Lernen kannst immer was

 

Der Niederösterreicher Georg Rauber ist Schauspieler und Autor. Er hat einen satirischen Anarcho-Comedy-Youtube-Kanal am Start und zudem eine Ausbildung zum Radiomoderator absolviert.

Georg Rauber; Foto: Christoph Liebentritt

Georg Rauber;
Foto: Christoph Liebentritt

Darüber erzählt er uns. Über seine Heldentaten als Hobby Fußballtorwart auch – und warum er dann doch lieber Basketball mag.

Der Traum… Wunsch… wie auch immer…, mit dem Georg unterwegs ist, scheint keinem typisch deutschen Dilemma – wie ich dachte – geschuldet zu sein: Der Ausbruch aus den Klischees, die Besetzung nach Talent und Können, statt Stereotypen.

Beim Lamentieren indes hält sich der mittlerweile Wiener nicht auf, er spielt was kommt:

 

„Außerdem bin ich ganz gern der Kaschperl und unterhalt einfach gern“

 

JJ: Georg, erzähle doch mal, gab es eher eine Entwicklung hin zu dem Entschluss, professionell vor die Kamera, auf eine Bühne, an ein Mikrophon zu kommen – oder war da ein magischer Moment?

Georg Rauber: Es war eindeutig eine Entwicklung und vor allem das mir Eingestehen. Kreiert habe ich schon immer gerne. Als Kind habe ich viel gezeichnet, eigene Radiosendungen aufgenommen und ganze Theaterstücke mit meinen Actionfiguren inszeniert. Nur gezeigt hab ich das selten wem, da ich sehr introvertiert und sozial etwas unangepasst war.

Erst als ich 2008 nach Wien zog und dort mit Improvisationstheater anfing, merkte ich: „Hey, man kann ganz offen kreativ sein und muss sich dafür nicht schämen oder Angst davor haben“.

Georg Rauber; Foto von Raphael Stiborek

Foto von Raphael Stiborek

Klingt zwar nach einer schnöden Erkenntnis, aber wo ich herkomm, ist man schnell mal verarscht worden, wenn man über seine Gefühle gesprochen hat oder Kunst machen wollte. Und ab dem Improtheater in Wien ist der Ball dann ins Rollen gekommen und der Performance-Bug, auch wenn er mich schon lang vorher gebissen hat, konnte sich nun vollends ausleben.

JJ: Sind Schauspiel, Moderation, Comedy für dich verschiedene Paar Schuhe und du ziehst mal den, mal den an – oder sind es einfach nur andere Orte, an denen du die unterschiedlichen Facetten des einen Georg raus lassen kannst?

Georg: Ich muss diese Frage mit beiden Antwortmöglichkeiten besehen: Ja und Nein. Prinzipiell sind es für mich verschiedene Sachen, und der Vorbereitungsprozess von beispielsweise auf einer Theaterbühne, vor der Kamera oder vor einem Standup-Publikum zu stehen, ist ein jeweils komplett anderer.

Aber jede Erfahrung diesbezüglich kann in jedem anderen Bereich verwendet werden. Durch das bereits erwähnte Improvisationstheater habe ich zum Beispiel meine generelle Schüchternheit vor Publikum abgebaut, was in jeder Art von Performance hilft.

Durch das Radio und die Sprecherausbildung hab ich meine Stimme geformt, was auf der Theaterbühne hilft. Wenn ein Schmäh bei einer Standup Performance mal nicht zieht, lernt mal schnell, nicht zu hudeln und mit Fehlern umzugehen.

Beim Drehen trainierst du dir schnell eine Mordsgeduld an, weil du alles so oft wiederholst und lange Wartezeiten Gang und Gäbe sind. Und so weiter. So profitiert jedes Gebiet von dem anderen, auch wenn sie komplett verschiedene Bestien sind.

JJ: Was fasziniert dich am Schauspiel, Georg, aktiv (spielen) wie passiv (schauen)?

Georg: Aktiv das Hineintauchen in andere emotionale Situationen. Ich finde in jeder guten Performance ist – egal wie weit der Charakter von einem entfernt ist – etwas vom Schauspieler selbst enthalten. Man lernt sehr viel über sich, da man sich in die absurdesten Situationen hineinfühlen muss. Außerdem bin ich ganz gern der Kaschperl und unterhalt einfach gern.

Georg, fotografiert von Christoph Liebentritt

Georg, fotografiert von Christoph Liebentritt

Passiv liebe ich es, einfach spannenden Charakteren zuzuschauen. Ich hab da Performances mit gewissen Ticks ganz gerne, wie zum Beispiel in „Nightcrawler“ oder „The Dark Knight“. Einfach ein gut geschriebener Text gefiltert durch eine hervorragende Performance ist für mich ein Ding von Schönheit.

