Geschichten erzählen

 

Wenn Friederike Kempter als Polizistin Julia Klug in der ARD Vorabend-Krimiserie „Heiter bis tödlich: Hauptstadtrevier“ engagierter ermittelt als es ihren eher eingefahren und karriereorientiert agierenden  Kolleginnen und Kollegen lieb ist, wird es ungemütlich für die Klein- und Großkriminellen Berlins. Amüsant und spannend dagegen wird es für die Fernsehzuschauer. Ebenso wie im Tatort Münster, wo die aus dem Schwäbischen stammende Schauspielerin die zunächst  Kommissaranwärterin und später Kommissarin Nadeshda Krusenstern darstellt.

Friederike ist indes nicht nur im heiteren Ermittler-Milieu unterwegs, sondern querbeet in zahlreichen Fernseh- und Kinorollen. Sie erzählt uns darüber:

 

„…wenn man mit den Kollegen spielen darf…“

 

JJ: Bevor wir zum Schauspiel kommen: als ich einer sehr guten schwäbischen Bekannten erzählte, dass ich Ihnen einige Fragen stellen werde, sagte sie spontan, Sie, Friederike, seien „eine von hier“. Deshalb vorab meine Frage: Können Sie schwäbeln, schwäbeln Sie gerne und sind Sie gerne daheim im Ländle?

Friederike Kempter: Ja, ich kann schwäbeln. Und ich bin auch immer wieder gerne zu Besuch in Baden- Württemberg, auch wenn Berlin mittlerweile zu meiner Heimat geworden ist.

JJ: Und wenn wir einmal dabei sind, hat sich schon in Ihrer Kindheit und Schulzeit in Freudental und Besigheim die Schauspielkarriere abgezeichnet?

Friederike Kempter: Abgezeichnet vielleicht nicht, aber ich wollte schon von klein auf Schauspielerin werden und habe Theater gespielt.

JJ: Wann war Ihnen klar: Ich werde definitiv Schauspielerin?

Friederike Kempter: Es gab nicht den einen Moment. Selbst als ich schon meine ersten Filmrollen gespielt habe, wollte ich zur Sicherheit und auch aus Interesse noch Geschichte studieren. Aber irgendwann wusste ich, das soll es sein und nichts anderes (lacht).

JJ: Was treibt Sie (schauspielerisch) an, Friederike? Spielen Sie einfach nur aus sich heraus, für das Publikum, oder gar um so etwas wie eine Mission zu erfüllen?

Friederike Kempter - Foto Credit Stefan Klüter

Friederike Kempter –
Foto Credit Stefan Klüter

Friederike Kempter: Ich habe schon immer gerne Geschichten erzählt. Und so seh’ ich auch meinen Beruf: ich stelle mich immer in den Dienst einer Figur und einer Geschichte.

JJ: Ich habe Sie in den verschiedensten Rollen gesehen und immer authentisch empfunden, weil Sie sich in zu spielendem Ernst genauso Humor wie in der Komik eine gewisse Tiefe bewahren. Können Sie meine subjektive Sichtweise nachvollziehen, steckt gar Absicht dahinter 😉 ?

Friederike Kempter: Das freut mich. Ich versuche (wie jeder Schauspieler) eine geschriebene Figur lebendig werden zu lassen und dazu gehört, dass man nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern tiefer geht, um der Schönheit und auch allen Widersprüchen, die unser aller Dasein so ausmachen, auf die Spur zu kommen.

JJ: Sind Sie als Friederike von ihren Rollen (z.B. der Julia Klug im Hauptstadtrevier) oft weit, weit weg – und macht das den Reiz für Sie aus?

Friederike Kempter: Das ist das Wesen meines Berufs. Ich mache mir eine Figur, die erst einmal nichts oder wenig mit mir zu tun, zu eigen. Ich nähere mich ihr in der Vorbereitung oder bei den Proben an und am Ende werde ich beim Spielen zu dieser Figur.

JJ: Gibt es für Sie, vielleicht erst mit Abstand betrachtet, Rollen, in denen Sie sich besonders wohl gefühlt haben, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Friederike Kempter: Um besonders Wohlfühlen geht es beim Spielen nicht. Im Gegenteil: die Rollen, mit denen man sich nicht wohl fühlt, die einen herausfordern, bei denen man vielleicht sogar Angst hat, ob man der Figur und ihrer Geschichte gerecht werden kann, sind  die, die einem besonders am Herzen liegen.

JJ: Sie stehen am Set, die Kamera läuft und der Regisseur sagt: Bitte; was geht in dem Moment in Ihnen vor? Und was macht ein im Idealfall blendend aufgelegter Schauspielpartner (Partnerin) mit Ihnen?

Friederike Kempter: In dem Moment bin ich im besten Falle ganz leer, gleichzeitig wach und konzentriert und im Moment. Und dann hab ich im besten Fall einen Partner, der wirklich mit mir spielt und nicht nur auf sich selbst konzentriert ist. Das mag ich nämlich am meisten an der Schauspielerei: wenn man mit den Kollegen spielen darf! (lacht)

JJ: Brauchen Sie vor und nach Ihrer Szene/Ihrem Auftritt lange, um emotional reinzukommen, bzw. raus, oder sind Sie so cool wie Sie wirken und machen das mal eben von jetzt auf gleich?

Friederike Kempter: Kommt darauf an, wie emotional die Szene ist. Wenn es sehr heftig ist, brauche ich mehr Ruhe und Konzentration als sonst.

JJ: Als Sie erfahren haben, dass Sie eine langfristige und wichtige Rolle im Tatort, den viele in Deutschland als Champions League betrachten, spielen sollen, war das für Sie so wie ein Dunking für einen Basketballer, ein Fallrückziehertor für einen Fußballer oder die Mount Everest  Besteigung für einen Bergsteiger?

Friederike Kempter: Nichts von alldem. Ich mag meine Kollegen, meine Rolle sehr und ich freue mich jedes Mal auf die gemeinsamen Dreharbeiten.

JJ: Sind noch schauspielerische Träume – oder sachlicher ausgedrückt – Ziele offen?

Friederike Kempter: Klar! Ich will noch ganz viele und ganz unterschiedliche Rollen spielen! Und mich immer weiter entwickeln.

Vielen Dank, Friederike.

Foto Credit Startseite: Stefan Klüter

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