Vom Theater einer werdenden Schauspielerin

 

Heute hole ich mal ein bisschen aus, bevor ich zum Punkt komme. Aber nur ein bisschen. Und nur, um dann den Punkt umso besser zu treffen.

Manchmal reden die Menschen, über die ich schreiben möchte, kurz und knapp mit mir; zack, zack, fertig. Manchmal dozieren sie sehr wissenschaftlich. Manchmal gehen sie davon aus, dass eh niemand versteht, was nur sie wissen können. Und manchmal sind sie auch in lass‘ mich doch in Ruhe Stimmung.

Und dann wieder kommt Freude auf. Es wird freundlich, witzig, angenehm und gleichwohl fundiert und nachdenklich. Dann heißen diese Menschen beispielsweise Hannah Thomé.

Foto von Felon Photography

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Die Bergisch Gladbacherin erweist sich im Gespräch als äußerst kommunikativ, sie antwortet ohne Frage, und fragt, während die Antwort schon unterwegs ist. „Das weiß ich“, räumt Hannah ein, „manchmal entschuldige ich mich im Freundeskreis für meinen Redeschwall.“ Muss sie aber nicht. Zum einen, weil es Hand und Fuß hat, was sie da erzählt und zum anderen, weil sie Worte und Sätze flüssig aneinanderreiht und passend akzentuiert. Da macht zuhören eh mehr Spaß als selber reden. „Als Schauspielerin profitiere ich davon“, fügt die junge Frau einen weiteren Vorteil von Kommunikationsfreude an.

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Zunächst mal…

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… hat Hannah Thomé in Bonn „Germanistik, Vergleichende Kultur- und Literaturwissenschaft und Skandinavistik“ studiert. „Ganz bewusst dieses Fachgebiet und ganz bewusst als Plan B“, wie sie sagt, „das wird mir auch, egal was ich mache, helfen – und irgendwann kann ich, wenn ich möchte, weiter studieren.“ Doch vorerst hat sie das Studium auf Eis gelegt. Grund ist die Faszination des Plan A. „Ich hatte den Entschluss gefasst, an staatlichen Schauspielschulen vorzusprechen und in dem Genre noch aktiver zu werden. Diese Zweigleisigkeit Studium – Schauspiel war nicht gut.  Nicht für die Konzentration, nicht zeitlich“, beschreibt sie ihren Gedankengang und zog zudem um, in die Hauptstadt. Wegen der räumlichen Nähe zur Theaterszene, „die sonst nirgendwo in Deutschland so bunt ist“.

Und dort fand zusammen, was zusammen gehört. Das Talent, sich auszudrücken – auf dem Fundament des Germanistikstudiums, die direkten Vorsprech- und Castingerfahrungen und die aus dem Gespräch mit einem Webdesigner entstandene Idee, keine herkömmliche Schauspieler-HP zu gestalten, mündeten schließlich in ihrem Blog.

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Ausführlich, detailliert, ehrlich…

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… beschreibt Hannah unter anderem, wie es ihr bei Vorspielterminen an (staatlichen) Schauspielschulen erging. Und auch wenn es bislang ohne den Erfolg des Angenommen-Werdens ausging, schildert sie nicht melancholisch, nicht verzagt und letztlich nicht mit dem Fazit, die anderen hätten die Schuld. Eher mit Erkenntnissen wie es besser geht – und Einsichten. „Jedes konstruktive Feedback bringt mich einen Schritt weiter, ich empfinde die Vorsprechen als Teile eines Prozesses“,  relativiert sie.  Beispielsweise das an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin („mein bestes bis jetzt, da hatte ich ein gutes Gefühl“).

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Foto von Felon Photography

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Alles auf die „17“…

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… alles auf staatliche Schauspielschulen, setzt Hannah zunächst mal, „weil danach einfach mehr Türen offen stehen, vor allem die zu staatlichen Theatern“, begründet sie. Zu den großen Häusern also. Da will sie hin. Sie meint es ernst.

