Alles was war – alles was wird

 

Fredderik in der Berliner Friedrichstraße beim Shooting mit Fotograf Paul Zimmer

Fredderik in der Berliner Friedrichstraße beim Shooting mit Fotograf Paul Zimmer

Fredderik Collins wechselte ins Schauspielfach, nachdem er in anderen Lebens- und Arbeitsgebieten reichlich Erfahrung gesammelt hatte. Der Plan war das nicht, eher der Lauf der Dinge, des echten Lebens.

Als im Heim aufgewachsenes Kind spürte er allenfalls unterschwellig, und mehr im Nachhinein betrachtet, wo die Reise mal hingehen könnte. “Eine Art Rampensau war ich schon”, blickt er zurück, “war musikalisch aktiv und wollte künstlerisch und kreativ sein.”

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Von innen heraus

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Während Ausbildungen und mehrjährige Tätigkeiten in den Bereichen Notfallmedizin und Psychiatrie nicht primär Assoziationen zu “kreativ und künstlerisch” wecken, sondern deutlicher zu “empathisch, menschlich und hilfsbereit”, verlangte sein Wechsel als Selbstständiger ins Grafikdesign auf jeden Fall jene gestalterisch schöpferischen Fähigkeiten.

Für die jetzige Tätigkeit als Schauspieler indes kommt ihm die branchenfremde, kurvige Vergangenheit durchaus zugute. “Erfahrungen aus dem richtigen Leben sind unabdingbar in unserem Job”, weiß Fredderik, “vor allem, weil ich von innen heraus arbeite, beziehungsweise spiele.”

Fredderik Collins, Foto Madeleine Kaufmann

Fredderik Collins,
Foto Madeleine Kaufmann

Nach- und Vorteile nebeneinander sieht der stets extravagant gekleidete Brillensammler, wenn er Rollen in seinem (ehemaligen) Fachbereich, der Medizin, verkörpert: “Einerseits weiß ich, was ich wie tun muss, um beispielsweise erste Hilfe an einem Unfallort zu leisten – und es soll ja echt aussehen. Andererseits weiß ich auch, was da am Set oft nicht stimmt, unrealistisch ist. Ich bringe mich dann gerne ein, wenn es gewünscht ist. Und wenn nicht – sieht es eben aus wie es aussieht.”

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Warum eigentlich nicht?

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Natürlich nicht die alleinige Ursache, wohl aber der letzte sprichwörtliche Stein des Anstoßes für den Sprung des damaligen Grafikers Fredderik Collins ins kalte Schauspielwasser war die Frage der besten Freundin, Coach und Fotografin Martina Jäger: “Warum bist du nicht Schauspieler geworden?” Tja… warum eigentlich nicht?

Infolge absolvierte er eine Ausbildung an einer Berliner Schauspielakademie. “Ehrlich gesagt hatte ich die gesamte Zeit das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein”, räumt der Mann aus Nordrhein-Westfalen ein, “es war alles sehr tanzlastig.” Gleichwohl zog er, wie auch aus der fachfremden Vorgeschichte, seinen Gewinn. “Durch die Ausbildung ist es nicht ganz so der Sprung ins kalte Wasser”, ist er sicher, “Schauspieler wirst du eh erst danach. Leben plus Schule plus Empathie plus Wissen, erst das macht es aus.”

In Fredderiks Faszination Schauspiel bündeln sich diese ganzen Erfahrungen mit seiner Leidenschaft und seiner Lust auf kommendes. “In dem Beruf kann ich alles tun, was ich war. Und alles, was ich noch will”, kommentiert er, “ich kann Figuren gestalten – aus mir heraus und in sie hinein schlüpfen.”

Das gegenseitige Mitziehen unter den Kolleginnen und Kollegen, das Zusammenspiel, ist für ihn ein weiterer Spaßfaktor: “Ich bin ein positiver Mensch. Die Empathie unter uns, das Gemeinsame, gibt mir Sicherheit und Zuversicht. So zehre ich durchaus von den Ressourcen anderer. Oder umgekehrt.”

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Die Figur durch den Körper ziehen

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Wenn es mal passiert, dass während der Aufnahme am Set ein Partner oder eine Partnerin, super aufgelegt, über sich hinaus wächst; nicht verlangte, nicht abgesprochene Überraschungen anbietet, steigt der Mann mit den braun/grünen Augen sofort ein. “Improvisation ist das halbe Leben”, begründet er, “der Regisseur ist der, der ‘Cut’ sagt, nicht ich. Wir müssen dann nur gemeinsam zurück zur Geschichte finden. Das Gesamte sollte stimmen. Diese Situationen geschehen nicht selten.”

