Traumposition Point Guard

 

Stina Barnert ist eine 1,72 Meter große Basketballspielerin und Point Guard durch und durch. Sie erreichte mit mehreren deutschen Erstligateams Erfolge, spielte vom Nachwuchs- bis in den Erwachsenenbereich in der Nationalmannschaft und in Spanien in der höchsten Klasse. In dieser Saison trägt sie das Trikot der „Rutronik Stars Keltern“, auf Grund einer Verletzung indes für mehrere Monate nicht als Aktive auf dem Feld. Die Lust an ihrem Sport lässt sie sich dadurch nicht nehmen.

 

„Es gibt nichts Schöneres als auf dem Spielfeld zu stehen“

 

JJ: Stina, bevor wir zur Faszination Basketball kommen, was ist faszinierend an der Insel Föhr und den Menschen da?

Stina Barnert: Das Schönste an der Insel ist das Gefühl von Entschleunigung. Wenn ich Zuhause bin, kann ich mich von Stress und Druck befreien und die Seele baumeln lassen. Man kann sich befreien von Zwängen, wie immer auf dem Handy erreichbar zu sein oder für alles das Auto zu nehmen.

 

Foto von www.wdp4u.com

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Wir Nordlichter machen vielleicht manchmal den Eindruck, kühl und abweisend zu sein, aber wir brauchen einfach nur ein wenig länger, um mit jemandem warm zu werden und ein freundliches „Moin“ trägt bei uns im Norden jeder auf den Lippen.

JJ: Du hast dort, beim Wyker TB, mit Basketball begonnen. Wie kam’s? Was hat dir damals gefallen an dem Sport?

Stina Barnert: Ich bin durch meine Eltern zum Sport gekommen. Mein Vater ist schon seit seiner Jungend basketballbegeistert und hat als Trainer angefangen. Meine Mutter hat damals selber in der Bundesliga und für die Nationalmannschaft gespielt. Leider musste sie früh aufhören mit dem Sport, weil sie sich zwei schwere Knieverletzungen zugezogen hat.

Irgendwann, auf Drängen meines Bruder, haben meine Eltern dann auf der Insel eine Jungen- und eine Mädchenmannschaft gegründet. Natürlich wollten die eigenen Kinder auch dabei sein. Als ich angefangen habe, war ich sechs Jahre alt. Damals fand ich es – glaube ich – einfach schön, in einer Mannschaft zu sein und so viel Spaß mit anderen Kindern zu haben. Wir waren mit den Mannschaften damals viel zusammen unterwegs und meine Eltern und die Betreuer haben immer Wert darauf gelegt, dass wir auch außerhalb der Halle etwas sehen und erleben.

JJ: Du bist zwar jung an Jahren, im Basketball aber schon eine alte Häsin. Spürst du, wenn wir mal von der derzeitigen Verletzung absehen, wie aus der übermütigen, forschen Stina die abgeklärte, erfahrene Frau Barnert wurde oder gerade wird?

Stina Barnert: Ich glaube, dass man die Veränderung, die man selber durchmacht, erst im Nachhinein sehen und auch für sich selber erkennen kann. Wenn ich auf meine erste Saison zurückblicke, spüre ich sehr deutlich, dass ich mich und vor allem, dass sich mein Spiel verändert hat. Man wird in den Jahren von Trainern, Mitspielerinnen, Momenten und Spielen geprägt.

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Natürlich, wie ich jetzt gerade erlebe, auch von Verletzungen und Tiefpunkten in der Karriere. Wobei ich ein recht positiver Mensch bin und versuche, jedes Hindernis als neue Herausforderung zu sehen und daran arbeite, immer das Beste aus jeder Situation zu machen.

JJ: Wenn ich die Verletzung schon mal angesprochen habe, die dich wohl länger aus dem Spielbetrieb nimmt, nimmt sie dir auch den Spaß am Sport? Wie ist der Stand der Dinge? Geht’s nach der Genesung weiter?

Stina Barnert: Den Spaß an meinem Sport kann mir keiner nehmen. Es gibt nichts Schöneres als auf dem Spielfeld zu stehen und zu zeigen, was man im Training hart erarbeitet hat. Ich bin noch ganz am Anfang der Verletzung und werde noch mindestens sechs Monate brauchen.

Ich versuche, mir keinen Druck zu machen und mir mit allem viel Zeit zu lassen. Leider bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch und verlange sehr viel von mir und meinem Körper und kann auch nicht lange ruhig sitzen bleiben. Wenn alles optimal laufen würde, könnte ich zu den Play-offs wieder fit sein, aber das wären dann gerade sechs Monate und meistens dauert es ja doch länger.

JJ: Nun aber zum Thema, was ist für dich ganz persönlich die Faszination Basketball, a. als Zuschauerin, b. als Spielerin?

