Ausstrahlung, Charakter, Disziplin

 

Das Model und der Grübler

Was ich (JJ) meine: Was die Zeitschrift COSMOPOLITAN 2015 in einem Artikel über Modelmaße schrieb, liest sich wie eine Verordnung der Europäischen Union über den Abstand von Verkehrsschildern zu Kastanienbäumen. Oder so. Bürokratisch unsinnig eben, weitab der realen Welt. Auch bei den Models geht es demzufolge um einen Abstand, den – wie geschrieben steht – „von 30 Zentimetern. Also wenn ein Model einen Taillenumfang von 58 cm hat, sollte ihr Brust- und Hüftumfang idealerweise 88 cm betragen. In Konfektionsgröße ausgedrückt: Bei Models ist die Kleidergröße 34 bis maximal 38 sowie eine Schuhgröße von 37 bis 41 Voraussetzung.“ Verrückt, oder?

Was Jenni Corson (Model aus Duisburg) betrifft: „Ich bin 181 cm groß. Die perfekten Modelmaße habe ich natürlich nicht, aber eine Tendenz besteht. Vielmehr kommt es auf Ausstrahlung, Charakter, Disziplin und Ehrgeiz an. Mit der richtigen Einstellung erreichst du jedes Ziel.“

Foto: Ralf Gehlen | Fotografie

Foto: Ralf Gehlen | Fotografie

Woran ich mich erinnere: In meiner frühen Jugend dachte ich, Mannequins (so nannten wir Models in den 70ern) sind einfach nur schöne, junge Frauen. Mittlerweile finde ich andere Frauen schön und empfinde Schönheit anders.

Was Jenni Corson sieht: „Der erste Eindruck ist natürlich  das Äußere. Aber viel mehr geht es um die innere Ausstrahlung. Wenn ein Mensch ungesund und unglücklich lebt, spiegelt sich das im Gesicht wider. Bei mir ist es zum Beispiel so, wenn es mir richtig gut geht, strahle ich das über meine Gestik und Mimik aus und stecke damit andere Menschen automatisch an, egal in welcher Situation.

Das Schöne am Modeln ist, dass ich immer in verschiedene Rollen schlüpfen kann. Wenn ich ein Kreativ-Makeup habe, ist es unglaublich, wie ich mich verändere und in die Rolle einfühle und einpasse.“

Was ich vermute: Wenn das Model gut ist, vielleicht ähnlich wie bei Schauspielern oder Tänzern, spürt der Zuschauer nicht, wieviel Arbeit dahinter steckt. Es soll einfach, locker und natürlich wirken und ist doch alles andere als einfach. Es ist eine Art Kunst.

Was Jenni Corson weiß: „Ob Model, Schauspieler, Fotograf, Designer, es steckt immer eine künstlerische Tätigkeit dahinter. Kreativität ist hier das Schlüsselwort. Als Grafik-Designerin habe ich diese am Bildschirm ausgelebt, jetzt lebe ich sie vor der Kamera.

Wenn ich davor stehe, dann konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Haltung, die Posen und den Gesichtsausdruck. Zwischendurch mal einfach lockern, hilft immer. Laufstegjobs erwecken, wenn ich kurz davor bin rauszugehen, Adrenalin. Ich höre die laute Musik, den Beat, sehe die Menschen und denke ‚hoffentlich geht alles gut‘. Wenn ich laufe, genieße ich einfach jeden Schritt und das Blitzgewitter, am liebsten will ich dann immer und immer wieder raus!“

Was ich mich frage: Warum zieht es Menschen auf einen Laufsteg oder vor ein Kameraobjektiv ins Scheinwerferlicht? Genießen sie die Öffentlichkeit, das Stehen im Mittelpunkt, gieren sie nach Bewunderung?

Was Jenni Corson antwortet: „Ich wollte schon im Teeniealter immer modeln, die Maße und das Aussehen hatte ich dafür, doch wie Eltern so sind, hieß es immer, mach was Vernünftiges!

Mit 30 Jahren gab es eine Lebensumstellung für mich und das war der Moment, endlich das zu machen, was mir gut tut und wovon ich immer geträumt habe. Warum nicht auch mit 30 die Model-Karriere beginnen ?!“

Und außerdem: Was macht daran Spaß, wo liegt die Herausforderung?

Was Jenni Corson fühlt: „Beim Fotoshooting muss ich mich in gewisse Rollen hineinversetzen, um den Gesichtsausdruck realistisch rüberzubringen. Ich muss mich in das Thema reinfühlen, erst dann bekommen alle, ich, der Fotograf und der Betrachter, die perfekte Geschichte zum Foto.

Dabei können wir natürlich das beste Foto einer Serie rauspicken. Jedes Projekt bringt mich auf jeden Fall weiter. Ich finde es toll, mich zu entwickeln und neue Herausforderungen anzunehmen. Die richtigen Menschen um mich zu haben, die keine Energie rauben, sondern so wie ich, Energie geben, ist dabei sehr wichtig.

