Ein geiles Gefühl

 

Bei Werder Bremen spielt die 1993 in Bremerhaven geborene Cindy König seit 2007. Zunächst im Nachwuchsbereich, ab 2010 für die Frauen. Zwei Mal in Folge wurde sie Torschützenkönigin der 2. Bundesliga Nord und stieg mit ihrem Team 2015 in die höchste Spielklasse auf. Jetzt misst sie sich mit Spielerinnen, die Weltmeisterschafts- und  Champions League Erfahrung besitzen.

Interview

Cindy König, Foto: Werder Bremen, Frauen

Cindy König, Foto: Werder Bremen, Frauen

JJ: Cindy, bei unserem letzten Gespräch 2010 warst du die Jüngste im damaligen Zweitligateam von Werder Bremen. Inzwischen ist viel Wasser die Weser herunter geflossen, du wurdest zweimal Torschützenkönigin der 2. Bundesliga und Ihr seid in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Weht da ein anderer Wind?

Cindy König: Es ist schon noch einmal ein großer Unterschied zwischen den beiden Ligen. Das Spiel ist viel athletischer, schneller und noch mehr von Taktik geprägt. Auch das ganze Umfeld ist deutlich professioneller geworden. Wir selbst trainieren häufiger und arbeiten in allen Bereichen intensiver. Gerade als Aufsteiger ist der Zusammenhalt im Team ein wichtiger Faktor. Und der Teamgeist ist seit dem Aufstieg noch einmal ein wenig größer geworden.

JJ: In Liga 2 warst du mehrmals Torschützenkönigin. Ist für dich selbst das Tore schießen viel schwieriger geworden und warum?

Cindy König: Das Niveau jeder Mannschaft in der 1. Bundesliga ist deutlich höher als in der 2. Liga. Abwehrreihen machen kaum Fehler und sind im 1 gegen 1 noch stärker. Man kommt dadurch weniger zu Torchancen. Dazu sind auch die Torhüterinnen in der Liga richtig stark. Das alles macht es natürlich schwieriger, vor dem Tor erfolgreich zu sein.

JJ: Hattest du dir die erste Liga so vorgestellt?

Cindy König: Ja, für mich ist es weiterhin ein Traum, in der stärksten Liga der Welt zu spielen. Seit ich Fußball spiele, wollte ich mit Werder in der 1. Liga spielen. Ich freue mich, dass wir uns diesen Traum erfüllt haben und genießen ihn jetzt einfach.

JJ: Ist es irgendwie besonders, Cindy, gegen Frauen zu spielen, die du von Weltmeisterschaftsspielen aus dem Fernsehen kennst?

Cindy König: Natürlich. Es ist eine große Motivation, weil man die Gelegenheit bekommt, sich mit diesen Spielerinnen zu messen.

JJ: Spielt Ihr als Team taktisch anders als in Liga 2?

Cindy König: Ja. In der 2. Liga waren wir immer der Favorit und mussten das Spiel machen, gingen also auch deutlich offensiver in die Begegnungen. Jetzt hat sich unsere Rolle gedreht. Wir sind der Außenseiter und versuchen, über eine gefestigte Defensive zum Erfolg zu kommen.

JJ: Habt Ihr auf Platz 11 jetzt deutlich mehr Zuschauer als letzte Saison?

Cindy König: Das ist wohl eine der größten Unterschiede im Vergleich mit der 2. Liga. Zu unseren Heimspielen kommen zwischen 500 und 1500 Zuschauer, in der 2. Liga waren es weniger. Wenn die Leistung honoriert wird, jeder Ballgewinn bejubelt wird, setzt das natürlich noch einmal zusätzliche Kraft frei. Das ist wirklich ein geiles Gefühl. Wir können unseren Fans für diese tolle Unterstützung nur danken!

JJ: Cindy, was ist für dich faszinierend am Fußball, was macht dir am meisten Spaß?

Cindy König: Beim Fußball hat jede Spielerin das Ziel zu gewinnen, aber zugleich weiß man, dass man dies nur als Team schaffen kann – das ist für mich das Faszinierende am Fußball. Ich freue mich darauf, die Mädels zu sehen, mit ihnen zu quatschen, zu trainieren und alles was dazu gehört. Dieser Mannschaftssport ist das, was ich einfach toll finde. Und besonders hier in Bremen ist ein enormer Teamgeist vorhanden.

JJ: Gibt es sowas wie Vorbilder für dich im Fußball, oder siehst du eine Spielerin oder einen Spieler sehr gerne?

Cindy König: Seitdem ich Lukas Podolski bei der WM 2006 spielen gesehen habe, bin ich riesiger Fan von ihm. Ich fand seine Spielart immer hervorragend. Und da er – wie ich auch – Linksfuß ist, wurde er zu meinem Idol.

JJ: Das hat sich also seit unserem letzten Gespräch nicht geändert. Was machst du jetzt beruflich, Cindy?  Ist es  im Frauenfußball möglich, 100% auf die Karte Fußball, also Profi, zu setzen?

Cindy König: Ich befinde mich derzeit im letzten Ausbildungsjahr zur Sport- und Fitnesskauffrau bei Werder Bremen. Das ist natürlich eine hervorragende Konstellation, denn so kann ich das Sportliche mit dem Beruflichen verbinden – und der Weg zum Trainingsplatz ist auch nicht weit (lacht). Wichtig ist, dass man immer im Hinterkopf behält, dass zum einen im Frauenfußball nicht so viel Geld im Spiel ist wie im Herrenbereich und zum anderen eine schwere Verletzung immer das Karriereende bedeuten kann. Daher ist mir ein zweites Standbein umso wichtiger!

JJ: Vielen Dank, ich wünsche dir und euch eine gesunde und erfolgreiche Rückrunde.

(Bild Startseite: Cindy, ganz links, nimmt den Ball direkt Volley und hämmert ihn unter die Latte; Quelle JJ)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*