JJ: Wie erlebst du die Momente, in denen du vor der Kamera oder auf der Bühne stehst, nachdem der Regisseur „Bitte“ sagte oder dein Stichwort fiel, und du in einer Figur bist?

Georg: Da ist’s eigentlich schon wurscht, weil die Arbeit passiert vorher. Wenn du dich erst beim „Bitte“ oder beim Vorhang vorlassen hineinfühlst, wirst du – glaub ich – ein Problem haben.

Ich fühle mich vor diesen Momenten so gut wie möglich in die Figur, damit dann beim Fingerschnipp des Regisseurs alles abrufbar ist – Emotion wie Text. Ich verwende dazu sehr gerne Musik. Ich stelle mir pro Figur eigentlich immer eine eigene Playlist zusammen.

JJ: Ich kann mir wunderbar vorstellen, wie so manche Kollegin oder so mancher Kollege durch Spiellaune oder geniale, spontane Einfälle dich mitreißt. Du kannst es dir sicher nicht nur vorstellen, sondern hast es erlebt?

Georg: Ja, vor allem im Improvisationstheater ist das Gang und Gäbe. Aber auch im geskripteten Bereich. Du kannst was hundert mal gespielt oder geprobt haben und plötzlich reißt’s einen Kollegen zu einer spontanen Entscheidung hin. Und da darfst du dann nicht „Herst, so war das nicht ausgemacht“ sagen, sondern bist im besten Fall im Charakter und reagierst mit.

Das sind dann so schöne, magisch-spontane Momente, die den Film oder das Stück wertvoller machen. Manchmal ärgerts den Regisseur, vielleicht aber im besten Fall lebt der für sowas ja auch.

JJ: Der Schauspieler Jürgen Heinrich hat, wenn ich mich recht entsinne, es war noch zu DDR Zeiten, mal sinngemäß gesagt, ein Beruf, in dem er nur Durchschnitt wäre, wäre nicht seiner. Ist das der richtige Anspruch?

Georg: Absolut. Allein schon wegen dem Prozedere im Hintergrund. Ein Durchschnittsmensch – wenn ich das mal so sagen darf – geht in seinem Leben vielleicht zu fünf bis zehn Vorstellungsgesprächen. Ein Schauspieler geht im Jahr zu 30, 40, 50 Castings. Und man wird halt zu 90 Prozent der Zeit abgelehnt. Deswegen muss man sich klar sein, dass man hier nicht mit Durchschnittsverhältnissen zu tun hat.

Und das ist dann noch weit vor der eigentlichen Performance, die im besten Fall ja auch Ansprüche weit über dem Durchschnitt fordern sollte. Ist halt leider nicht immer so, aber man sollte zumindest so hoch wie möglich zielen.

JJ: Erzähle bitte mal ein bisschen über die Shniit Schneyder Show.

Foto von Raphael Stiborek

Foto von Raphael Stiborek

Georg: Die Shniit Schneyder Show ist mein Youtube Kanal, auf dem ich meine anarchistisch komödiantischen Bedürfnisse auslebe. Angefangen hats mit einer Interviewshow im Stile der „Eric André Show“ bzw. „Between Two Ferns“. Nur (leider) ohne Budget. Da gings mir um die Entfremdung des Interviewgastes.

Shniit Schneyder ist der Charakter, den ich da spiele – ein extrem unfähiger und soziopathischer Interviewer. Meine Regel war da: Kommt mir der Gast leiwand, bin ich orsch, und ist der Gast orsch, komm ich ihm leiwand. Mit dieser simplen Herangehensweise können 99 Prozent der Leute nicht umgehen und das resultiert in lustigen Momenten.

Mittlerweile verfolge ich das Interviewformat aber nicht mehr, da es zu teuer ist ohne Fremdbudget. Ich bringe den Charakter nun ins Feld zu beispielsweise der Vienna Fashion Week oder nach Amsterdam. Eine neue Serie ist auch „#GutesProdukt“, in der ich mich über diese klassischen Youtube-Leute ein bissel lustig mach, indem ich zwar das selbe Konzept eines klassischen Youtubers verfolge, dann aber aufgrund von Shniit Schneyders… nennen wir’s mal „Problemen“… im Chaos ende.

JJ: Ich mag sehr Ursula Strauss als Schauspielerin, hattest du, als du bei „Schnell ermittelt“ mitwirktest, mit ihr zu tun? Magst du Fernsehserien? Ist bei euch in Österreich auch der „Tatort“ (wie bei uns in Deutschland) so etwas wie die Königsklasse, oder habt Ihr eure eigenen Könige?