So richtig deutlich, richtig plastisch, wurde das Ziel der bis dahin Hobbyschauspielerin mal im „Schauspiel Köln“, als  „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare gegeben wurde. „Das hatte mir das WOFÜR gezeigt, wo ich hin will. Und: Dass ich mir bei den Könnern viel abschauen kann.“

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Selbst gespielt…

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… hatte die Bergisch Gladbacherin bis dato hauptsächlich im THEAS (Theaterschule & Theater e.V.) in ihrer Heimatstadt. „Da bin ich aufgewachsen“, benennt Hannah Thomé ihre darstellerischen Wurzeln, „und ich bin auch jetzt noch öfter privat dort.“

Wenngleich sie nicht aus einer Theaterfamilie stammt, hat sich der Weg auf die Bühnenbretter „beizeiten, schon in der Kindheit, herauskristallisiert.“ Und führt jetzt zielgerichtet geradeaus.

Wenn die 21jährige sich vor einem Auftritt „noch im Off“ befindet, beschreibt sie ihre Aufregung als groß. „Auf der Bühne legt sich der Schalter – Gott sei Dank – schnell um, das Publikum blende ich komplett aus, es gibt nur noch die Kulisse, die Spielpartner. Es läuft automatisch, ich behalte meinen eigenen Kern und bringe mich in die Rolle ein.“

Foto von Felon Photography

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Jene Schauspielkollegen bezeichnet sie in dem Moment als „sehr wichtig“. Ideal empfindet Hannah, „wenn sie sich auf gleichem Niveau befinden, es muss sich mit ihnen echt anfühlen, authentisch, die Zuschauer müssen uns das Spiel abkaufen. Wenn erfahrene Partner/innen dabei sind, zieht es mich hoch, ich komme leichter in die Rolle und kann mir viel abschauen.“

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Zum Beispiel hier:

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Während der derzeitigen Proben zum Stück „Seven“ mit dem Untertitel „A Play about Power, Hunger, Greed and Manipulation“ von der Autorin Aleyna Karamizrak, die auch Regie führt und selbst mitspielt, ist das so. Hannah übernahm eine der Hauptrollen – nach erfolgreichem Casting. Auf die Premiere voraussichtlich Ende Januar / Anfang Februar freut sie sich.

Dann wird sie auch wieder auftauchen, die Faszination Schauspiel. „Ich habe die Chance, emotional alles auszuprobieren, in andere Personen zu schlüpfen, mich auszuleben“, beschreibt die Darstellerin, „ich darf alles machen wobei man mich draußen auf der Straße wegfangen würde, Worte komisch aussprechen, schreien; das ist manchmal anstrengend, macht mich kaputt und gibt mir gleichzeitig Energie und ein ganz besonderes Gefühl.“

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Hannahs Traum…

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… sind historische Stoffe. Egal, ob auf der Bühne oder im Film. „In den Kostümen und vor den Kulissen vergangener Zeiten, am liebsten im 18. Jahrhundert, eine interessante Zeit“, schwärmt sie.

Foto von Felon Photography

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Bis es soweit ist, zumindest an den angestrebten großen Häusern, bis Hannah Thomé genau da „Wirkung erzeugen, etwas und jemand erreichen, zum Nachdenken anregen und vielleicht ein bisschen die Welt verbessern kann“, muss sie noch ein Stück Wegstrecke hinter sich bringen. Sie wird Castings absolvieren, an staatlichen Schauspielschulen vorsprechen, sie wird dabei mal erfolgreich sein und mal nicht. Und sie wird für uns in ihrem Blog darüber berichten. So, dass wir lieber lesen als selber schreiben – spannend, flüssig, ehrlich. Und optimistisch.

JJ

Foto Startseite: Felon Photography

Weitere Informationen: facebook Seite und Blog

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar:

  1. Pingback:jjschreibt über mich und meinen Blog - Artikel in seinem Online Magazin

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