Entspannte Gesichter als Feedback

Anita Gessulat aus Vaterstetten ist ausgebildete und zertifizierte Yoga-Lehrerin (BYV, Weiterbildung Pre- und Postnatal). Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und praktiziert seit 2007 Yoga.

Interview

JJ: Anita, das Wort Yoga hat wohl fast jeder von uns schon mal gehört. Intensiv damit befasst haben sich die wenigsten, denke ich mal. Ich verbinde es irgendwie mit Indien, mit Entspannung, Dehnen. Liege ich richtig?

Anita Gessulat: Yoga ist ein Übungsweg, der vor mehr als zweitausend Jahren in Indien entwickelt worden ist und seitdem viele Wandlungen und Erneuerungen erfahren hat. Dieser Übungsweg beinhaltet, wenn er den Traditionen des Hatha-Yoga folgt, Körperübungen, Atemübungen, Reinigungsübungen, Konzentrationsübungen, Meditationen und eine ständige Selbsterforschung. Yoga versteht sich als eine »Wissenschaft vom Menschen«. Heutzutage steht dabei besonders der Körper im Mittelpunkt, während es in der ursprünglichen Yogalehre viel mehr darum ging, zu begreifen, wie unser Geist funktioniert und was wir tun können, damit er ruhiger, gesammelter und friedlicher wird.

JJ: Du hast dich auf  Hatha Yoga spezialisiert, wenn ich richtig informiert bin. Was daran ist speziell, besonders oder anders, mal für den Laien erklärt?

Anita Gessulat: Aus dem Hatha-Yoga haben sich über die Zeit viele weitere Yoga-Richtungen entwickelt, unter anderem Ashtanga-Yoga, Bikram-Yoga, Iyengar-Yoga, Jivamukti-Yoga oder auch Sivananda-Yoga. Alle mit dem Ziel, den Körper zuerst über die Asanas (Übungen) anzustrengen, um ihn dann zu entspannen. So wird der optimale Körperzustand für die Meditation erreicht, um den Geist ruhen zu lassen. Hatha Yoga ist ein leistungsfähiges Werkzeug zur Selbst-Transformation. Es fordert uns auf, unsere Aufmerksamkeit auf unseren Atem zu richten, der uns hilft, die Gedankenkreise aufzulösen und das Bewusstsein in den Moment des Hier und Jetzt zu bringen.

Foto: mami-yoga

Foto: mami-yoga

JJ: Was du anbietest, ist Yoga für Mütter. Warum? Ist es für Mamas besonders wichtig, macht dir das besonders Spaß, steckt Gevatter Zufall dahinter?

Anita Gessulat: Das Muttersein hat mich ein Stück weit erwachsener und unabhängiger von der Meinung anderer gemacht. Doch gerade als frische Mama prasseln ja unzählige Meinungen anderer auf einen ein … daher ist es gar nicht so einfach hier ruhig und gelassen zu bleiben und einfach zu tun, was man für richtig hält. Ich bin insgesamt ruhiger und entspannter geworden – natürlich bin ich nach wie vor auch temperamentvoll und fahre mal aus der Haut. Welche Mutter eines Kindergartenkindes tut das nicht? Aber auch in solchen Situationen versuche ich zunächst ruhig zu bleiben, tief durchzuatmen und so gelassen wie möglich zu reagieren. Und genau das möchte ich anderen Müttern vermitteln. Verlasse dich auf dein Bauchgefühl. Versuche ruhig und gelassen zu bleiben. Auch wenn es nicht immer gelingt, übe weiter.

JJ: Wenn die Mütter mit dir trainieren, sind die Babys dabei, nur passiv, oder auch aktiv? Ist auch bei den Kleinen eine Reaktion zu spüren, tut es ihnen gut?

Anita Gessulat: Ja, die Babys sind dabei. Teils passiv, teils aktiv. Je nach Laune des Kindes. Einige Babys schlafen, einige bewegen sich aktiv und schauen, was die Mamas machen. Was die Babys mögen ist die Klassische Musik, die im Hintergrund während der Stunde läuft. Und auch auf das tiefe Atmen der Mutter reagieren die Kinder. Besonders wenn sie heulen, beruhigen sie sich schnell.

JJ: Wie ist das Feedback der Mamas?

Anita Gessulat: Das Feedback sind Ihre Gesichter nach der Yoga Stunden 😉 Diese wunderschönen entspannten Gesichtszüge. Da müsste man eigentlich Vorher- / Nachher-Fotos machen.

JJ: Ich war mal fit und beweglich. Die Betonung liegt beim Wort war. Jetzt bin ich, freundlich gesagt, eingerostet. Stattdessen gewichtig. Mein Gefühl sagt mir, beim Versuch, Yoga darzubieten, wäre ich sehr schnell. An meinen Grenzen. Anita, gibt es Übungen für solche Spezialisten wie mich?

Anita Gessulat: Jeder kann Yoga üben. Wirklich jeder! Aber auch jeder kommt bei Yoga an seine Grenzen. Denn nur wenn Du die Grenzen kennst und akzeptierst, entwickelst Du ein sensibles Körperbewusstsein. Später wirst du Deine Grenzen erweitern und Dinge tun, die du anfangs nie für möglich gehalten hättest.

JJ: Was ist Yoga für dich, was fasziniert dich daran? Seit frühester Jugend?

Anita Gessulat: … ein Prozess, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Der achtsame Umgang mit sich selbst und allen anderen Wesen. Lebensfreude und Bewusstseinserweiterung. Die Aufmerksamkeit auf das „Hier und Jetzt“ zu lenken. Diese Erfahrung machte ich vor 16 Jahren. Und seit dem lässt es mich nicht mehr los.

Weitere Informationen und Foto Startseite: http://www.mami-yoga.de/

 

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