Stina Barnert: Als Zuschauerin bin ich fasziniert von der Schnelligkeit des Spiels und vom Zusammenspiel. Wenn der Ball in der Mannschaft gut läuft und schöne Spielzüge dabei rauskommen, finde ich es am schönsten. Aber auch das Kraftvolle, die koordinativen Fähigkeiten und eine starke Verteidigung finde ich in meinem Sport sehr ansprechend.

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Stina mit der 26 unten links; Foto von www-wdp4u-com

Als Spielerin gefällt mir einfach das Spiel an sich. In den 40 Minuten kann so viel passieren und das Spiel kann immer eine überraschende Wendung nehmen. Es gibt immer Höhepunkte und fantastische Aktionen. Das Gefühl, als Spielerin auf dem Feld zu stehen, ist unbeschreiblich. Im Spiel erfährt man so viele Emotionen; Freude, Glück, Erfolg, aber auch Verzweiflung und Leid.

JJ: Stina, wie definierst du die Position Point Guard? Und was prädestiniert dich dazu? Ist es deine Traumposition, wenn ja, warum?

Stina Barnert: Der Point Guard hat für mich mehrere Funktionen. Er ist das Bindeglied zwischen dem Trainer und der Mannschaft. Der Point Guard versucht die Vorgaben vom Trainer, wie Defensivtaktiken und Angriffsspielzüge, im Spiel umzusetzen. Des Weiteren ist er der Kopf der Mannschaft auf dem Feld. Er kann das Spieltempo und Spielzüge bestimmen.

Wobei „bestimmen“ eigentlich nicht das richtige Wort ist. Der Point Guard versucht immer den richtigen Spielzug für die momentane Mannschaftsaufstellung und die Verteidigung zu finden. Er versucht Mismatches (groß gegen klein, schnell gegen langsam etc. – Anm. JJ) zu lesen und so Vorteile für die eigene Mannschaft zu schaffen. Der Point Guard ist auch Motivator, Unterstützer und Vorbild.

Point Guard ist für mich meine absolute Traumposition. Für mich als Point Guard ist es unwichtig, wie viele Punkte ich mache. Ich gehe immer mit dem Ziel ins Spiel, meine Mannschaft weiter zu bringen und meine Mitspielerinnen in gute Wurfpositionen zu bringen.

Foto von: www-wdp4u-com

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Natürlich muss ich als Point Guard auch viel Verantwortung übernehmen, aber das ist für mich im Laufe meiner Karriere kein Problem geworden. Ich habe schon wichtige Spiele verloren, aber auch wichtige Spiele gewonnen. Noch dazu bin ich sehr selbstkritisch und nie ganz mit mir zufrieden nach einem Spiel. Es gibt immer wieder Dinge, die man verbessern kann und daran arbeite ich dann.

JJ: Kannst du dich an deine erste Berufung in die Nationalmannschaft erinnern, war das ein ganz besonderer Moment, oder war das nach deinen Einsätzen in Nachwuchsauswahlteams schon beinahe eine Selbstverständlichkeit?

Stina Barnert: Daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Nachdem ich alle Altersklassen in der Jugendnationalmannschaft durchlaufen hatte, bin ich da direkt reingerutscht.

JJ: Ich denke mal, es ist ein abwegiger, törichter Vergleich mit dem Männerbasketball, aber wir wagen das jetzt einfach mal. Kannst du nachvollziehen, dass in deiner Sportart in der Publikumsgunst die Männer klar im Vorteil sind, weil sie nun mal höher springen und dadurch Dunkings und Alley oops zeigen können?

Stina Barnert: Ich finde die Entwicklung im Sport in Deutschland allgemein eher schwierig. Es gibt so viele interessante Sportarten in Deutschland, aber es gibt nur wenige, die für ihren Sport auch angemessen bezahlt werden. Jeder einzelne Sportler, egal ob weiblich oder männlich, muss ein immenses Pensum an Training absolvieren, um auf einem hohen Niveau zu spielen. Deshalb finde ich es angebracht, dass jeder Sportler dafür angemessen honoriert wird.

Wenn Leute mich kennen lernen und mich fragen, was ich arbeite, antworte ich immer: Ich bin Profisportlerin und spiele in der 1. Bundesliga Basketball. Darauf folgen dann komische Blicke und meistens immer dieselben zwei Fragen: Wie viel trainierst du denn in der Woche und kannst du davon leben?

JJ: Zum Abschluss, welchen Basketballspielerinnen siehst du gerne zu, egal ob in unserem Land oder international? Gibt‘s eine Art Point Guard Vorbild, egal ob männlich oder weiblich?

Stina Barnert: Ich habe kein Vorbild. Es gibt Spieler-/innen, die ich gut finde und denen ich gerne zugucke, aber als Vorbilder würde ich die nicht bezeichnen.

JJ: Danke, gute Genesung.

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