Insgesamt liegt in der Vielfalt die Würze, die Mischung macht´s. Da ich ein sehr vielseitiger, lebhafter und ehrgeiziger Mensch bin, brauche ich die Abwechslung. Mit voller Power gehe ich an meine Projekte und erreiche so meine Ziele.“

Worüber ich mal rätselte: Es liegt Jahrzehnte zurück, da wunderte ich mich zum ersten Mal, dass ausgerechnet die Frauen, die ich als schön und makellos empfand, mit sich selbst höchst unzufrieden schienen. Immer hatten sie das Gefühl, mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein…

Mit welchem Fuß Jenni Corson aufsteht: „Natürlich findet eine Frau immer Stellen, die ihr nicht so gut gefallen. Ich bin eigentlich ganz zufrieden und arbeite daran, wenn mir etwas nicht gefällt und ich es selbst verändern kann.“

Na ja, denke ich, vielleicht ist Jenni ein zufriedener Mensch…

Was Jenni Corson denkt: „Eigentlich bin ich nach jedem meiner Projekte zufrieden, doch es gibt ab und zu Dinge, die ich hätte besser machen können, zum Beispiel den Kopf etwas nach unten halten. Gerade bei Catwalks ist ein Video eine gute Grundlage, um mich selbst zu beurteilen und das, was mir nicht so gut gefallen hat, beim nächsten Mal besser zu machen.“

Was ich sehe, wenn ich Fotos von Jenni sehe: Vielfalt. Von ladylike bis cool. Und sportlich. Manchmal auch die deutliche Handschrift der Visagistin. Bei allem immer irgendwie Natürlichkeit.

Foto: Frank Wächter - photography & art

Foto:
Frank Wächter – photography & art

Was Jenni Corson will: „Sportlich? Richtig erkannt 🙂 Ich war eigentlich schon immer ein aktiver Mensch und seit anderthalb Jahren betreibe ich intensives Kraft- und Ausdauertraining, da ich einen definierten Körper haben möchte. Es ist viel Arbeit und braucht viel Disziplin, aber es funktioniert. So langsam komme ich in die Definition und möchte mehr sportliche Shootings machen. Als Model muss ich ja auch auf Ernährung achten und ein definierter Körper schadet nie. An meinem Lebensstil musste ich dafür nicht viel umstellen, denn ich habe schon immer gesund gelebt und auch ungesunde Sachen gönne ich mir ab und an. Das Entscheidende ist, dass die Definition eines Körpers aus 30 Prozent Training und 70 Prozent Ernährung besteht.

Eine Kombination aus Modeln und Fitness ist für mich nicht mehr wegzudenken. Und wenn ein Muskel mal besonders gut durchkommt, muss das natürlich auch vor der Kamera erfasst werden. Der körperliche Erfolg muss festgehalten werden und macht sehr stolz!

Ja, die markante Hand der Visagistin. Visa-Projekte mache ich sehr gerne, da ich mich nicht nur innerlich auf die Rolle einstelle, sondern äußerlich komplett anders aussehe. Ein Mega-Moment, wenn ich in den Spiegel schaue und vor die Kamera gehe, Glücksgefühle pur. Cool, wow, das bin tatsächlich ich?! Nach einem Shooting freue ich mich immer auf die ganzen Fotos, denn da entdecke ich Facetten, die ich sonst so von mir nicht kenne… spannend.
Meine Natürlichkeit ist selbstverständlich immer dabei. Und das mögen die Fotografen und meine Mitmenschen an mir.“

Wovon ich träume, will niemand wissen. Ich weiß es ja selbst nicht, weil ich den Nonsens spätestens beim Aufwachen vergessen habe. Zum Glück. Doch wovon träumt – oder sagen wir mal, was für Ziele setzt sich – ein Model wie Jenni Corson?

Was Jenni Corson möchte: „Natürlich möchte ich im Bereich Modeln noch viele interessante Jobs ergattern und mein Portfolio erweitern, zum Beispiel mehr im Fitnessbereich. Doch mir geht es eher darum, das zu machen, was glücklich macht.

Foto: Photocarsten

Foto:
Photocarsten

Die Bereiche Modeln und Fitness verbinde ich deshalb sehr gerne weiterhin. Wie bei jedem Menschen gibt es jedoch auch bei mir nicht nur einen Traum. Zur Zeit arbeite ich an einem kreativen Projekt, um mich selbst zu verwirklichen. Es wird viele Models glücklich machen 🙂 und im Sommer werde ich mehr verraten.“

Was ich noch zu sagen habe: Nicht viel. Ich hoffe mal, Jenni meldet sich im Sommer mit ihrer Überraschung, und ich hoffe, sie bietet irgendwann nicht nur noch Sportfotos an. Ich mag die Vielfalt. Na ja, und vor allem die Lady in ihr.

JJ

Foto Startseite: Lars Fotoblog – PhotoArt

Mehr über Jenni: www.jennicorson.de

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