! Konnt’ ja keiner wissen…“, aber zum anderen auch mein Youtubechannel, auf dem ich viele Sachen uploade.

Im Februar bin ich bei der neuen Pro7 Show „Die Comedy Show“ dabei, worüber ich mich sehr freue. Außerdem schreibe und spreche ich die 1Live Radiocomedy „Die tauben DJanes“ und darf auch bei der nächsten Aufzeichnung für die 1Live Generation Gag wieder mit dabei sein.

Jacqueline Feldmann

Jacqueline

Wenn es diese Wunschfee wirklich gibt, dann wünsche ich mir gerne, bei einem David Bowie Konzert live dabei zu sein…ich weiß, der Wunsch ist echt schwer zu erfüllen, aber wer weiß, was die Wunschfee so drauf hat, haha 🙂

JJ: Vielen Dank und viel Spaß weiterhin. Die Wunschfee aus der Thüringischen Rhön sagt: „Wenn du David Bowie im Herzen trägst, bist du live in seinen Konzerten.“ Klingt wie ein Kalenderspruch. Aber so sind sie, die Feen von heute 😉

.
Weitere Informationen und alle Fotos: Webseite von Jacqueline

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*