Point Guard

 

„In der Regel ist der Point Guard sehr schnell und wendig und besitzt ausgezeichnetes Ballhandling. Ebenso ist seine Spielübersicht von großer Bedeutung, denn der Point Guard entscheidet darüber, wann welcher Spielzug gestartet wird. Er muss sich daher auch durch kluge Entscheidungen auszeichnen. Der Point Guard ist eine Art verlängerter Arm des Trainers auf dem Spielfeld“, beschreibt Wikipedia diese Stellung innerhalb einer Basketballmannschaft.

Verantwortung

„Ich bin auf der Position groß geworden“, blickt Anthony Canty, derzeit bei den Hamburg Towers in der Zweiten Liga Pro A unter Vertrag, zurück. „Die Verantwortung ist es, die mich reizt, ich kann die Systeme bestimmen, mit denen wir agieren, dadurch beeinflusse ich das Spiel maßgeblich. Ich bin der verlängerte Arm des Trainers auf dem Parkett.“

Und tatsächlich, Andreas Joachim, der der mit Tony für die BSG Bremerhaven in der Regionalliga auf Korbjagd ging und auf über 20 Jahre Erfahrung zurückblicken kann, sagt: „Der genialste Verteidiger, mit dem ich zusammengespielt habe.“  Regionalligatrainer Dennis Flowers , der zwischen 2009 und 2011 mit seinem Team mehrmals gegen die BSG ran musste, schwärmte: „Ein Point Guard wie Anthony in der Mannschaft ist die halbe Miete, er verliert im Vorwärtsgang fast nie den Ball, trifft im Aufbau die richtigen Entscheidungen.“ Passt für den Job.

Damals war Tony noch Nachwuchsspieler, zog mit dem NBBL Team der Eisbären Bremerhaven bis ins Halbfinale der Playoffs ein und war unter allen seiner Altersklasse in den Top 3 der Statistiken (Punkte, Assists, Steals, Effizienz). Gleichwohl war er, wenngleich jung an Jahren, derjenige, der voran ging, organisierte, mitriss, entschied.

Anthony Canty, Foto von Dennis Fischer

Anthony Canty, Foto von Dennis Fischer

Inzwischen ist viel Wasser die Weser, Mosel und die Elbe herab geflossen, Anthony Canty lief für die Eisbären Bremerhaven (BBL), die Cuxhaven BasCats (ProA) , TBB Trier (BBL) und die A2 Nationalmannschaft auf, wurde 2012 vom damaligen Nationalcoach Svetislav Pesic zu einem Trainingslager der Nationalmannschaft eingeladen. Im gleichen Zeitraum bremsten den Berliner immer wieder hartnäckige Verletzungen aus.

Selbstbewusstsein

Wieder gesund und voller Tatendrang kam das Engagement bei den Hamburg Towers wohl gerade recht. „Hier konnte ich richtig fit werden“, bestätigt der Point Guard, „vor allem bekomme ich Spielpraxis“. In der Millionenstadt im Norden traf Tony auch alte Weggefährten wieder. Hamed Attarbashi vor allem, der ihn im Nachwuchsbereich schon coachte. „Wir kennen uns“, berichtet der Spieler, „er mich, ich ihn, ich kenne seine Philosophie. Hamed kann viel aus jedem Einzelnen herausholen“. Auch mit Guard Bazoumana Koné und Forward Helge Baues verbindet den mittlerweile 25jährigen aus gemeinsamen Eisbären-Zeiten einiges: „Es war einfach schön, sie wiederzutreffen.“

Wenngleich Anthony Canty selbstbewusst um seine Stärken weiß („Ich bin sehr vielseitig, kann das Spiel schnell lesen“), so ist ihm gleichwohl bewusst: „Ich muss jeden Tag an allem arbeiten, um mein Potenzial auszuschöpfen, derzeit vor allem an meinem Körper, der Gesundheit und Fitness.“ Gerade in der aktuellen Phase des Liga-Spielbetriebs scheint das auch nötig. „Mit den Towers strebe ich die bestmögliche Platzierung an, auf jeden Fall die Playoffs, und dann … vielleicht die Überraschung“, blickt der 1,83 Mann voraus.

„Was uns dabei enorm hilft, sind die Fans“, kommt Tony ins Schwärmen, „überragend, diese Fangemeinde, und das, obwohl es die Hamburg Towers erst im zweiten Jahr gibt. Die Stimmung in der Halle ist super und definitiv ein Grund für die Heimstärke“. Überhaupt hat es ihm die Stadt an Elbe und Alster angetan. „Es ist sehr schön hier und es gibt viele Freizeitmöglichkeiten.“ Dann denkt der berufsmäßig bedingte Wandervogel an Familie, Freunde und Heimat – fügt hinzu: „Und ich bin schnell mal in Berlin!“

Faszination

Wenn der Point Guard in die etwas weitere Zukunft schaut, dann ist es ein Blick nach oben. „Mein Ziel ist die erste Liga“, definiert er seine Pläne eindeutig, „klar, sehr gerne mit Hamburg“. Genauso klar ist ihm, warum er gerade Basketball spielt, warum ihn diese Sportart derart fasziniert. „Du musst die Konzentration über 40 Minuten hoch halten. Selbst wenn ein Team 30 Minuten deutlich in Führung liegt, kann in zwei oder drei Minuten alles kippen. Das macht die Spannung aus, man weiß nie, wer gewinnt.“

Befragt nach einem Spieler, den Anthony gerne mit der orangen Kugel zaubern sieht, zögert er zunächst, sagt dann jedoch klipp und klar: „Chris Paul von den Los Angeles Clippers!“ Und genauso klipp und klar ist, dass der in der ersten amerikanischen Liga NBA auf welcher Position wirbelt, den Ball beim Dribbeln förmlich an den Händen kleben hat, aus dem Nichts geniale Pässe kreiert und in letzter Sekunde von jenseits der Dreierlinie einnetzt? Point Guard.

JJ

Foto Startseite: Dennis Fischer

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