Dahinplätschern? – Nein, danke!

 

Manchmal kommt eins zum anderen. „Der Sohn meiner Lehrerin war Spieler des Basketball-Bundesligateams von Bramsche, deshalb bin ich dann mit einem Kumpel aus der Grundschule zum Training“, beschreibt Flavio Stückemann seine Anfänge in der beschaulichen Stadt am Flüsschen „Hase“. Kurz davor hatten die Männer des ortsansässigen Vereins eine kleine Sensation geschafft. Durch einen 74:72-Sieg beim TuS Herten stiegen sie in die erste Liga auf (1990), und behaupten sich da bis Mitte der 90er.

Talent und Leader-Qualitäten

Die dadurch entstandene Vorbildrolle zeigte Wirkung. „Als 17jähriger habe ich dann  ein Jahr in Quakenbrück gespielt, in der 2. Herrenmannschaft, und durfte das Training der 2. Bundesliga Mannschaft mitmachen. Danach war ich fünf Jahre in Braunschweig“, erinnert Flavio sich an den folgenden Werdegang. Weitere Stationen in mehreren Teams der oberen Spielklassen (erste und zweite Liga) wie bei den Artland Dragons, der BG Karlsruhe, bei SC RASTA Vechta und den Eisbären Bremerhaven folgten, mittlerweile spielt er bei den Itzehoe Eagles in der Pro B.

Flavios Talent als Basketballspieler und sein kämpferischer Einsatz, gepaart mit wohl angeborenen Leader-Qualitäten, führten ihn auch in die U20- und A2 Nationalmannschaften, bei einigen Stationen übte er das Kapitänsamt aus. „Teamsport, egal in welcher Sportart, kann ich nur jedem Kind und Jugendlichen empfehlen“, blickt der mittlerweile Routinier auf seine Anfänge zurück, auch wegen „der Dynamik in der Gruppe. Die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler ergänzen sich, so greifen die Räder ineinander“. Speziell am Basketball faszinieren ihn „die Atmosphäre in der Halle“, und dass das Spiel nie dahin plätschert, „selbst bei einer 15 Punkte Führung ist nichts sicher“.

Viele Veränderungen in 15 Jahren

In der Nachwuchsarbeit im deutschen Basketball, so befindet Flavio Stückemann, habe sich vieles verbessert. „Vor zehn, 15 Jahren gab es lediglich eine erste und zweite Liga, nicht wie jetzt die Junge Liga – ProA/ProB – und nicht die Nachwuchsbundesligen – JBBL und NBBL“, erinnert sich der gebürtige Brasilianer an seine sportliche Ausbildung, „das bringt die heute um die 20jährigen deutlich in Vorteil“.

Da Flavio mittlerweile die drei höchsten Spielklassen im Lande aus eigener Erfahrung kennt, kann er die spielerischen Differenzen gut beurteilen. „Im Trainingsaufwand, auch im Tempo auf dem Parkett gibt es keine wesentlichen Unterschiede“, erkennt er. Vielmehr gingen die Teams der ersten Basketball Bundesliga „mit einem konkreteren, ausgefeilteren und detaillierteren Game-Plan ins Spiel“. Zudem agierten sie „kontrollierter, in der  Breite strukturierter und sie verteidigen besser“. So falle es schwerer, Körbe herauszuarbeiten und zu erzielen.

Natürlich läge das ursächlich vor allem schlicht und einfach an den besseren Basketballern. „Hier spielen auch die Regularien der Ligen eine Rolle“, schätzt Flavio ein, wonach in der BBL gleichzeitig nur Ausländer agieren dürfen, in der Pro A dagegen mindestens zwei und der Pro B drei deutsche Spieler auf dem Platz stehen müssen. Und gerade die US-Boys bringen durch den Background in ihrem basketballverrückten Heimatland die entsprechende Qualität und Erfahrung mit, sind dadurch mit der Nase vorn.

Blendendes Sport-Geschäft

In Itzehoe steht der 30jährige für die Eagles als Guard auf dem Feld, bringt sich in die Jugendarbeit ein und hat sich peu à peu durch ein duales Studium ein weiteres ökonomisches Standbein und eine Option für die Zukunft geschaffen. Mit dem Unternehmen „FS-Teamwork“ hat der junge Unternehmer sich selbstständig gemacht. Unternehmenscoaching, Mediation und Personaltraining stehen auf dem Plan. „Ich vermittele den Kunden Teamwork, wie sie sich Ziele setzen und diese erreichen oder mit Stress umgehen können. Speziell im Personaltraining stehen die drei Säulen Fitness, Ernährung und mentale Techniken“.

Die nötigen Erfahrungen dazu sammelte Flavio im Sport, aus der „täglichen Konkurrenz“, erläutert er, „in Vechta und in der A2 Nationalmannschaft war ich Kapitän, auch sonst meist in der Leader-Position, das sind gute Voraussetzungen für den Job“.

„Das Sportgeschäft kann blendend sein“, gibt der langjährige Basketballprofi zu bedenken, „nicht nur blendend schön, genauso kann es blenden. Im deutschen Basketball herrscht noch keine Nachhaltigkeit, die Verträge sind meist kurz, alles Mögliche kann passieren, Verletzungen beispielsweise, oder der Trainer beziehungsweise die Mannschaft passen nicht. Dann ist man ganz schnell auf dem Boden der Tatsachen“.

Deshalb schlug Flavio Stückemann schon beizeiten mit Ausbildung, Studium und nun der Selbstständigkeit den Weg des zweiten (oder ersten) Standbeins ein. „Das ist für jeden individuell, jeder sieht das anders“, denkt er dabei nicht, das Patentrezept erfunden zu haben. Manchmal kommt eben eins zum anderen, beginnt in Bramsche am Flüsschen Hase, findet Zwischenstopps in Basketballhochburgen und wird sein Ziel noch lange nicht erreicht haben.

JJ

Bild Startseite: Flavio  (rechts) – Aufstieg in die 1. Liga mit Rasta Vechta; Fotograf: Christian Becker

Weitere Informationen:

https://www.facebook.com/FS-Teamwork-496352063866845/?fref=ts

 https://www.instagram.com/fsteamwork/

 

Ein Kommentar:

  1. Sehr schöner Bericht.
    Flavio ist und bleibt ein Klasse Charakter, hängt sich immer voll rein. So hat er es überall in die Herzen der Fans geschafft und bis in den Eurocup hinein für Aussehen gesorgt.

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