Fredderik Collins; Foto Madeleine Kaufmann

Fredderik Collins;
Foto Madeleine Kaufmann

Noch bevor es jedoch dazu kommt, zu den entscheidenden Momenten vor der Kamera, denen zwischen “Und… bitte” und “Cut”, fühlt sich Fredderik in die Rolle. “Ich ziehe die Figur durch den Körper”, malt er ein plastisches Bild, “egal, wann das ‘Bitte’ kommt, ich bin drin!”

Dadurch, dass er als Schauspieler erst spät rein gekommen ist, mit viel Wirklichkeitssinn außer der bereits erwähnten Erfahrung im Gepäck, wähnt er sich, was Träume anbelangt, eher besonnen und nüchtern. “Da pflege ich den realistischen Umgang”, schiebt er voran und nennt gleichwohl “eine Dauerrolle im Großstadtrevier, eine feste Arbeit im Tatort” als Träumchen. Auch nochmal sowas wie im Kinofilm “Vier gegen die Bank” unter der Regie von Wolfgang Petersen an der Seite der Hauptdarsteller Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und Michael Herbig, als Fredderik Collins den Chef einer Werbeagentur verkörperte, reizt ihn. “Da habe ich erlebt, wie es ist, wenn ein Dreh fast amerikanisch groß angelegt ist”, schwärmt er.

Außerdem mischte der Mann in den besten Jahren unter anderem im „Tatort Münster“, „Bettys Diagnose“ oder bei „Hellen Dorn“ als Darsteller mit und 2017/2018 im Kinofilm “Phantomschmerz” zudem als Mitproduzent. Letzteres, das Engagement auch jenseits der Kamera, ist für Fredderik nicht die Ausnahme: “Ich mache einige Dinge parallel, bin zum Beispiel als Schlagzeuger unterwegs und coache Schauspieler.”

Aktuell arbeitet er als Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller am zirka 25 Minuten Kurzfilm “Anmut”. “Der Streifen wird in Schwarz/Weiß und im Cinemascope-Format sowie mit Untertiteln realisiert”, informiert er, “eben der andere, der unorthodoxe Film im Tanztheater-Stil. Beim Charity Video Award war ich bereits Gewinner des Awards (Platz 2) zu Gunsten der deutschen Parkinsonvereinigung.” Fredderik Collins will erreichen, “dass die Leute sich besinnen, hängen bleiben beim Thema.” Und spätestens bei diesem Projekt zahlt sich die tanzbetonte Schauspielausbildung tatsächlich aus.

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Weiter gehen, von da wo man ist

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Er selbst bleibt im Kino- oder Fernsehsessel hängen, wenn zum Beispiel alte Filme wie die vom britisch-amerikanisches Komiker-Duo Laurel und Hardy und vom Franzosen Louis de Funès laufen, auch die Loriot-Klassiker. Oder, wie er sagt “richtig gute Dramen”, Good Will Hunting unter anderem.

Unbedingt Richtung Paris, London oder Hollywood muss der Schauspieler indes nicht schauen, um sich begeistern zu lassen. Er benennt die Schauspieler/innen Jale Arıkan, Armin Rohde, Karen Böhne oder Sven Martinek (… und viele andere…) und bleibt dabei im Lande.

Fredderik Collins; Foto Paul Zimmer

Fredderik Collins;
Foto Paul Zimmer

Als Fredderik nach berufsfremden Stationen ins Schauspielfach wechselte, folgte der überzeugte Buddhist seiner selbst kreierten Philosophie “weiter gehen, von da wo man ist”, jetzt schließt er, egal ob vor oder abseits der Kamera, seine mannigfaltigen Erfahrungen und Talente ins Filmgenre ein – und wenn es optimal weiter läuft, wird ihn seine charismatische, ruhige, gelassene Stimme sicher auch bald den Zyniker spielen lassen, oder wie Schauspielcoach Jens Roth befand, “den Schattenmörder”. 😉

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JJ

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Weitere Informationen: Webseite von Fredderik oder Webseite vom Kurzfilm “Anmut”

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Foto Startseite: Jägerfotografen Bielefeld

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