Der Traum vom Fliegen

 

Irgendwo an der Nordseite des Thüringer Waldes am Rennsteig liegt, eingebettet von Mittelgebirgswäldern und Bergen, das Städtchen Ruhla. Würden da nicht Uhren produziert, die nach wie vor gehen (Insider), würden da nicht engagierte Sportler in Vereinen Sommer,- Winter- und Ballsport betreiben, würden da nicht Touristenströme ein- und ausgehen, könnte man meinen, Fuchs und Hase sagen sich gute Nacht in dieser Idylle.

Juliane gut gelaunt auf dem Schanzenturm

Juliane gut gelaunt auf dem Anlaufturm

Genau der richtige Ort, um die Gegebenheiten der Landschaft und das Wintersportangebot des „WSC 07 Ruhla“ zu nutzen, Hänge mit dem Ski herunter zu rasen, über Skipisten zu laufen oder von der Schanze zu springen. So wie Juliane Seyfarth. Die 26jährige trainiert mittlerweile am Bundesstützpunkt des DSV in Oberstdorf. 2006 wurde sie die erste offizielle Juniorenweltmeisterin im Skispringen. Bei Weltcup-Entscheidungen ist sie regelmäßig am Start.

Für die 51. Nordische Skiweltmeisterschaft, die 2017 im finnischen Lahti stattfinden wird, hat sich Juliane einiges vorgenommen. Darüber gibt sie uns hier Auskunft:

 

„Angst wäre fehl am Platz“

 

JJ: Juliane, du hast beizeiten mit dem Skisport begonnen, soweit ich weiß zuerst Alpin, dann Langlauf, bevor du zum Skispringen kamst. War das alles rund um Ruhla möglich?

Juliane Seyfarth: Ja alles in Ruhla! Aber beizeiten würde ich nicht sagen, das war erst mit zehn Jahren.

JJ: Wie bist du ausgerechnet zum Skispringen gekommen, war es der Klassiker, dass dich jemand aus der Familie mal zum Training mitgenommen hat?

Juliane Seyfarth: Nein das hat mich einfach schon länger fasziniert. Vielleicht sind es auch die Gene, denn mein Papa und Opa sind auch gesprungen.

Fotograf: Andreas Leyh. Photo Art Online

Fotograf: Andreas Leyh, Photo Art Online

 

JJ: Hast du in der Nicht-Schnee-Zeit beispielsweise Handball gespielt, bzw. waren andere Sportarten eine Alternative?

Juliane Seyfarth: Nein, man trainiert auch dann – oder besser gesagt gerade dann – für den Winter. Aber allgemein bin ich sportlich schon vielseitig unterwegs, zum Beispiel bin ich dieses Jahr beim Rennsteiglauf den Halbmarathon gelaufen.

JJ: Irgendwann in den 80er Jahren hat mir Jens Weißflog erzählt, dass er ohne irgendeine Angst da oben auf dem Anlaufturm steht, runter fährt und springt. So wie andere mal eben Brötchen holen. Bist du ähnlich cool und unerschrocken, Juliane?

Juliane Seyfarth: Ja, denn wenn man Angst hätte, wäre man auch fehl am Platz.

JJ: Gibt es Skispringer oder Skispringerinnen, die du gerne springen siehst, weil es einfach nur gut aussieht, technisch perfekt ist, was sie da machen? (bei mir war das Hans Georg Aschenbach, der aus Brotterode stammt und in den 70ern aktiv war)

Juliane Seyfarth: Oh, da gibt es viele bei den Männern…  Janne Ahonen, Peter Prevc, Robert Kranjec, Anders Fannemel usw.

JJ: Beschreibe bitte mal aus deiner ganz persönlichen Sicht die Faszination Skispringen. Was macht dir Spaß, was treibt dich an?

Julianes Lieblingsbeschäftigung - Fliegen

Julianes Lieblingsbeschäftigung – Fliegen

Juliane Seyfarth: Hauptsächlich das Fliegen! Fliegen ist beim Skispringen wie der kurze Moment von Schwerelosigkeit.

Wenn ich einen guten Sprung habe und realisiere, dass er weit geht… dann ist alles andere drumherum ausgeblendet.  Allgemein ist dieser Sport ein Teil von meinem Leben geworden, den ich nicht missen möchte.

JJ: Wenn ich richtig informiert bin, liegt deine Bestweite bei 138 Metern. Erzähle mal, was ging da in dir vor, was bekamst du mit? War das ein perfekter Sprung?

Juliane Seyfarth: Nicht ganz, 142 Meter. Nun ja, das ist ja kein Einzelsprung, wenn ich auf der Großschanze trainiere, geht es in guten Sprüngen dann auch immer ähnlich weit. Hier kommt es vor allem darauf an, die Geschwindigkeit im Sprung zu behalten.

JJ: Juliane, mal für uns Laien und mit jeweils ein, zwei Sätzen: worauf kommt’s beim Anlauf an, worauf beim Absprung und worauf in der Luft und dann bei der Landung?

Juliane Seyfarth: In der Anfahrt möglichst eine hohe Geschwindigkeit zu erzielen, beim Absprung sich durch eine gute Kraftwirkung eine perfekte Ausgangsposition für den Flug zu erarbeiten. In der Luft eine gute Position für viel Tragfläche zu finden und bei der Landung stabil und stylisch zu landen, für gute Haltungsnoten.

JJ: Was denkst du selber, bist du ehrgeizig?

Juliane Seyfarth: Natürlich bin ich das.

JJ: Ich kenne die Wunschfee ganz gut, Juliane, was wünschst du dir für deine Sportart, das Frauen-Skispringen, und was für dich persönlich?

Juliane Seyfarth

Juliane Seyfarth

Juliane Seyfarth: Fürs Frauenskispringen ein paar mehr Weltcups im Kalender und für mich wäre eine Medaille in Lahti ein Traum ❤.

JJ: Werden Wintersportsieger tatsächlich im Sommer gemacht, trainierst du zwischen Mai und September – und was und wie?

Juliane Seyfarth: Eher im ganzen Jahr. Ich trainiere das ganze Jahr über für meinen Sport, mehr als eine Woche in die Sonne nach den letzten Weltcups ist mit noch Bundeswehrlehrgängen und Studium meist nicht drin.

Im Frühjahr etwas mehr Kraft und Ausdauer und sonst das Jahr über Schnellkraft, Springen selbst, und auch sehr wichtig ist das Drumherum mit Stabi Training sowie Ausgleich wie Inliner oder Fahrrad und Koordination.

JJ: Vielen Dank, viel Spaß und viel Erfolg.

 

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