Georg: Ja, Ursula hat mich verhört! Und es war super. Sie ist durch und durch ein Pro und auch hinter der Kamera extrem leiwand. Super gechillt und immer gut vorbereitet.

Ich mag Fernsehserien sehr gerne, lieber als Film sogar. Ich bin ein absoluter Binge-Watcher. Ich schaue aber eher US-amerikanische Sendungen. Falls wer Empfehlungen sucht: Bojack Horseman, You’re The Worst, Sopranos.

„Tatort“ ist in den österreichischen crime procedurals absolut König, schon allein wegen des Produktionsaufwandes. Und die Krimisachen sind halt die einzig richtig regelmäßigen Sendungen, die hier überleben, zumindest im geskripteten Bereich. Es ist dann schön, wenn hie und da mal so etwas wie „Braunschlag“ große Erfolge feiert.

JJ: Was treibt dich als Autor an, Georg? Woher kommen die Ideen? Bist du, wenn du schreibst, in einer Mission unterwegs?

Georg: Geschrieben hab ich schon immer, das ist das, was mir von Natur aus liegt. Das ist jetzt vielleicht eine unbefriedigende Antwort, aber in meinem Kopf sind einfach immer Ideen. Mich inspiriert alles. Ich kann dir über die Blattfarbenveränderung im Herbst genauso wie über ein Hundehauferl zehn Seiten schreiben.

Meine Mission fängt hier bei mir an, ich möchte meinen Gedanken einfach Ausdruck verleihen. Und der zweite Teil der Mission ist dann wieder die Leute zu unterhalten.

JJ: Auf deinen Schauspielprofilen lese ich Basketball vor Fußball. Was ist da denn los? Spielst du selbst, schaust du zu? Beschreibe mal bitte, was dich an diesem Sport fasziniert.

Georg: Basketball – also vor allem NBA – verfolge ich leidenschaftlich. Michael Jordan war eins meiner Jugendidole und ich hab die einzige Goldmedaille meines Lebens in einem Schülerturnier gewonnen. Ich mag beim Basketball einfach, wie kreativ man da sein kann. Kann man eh in jedem Sport, aber vor allem zum Beispiel das Passspiel als kreatives wie effizientes Mittel fand ich immer schon faszinierend.

Im Fußball habens mich immer ins Tor gestellt weils mir wurscht war, ob ich mir weh tu und ich mich allem in den Weg geworfen hab. Richtig gut war ich da aber nicht.

JJ: Georg, hier in der Thüringischen Rhön wandeln noch zwei Wunschfeen durch Wald und Flur. In deiner Heimat Niederösterreich auch? Wenn dir eine der Damen begegnet, was wünscht du dir beruflich, welche Rolle, welchen Film, welche Serie, welchen Regisseur… was auch immer…?

Georg: Ich würd einfach gern mal was spielen, wo’s auf mein Talent und nicht auf meinen Typ ankommt. Wenn man so unbekannt ist wie ich, wird man meistens aufgrund seines Aussehens gecastet – ich krieg da immer die Verbrauchten, die Junkies, die Aussteiger. Was eh cool is und es bezahlt die Miete, aber ich hoff, dass mich das mal zu Rollen mit richtig fett Fleisch zum Reinbeißen führt.

Einen funktionierenden Soziopathen spielen wär interessant, so ála Sherlock oder Dr. House. Aber genauso den lead in einer romantic comedy, einfach weils optisch so überhaupt nicht zu mir passt und ich genau diese Herausforderung mag.

Georg Rauber; Foto: Christoph Liebentritt

Georg Rauber;
Foto: Christoph Liebentritt

Im österreichischen Bereich würd ich mir regietechnisch Zusammenarbeit mit Schalko oder Harather wünschen. International wär der Quentin natürlich ein Hammer. Aber ich nehm alles was kommt, lernen kannst immer was.

JJ: Was liegt demnächst bei dir konkret an, woran arbeitest du gerade?

Georg: Am 21.11. kam eine Soko Donau Folge mit mir im ORF raus, die ist dann noch sieben Tage lang in der ORF-TVThek nachzuschauen. Irgendwann später auch im ZDF. Im Februar fange ich an für die Serie „Walking On Sunshine“ mit Robert Palfrader zu drehen. Ansonsten hab ich immer wieder mal Lesungen meiner eigenen Texte.

JJ: Danke.

Georg: Ich danke!

 

Weitere Informationen: Georg auf facebook
und https://www.youtube.com/ShniitSchneyder

Foto Startseite: www.liebentritt.at

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