Hannahs Weg zum Vegetarismus

 

Seit fünf Jahren ernährt sich Hannah Thomé vegetarisch und verzichtet dabei auf Fleisch und Fisch. Seitdem sie in Berlin mit einer Veganerin in einer Wohngemeinschaft zusammen lebt, kocht sie zuhause meist vegan. Unterwegs isst Hannah hauptsächlich vegetarisch, aber auch vegan, was in der Hauptstadt relativ häufig möglich ist.

Quinoa; Foto: w.r.wagner pixelio.de

Quinoa; Foto: w.r.wagner pixelio.de

“Mein Lieblingsessen ist eine Quinoa-Gemüse-Curry-Pfanne, die wir mit Kokosmilch zubereiten”, schwärmt sie. Wie die aus Bergisch Gladbach stammende junge Frau zu dieser Ernährungsweise kam, erzählt sie hier und jetzt:

 

“Ich habe nie eine dieser schrecklichen Dokus geguckt”

 

Wann genau ich mich für eine vegetarische Ernährungsweise entschied, kann ich gar nicht so richtig sagen. Es muss irgendwann gewesen sein, als ich 15 Jahre alt war.

Einen richtigen Auslöser gab es bei mir auch nicht. Ich habe nie eine dieser schrecklichen Dokus geguckt, bei denen es um die Grausamkeiten bei der Massentierhaltung geht. Ich erinnere mich aber daran, dass mich nach und nach die Konsistenz von Fleisch anekelte. Ich war noch nie ein blutiger Steak-Esser gewesen und auch Fleisch, das man vom Knochen abnagen muss, mochte ich nicht. Mir wurde eigentlich schon immer übel, wenn ich irgendwie eine Sehne, ein Stück Knochen oder Knorpel zwischen die Zähne bekam. Und dann breitete sich dieser Unmut generell auf Fleisch aus.

Im Grunde genommen war es eine sehr intuitive Entscheidung. Und erst später machte ich mich richtig schlau. Ich informierte mich zuerst über Massentierhaltung. Die ganzen Antibiotika, die die Tiere bekommen, um unter solchen Umständen überhaupt überleben zu können und die man dann als Konsument mit in den eigenen Körper aufnimmt.

Hannah Thomé

Hannah; fotografiert von Sergio Falconi-Parker

Das ungesunde Verhältnis, das manche Menschen in ihrem Konsum haben. Dass Fleisch früher eine ganz andere Bedeutung hatte. Dass man damals meist das Tier vom eigenen Hof oder beim Bauer von nebenan teils sogar selbst tötete und zubereitete und es dann zu einer ganz besonderen Mahlzeit, vielleicht für einen ganz besonderen Anlass wurde. Das nicht abgepackt und als Lebewesen unkenntlich gemacht in Alufolie eingeschweißt in den Einkaufswagen geschmissen und nicht zu einer Selbstverständlichkeit beim täglichen McDonalds Besuch wurde.

 

“Das Ignorieren des Themas Massenhaltung und Nachhaltigkeit ist bedenklich”

 

Ich möchte niemanden verurteilen, der Fleisch konsumiert. Und ich finde auch, dass es keine Sünde ist, ein Tier zu verzehren. Aber unter den Umständen, die in der heutigen Gesellschaft herrschen, ist das Ignorieren des Themas Massenhaltung und Nachhaltigkeit bedenklich.

Es reicht ja schon, sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Beim Bio-Laden einzukaufen und bei den Eiern auf Freilandhaltung zu achten. Ich habe viele Freunde, die nur sehr selten Fleisch essen und einfach auf ihren Konsum achten. Auch das macht meiner Meinung nach schon einen großen Unterschied.

Wer Vegetarier wird oder sogar Veganer, kann sich teilweise viel anhören. Klassiker wie: „Du isst meinem Essen das Essen weg“, oder „dass Menschen Fleisch essen, ist ja nur natürlich.“ Oder: „Durch deinen Tofu-Konsum und den ganzen Soja-Anbau bist du auch nicht gerade ein Vorbild für die Gesellschaft.“

Mit der Zeit lernt man aber die richtigen Gegenargumente zu benutzen. Natürlich wird bei dem enormen Anbau von Soja Regenwald abgeholzt und wertvoller Lebensraum zerstört. Was manche nicht wissen ist, dass nur ca. 3% aus der Sojaproduktion tatsächlich in die Produkte weiterverarbeitet wird, die vornehmlich Vegetarier und Veganer im Supermarkt kaufen. 90% wird zu Sojamehl weiterverarbeitet, was wiederum bei der Massentierhaltung für Geflügel, Rinder und Schweine eingesetzt wird.

 

“Der Boykott von nahezu allen Produkten aus diesem Bereich als moralische Konsequenz der Massentierhaltung”

 

Auch das Argument, der Fleischkonsum wäre ja nur natürlich, ist eigentlich total sinnlos. Denn damit müsste man erst mal definieren, was überhaupt natürlich ist und sich auch die Frage stellen, ob man alles, was als „normal“ und „natürlich“ angesehen wird, auch ohne weitere Reflexion so übernommen werden sollte.

Foto von Timo Klostermeier_pixelio.de

Der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer gilt mit seinem 1975 veröffentlichten Buch „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere“ als Begründer der modernen Tierethik und empfiehlt als moralische Konsequenz der Massentierhaltung den Boykott von nahezu allen Produkten aus diesem Bereich. Er begründet das mit dem nachgewiesenen Schmerz- und Angstempfinden einiger Tierspezies und der Vernunft des Menschen.

Zu Schulzeiten habe ich ein Essay von ihm gelesen, was an eben diese Vernunft appelliert. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber es ging ungefähr so:

Der Mensch hat nicht das Recht, sich über andere Spezies zu stellen und ihnen das Leben zu nehmen. Das lässt sich auch nicht durch die selbst empfundene Erhabenheit Tieren gegenüber rechtfertigen. Im Gegenteil: Der Mensch sollte diese Erhabenheit nutzen, die er mit seinem Verstand und der Fähigkeit zu denken begründet.
Wir, als einzige uns bekannte Spezies mit Verstand, Vernunft und Moral, sollten uns gerade deswegen über das „Fressen und Gefressen werden“ der Tierwelt hinweg setzen. Gerade weil wir diese Eigenschaften haben, sollten wir diese auch nutzen und uns bewusst gegen die auf Tierprodukten basierende Ernährung entscheiden.

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Foto Startseite: Sergio Falconi-Parker

Mehr über Hannah: facebook Seite von Hannah und Blog von Hannah

Und hier geht’s  zum Beitrag von Jörg Joachim “Maschula auf Abwegen”

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